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Laufvögel auf der bergischen Wiese in Hückeswagen

Tiere in Hückeswagen : Laufvögel auf der bergischen Wiese

Nathalie Hofsess hat seit etwa einem halben Jahr zwei Nandus. Die großen Laufvögel kommen aus Südamerika, fühlen sich aber auch hier sehr wohl. Die angehende Tiermedizinerin hat die Vögel von einem Züchter aus Hessen bekommen.

Normalerweise ist die Landschaft des Bergischen Landes geprägt von Wäldern, weiten Wiesen und Feldern – sowie Kühen. Die Paarhufer gehören dazu wie Schieferhäuser und schlechtes Wetter. Nicht so in Oberburghof, dort laufen seit etwa einem halben Jahr Nancy und Nanbro auf einem großen Stück Weide, auf dem auch noch ein ausrangierter Bauwagen steht. Nancy und Nanbro sind Nandus. Die beiden großen Laufvögel gehören Nathalie Hofsess und ihrem Freund. Die angehende Tiermedizinerin hat die beiden Vögel von einem Züchter aus Hessen bekommen, als die Tiere etwa einen Monat alt waren. Damals waren sie in etwa so groß wie Hühner, zwischenzeitlich haben sie aber einen großen Wachstumsschub gemacht und sind mit ihren langen Hälsen etwa 1,20 Meter groß.

„Sie wachsen, bis sie etwa zwei oder drei Jahre alt sind, werden aber nicht so groß wie Strauße“, sagt Nathalie Hofsess. Den größten Laufvögeln der Welt habe sie ihre kleineren Artgenossen indes vorgezogen, weil der Strauß als eher unberechenbar gegenüber dem Menschen gelten würden. „Daher wollte ich lieber Nandus. Es gibt auch sonst noch ein paar Unterschiede zum Strauß. Beispielsweise haben Nandus drei Zehen, statt zwei wie der Strauß“, sagt die Hückeswagenerin.

Damit sie die Nandus auf ihrer Weide halten durfte, habe sie einige Auflagen erfüllen müssen, die vom Bundeslandwirtschaftsministerium gestellt werden. „Der Zaun muss mindestens 1,70 Meter hoch sein. Zwar können Nandus nicht fliegen, aber wenn die mit Anlauf auf ein Hindernis zulaufen, könnten sie schon drüber hüpfen“, sagt Nathalie Hofsess. Nandus können mit bis zu 60 Stundenkilometer nämlich sehr schnell laufen. „Auch die Weidefläche muss eine gewisse Größe umfassen“, sagt die angehende Tiermedizinerin.

Sie habe sich immer schon für die Tiere interessiert, das habe sich auch während ihres Studiums gezeigt. Da sie ihre beiden Nandus quasi als frisch geschlüpfte Küken bekommen habe, habe sie sehr viel Zeit mit ihnen verbracht. „Deswegen kennen die beiden mich auch und kommen auch zu mir her. Eine gewisse Zutraulichkeit ist da schon vorhanden“, sagt Nathalie Hofsess.

In der ersten Zeit hätten die beiden Vögel noch nicht im Freien gelebt. Ihr Zuhause sei der ausrangierte Bauwagen gewesen. „Da war es zum einen natürlich warm, aber es war eben vor allem auch ein Schutz für die kleinen Küken. Gefährlich hätte ihnen nämlich etwa eine Katze werden können“, sagt Nathalie Hofsess. Allerdings seien Nancy und Nanbro recht schnell gewachsen und hätten so auch bald ihre Weide in Besitz nehmen können. Und auf der stolzieren die beiden Nandus nun herum, picken im Gras und scheinen insgesamt sehr entspannt zu sein.

Das bergische Klima sei für die beiden Vögel, die ja eigentlich aus Südamerika stammen, sehr gut. „Denn auch in Südamerika leben sie in eher höheren Lagen, wo es nicht so warm ist“, sagt Nathalie Hofsess. Nachts würden die zwei allerdings von sich aus in den Bauwagen zum Schlafen gehen. Das sei auch der aufwändigste Teil der Nandu-Haltung, sagt die Hückeswagenerin. „Ihren Stall im Bauwagen muss man natürlich jeden Tag sauber machen. Dort ist Stroh, in das sich Nancy und Nanbro dann nachts auch einmuckeln.“

Ansonsten habe sie nicht viel Aufwand mit ihren beiden Vögeln, sagt sie und lacht. Nandus seien in Deutschland bekannter, als sie es zuvor erwartet habe, sagt Nathalie Hofsess. „Es gibt tatsächlich einige Züchter und Halter in Deutschland. Mit denen stehe ich auch in Kontakt, es gibt ein ganz gutes Netzwerk.“ Das helfe vor allem bei Fragen, aber auch der Austausch untereinander sei sehr schön. „Man steht nicht ganz alleine auf weiter Flur“, sagt die Hückeswagenerin Nathalie Hofsess.

Sie wolle künftig auch das Thema Zucht ein wenig näher beleuchten. „Es soll aber schon ein Hobby bleiben“, ergänzt die angehende Tiermedizinerin. Der Zucht stehe indes eine ganz elementare Sache im Weg. „Ich wusste zu Beginn nicht, welches Geschlecht die beiden Vögel haben.

Man sieht das nicht einfach so, deswegen dachte ich, dass Nancy auch ein Mädchen ist“, sagt Nathalie Hofsess. Dem war indes nicht so, Nancy und Nanbro sind beides Hähne. Die kümmerten sich zwar um das Ausbrüten der Eier und auch die Aufzucht. „Aber damit es Eier gibt, brauche ich natürlich eine Henne“, sagt die Hückeswagenerin und lacht. Daher werde Nancy wohl über kurz oder lang gegen ein weibliches Tier ausgetauscht.

Die schönsten Momente mit den beiden Vögeln sei am Morgen, wenn sie aus dem Wagen kämen. „Dann freuen sie sich natürlich und flitzen schon mal mit Hochgeschwindigkeit über die Wiese“, sagt Nathalie Hofsess und lacht.