Waldbauern in Hückeswagen : Lambeck: Nordmanntanne statt Mischwald

Waldbauern in Hückeswagen : Lambeck: Nordmanntanne statt Mischwald

Der Straßweger Waldbauer Ernst-Oskar Lambeck kann nicht verstehen, dass das Forstamt angesichts des Klimawandels und dem damit verbundenen Fichten-Sterben im Bergischen auf Mischwald setzt. Er wirbt für das Anpflanzen der Nordmanntanne.

Nur wenige Meter sind es vom Tierfriedhof an der Kreisstraße 1 bis in ein Waldstück oberhalb des Höhsieper Tunnels. Früher fuhren darin die Züge, seit zehn Jahren teilen ihn sich hingegen Radfahrer, Fußgänger und Fledermäuse. Ist der Tunnel doch Teil des Radwegs auf der ehemaligen Bahntrasse. Oberhalb sieht es ein wenig aus wie in einem „Weihnachtswald“, denn überall stehen Nordmanntannen. Allerdings nicht mehr im handlichen und demnächst wieder aktuellen Christbaum-Format, sondern in stattlicher Höhe von mehr als sechs Metern. Kein Wunder, hatte Ernst-Oskar Lambeck diese doch vor mehr als 30 Jahren an dieser Stelle gepflanzt. Das Waldstück gehört zwar nicht mehr ihm, weil er es vor Jahren mit einem anderen nahe seines Hofs in Straßweg getauscht hatte. Aber hier an seiner alten Wirkungsstätte erzählt er am „Bürgermonitor“ unserer Redaktion, warum er seinen Waldbauern-Kollegen die Nordmanntanne ans Herz legt. Den vom Forstamt propagierten Mischwald lehnt er ab.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs war die schnell wachsende Fichte der „Brotbaum“ der bergischen Waldbauern. Doch jetzt kann sie den Folgen der Klimaveränderung nicht mehr standhalten: Mehrere Orkane, zwei trockene Sommer und der starke Befall von Borkenkäfern haben den Fichtenwäldern in der Region stark zugesetzt. Das Forstamt setzt nun auf den Mischwald: „Das ist der richtige Weg im Bergischen Land“, betont Reierförster Heiner Grüter. Den habe das Forstamt im Übrigen schon seit jeher favorisiert. Zudem bestehen die Hückeswagener Wälder der in der Forstbetriebsgemeinschaft zusammengeschlossenen Waldbauern laut Grüter nur zu 40 Prozent aus Nadel-, dafür zu 60 Prozent aus Laubbäumen.

Lambeck sieht das Ganze aus betriebswirtschaftlicher Sicht: „Am Mischwald kann man nichts verdienen.“ Zumal auch Buchen und Eichen mittlerweile die Auswirkungen der Klimaerwärmung zu spüren bekämen. So müsse ein Mischwald komplett gegattert werden, da die jungen Triebe sonst alle vom Rehwild gefressen würden. Die Nordmanntanne hingegen hat aus seiner Sicht mehrere Vorteile: „Sie ist käfererresitent, ist als Pfahlwurzler sturmfest und kommt aus dem Kaukasus, wodurch sie an das jetzige Klima bei uns bereits gewöhnt ist“, listet der Straßweger auf.

Ernst-Oskar Lambeck zwischen Nordmanntannen nahe des Tierfriedhofs bei Höhsiepen, die er vor etwa 30 Jahren gepflanzt hat. Foto: Stephan Büllesbach

Dazu komme der wirtschaftliche Effekt für die Waldbauern, sagt Lambeck. Die Nordmänner könne man sehr eng stellen, und nach zehn Jahren könne man einen Teil von ihnen als Weihnachtsbäume herausschlagen. Auf einem Hektar könnten 10.000 Nordmanntannen stehen, von denen drei Viertel als Weihnachtsbäume verkauft werden könnten. „Da hat man die Kosten wieder raus, und der Rest bleibt stehen“, sagt er. Auch um dieses Gelände müsste zwar ein Gatter gezogen werden, um die Bäume vor dem Verbiss zu schützen. Aber eben nicht um jeden einzelnen Baum wie beim Mischwald.

Der Revierförster gibt ihm Recht, dass die Nordmänner tiefer wurzeln, als andere Nadelbäume. „Aber nur auf sie zu setzen, halte ich nicht für richtig“, betont er. Und ob sich diese Tanne im Bergischen einmal als qualitativer Holzlieferant durchsetzen könnte, daran hat Grüter seine Zweifel. „Denn die Nordmanntanne ist grobastig“, sagt er. Letztlich gebe es aber noch keine verlässliche Untersuchungen dazu, wie sich die Tanne aus dem Kaukasus als Waldbaum im Bergischen Land bewährt.