L 101 bekommt Tempo 70 im Überholbereich

Straßenverkehr in Hückeswagen: Tempo 70 auf L 101 im Überholverbot

Die Verkehrsunfallkommission hat beschlossen: Die Landstraße zwischen Dreibäumen und Scheideweg wird zu einer Tempo-70-Zone. Allerdings nur in dem Bereich des Überholverbots vor und nach der Kurve bei der Einfahrt Kurzfeld. Ansonsten gilt weiter eine Höchstgeschwindigkeit von maximal 100 km/h.

Zwei Menschen wurden schwer, ein Autofahrer wurde leicht verletzt, als am Abend des 30. Juni ein Wermelskirchener Taxifahrer beim Abbiegen nach links auf den Parkplatz des Golfclubs in Dreibäumen ein entgegenkommendes Auto übersah und es zu einem Frontalzusammenstoß kam. Es war der neunte schwere Unfall auf dem Teilstück der Landstraße 101 zwischen Dreibäumen und Scheideweg. Der schwerste war der im Oktober, als ein Autofahrer bei einem Frontalzusammenstoß noch an der Unfallstelle und der Verursacher einige Wochen später im Krankenhaus starb. Nur vier Tage nach dem bislang jüngsten Unfall hatte die Verkehrsunfallkommission mit Mitarbeitern der Polizei, des Straßenverkehrsamts und des städtischen Ordnungsamt bei einem gemeinsamen Ortstermin die Unfallstelle besichtigt – „und verkehrsregelnde Maßnahmen beschlossen“, teilte jetzt Iris Trespe, die Pressereferentin des Kreises, auf Anfrage unserer Redaktion mit.

Bei diesem Ortstermin wurden die vier schweren Unfälle behandelt, die nach dem Erlass „Aufgaben der Verkehrsunfallkommission“ relevant für die Identifizierung einer Unfallhäufungsstelle sind. Trespe: „Es handelt sich um Unfälle von Motorradfahrern und der tödliche Unfall mit Pkw im Oktober.“ Dass sich jetzt die Kommission noch einmal traf, ist vor allem Anwohner Thomas Kick zu verdanken, der alle schweren Unfälle der vergangenen Monaten aufgelistet hatte und mit der Temporeduzierung im Überholverbotbereich zufrieden ist. Wird seine Liste zugrunde gelegt, handelt es sich um dieses Teilstück der L 101 tatsächlich um einen Unfallschwerpunkt, wie Polizeisprecher Michael Tietze vor einigen Wochen im Gespräch mit unserer Redaktion bestätigte. Die Polizei hatte einen entscheidenden Unfall in ihrer Auflistung aber nicht gehabt, weil er bei der Eingabe in den Computer falsch verortet worden war.

Bei der Ortsbesichtigung jetzt gab es laut Trespe Forderungen nach einer Geschwindigkeitsbegrenzung und weitergehenden Überholverboten, um entsprechende Unfälle zu vermeiden. „Zu beachten ist jedoch, dass alle vier Unfälle im Zusammenhang mit Überholvorgängen im Bereich des bereits jetzt vorhandenen Überholverbots stehen“, berichtete die Pressereferentin nach Rücksprache mit den Kollegen vom Straßenverkehrsamt. Dementsprechend wäre es nicht zu diesen Unfällen gekommen, wenn sich die Verkehrsteilnehmer an die geltende Regelung gehalten hätten.

Die Sträucher rechts werden entfernt, weil
Die Sträucher rechts werden entfernt, weil sie eine mögliche Sichtbehinderung beim Überholen darstellen. Foto: Stephan Büllesbach

Natürlich gebe es beim Überholen regelmäßig erhöhte Geschwindigkeiten, die in diesen Fällen möglicherweise über der bisher geltenden Höchstgeschwindigkeit von 100 Kilometer pro Stunde lagen. Aber tatsächlich lag die Hauptursache bei diesen schweren Unfällen im Missachten des geltenden Überholverbots, ist sich die Unfallkommission sicher.

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„Es konnte von ihr jedoch auch festgestellt werden, dass die Kurve, die innerhalb der Überholverbotsstrecke liegt, doch ,schärfer’ ist, als sie in der Anfahrt vielleicht vermuten lässt“, berichtete Trespe. Unter Umständen habe das auch Einfluss auf die Unfallgeschehen gehabt. Die Verkehrsunfallkommission hat daher beschlossen, diese etwa 300 Meter lange Überholverbotsstrecke zusätzlich mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung auf 70 km/h zu versehen. Trespe: „In Richtung Scheideweg wird die ,70’ zirka 100 Meter nach der Kurve in Höhe Kurzfeld aufgehoben. In Richtung Dreibäumen wird das Überholverbot dagegen nicht aufgehoben, da dies sonst kurz vor der folgenden Rechtskurve zum Überholen verleiten könnte, obwohl die zu überblickende Strecke dort nicht lang genug ist.“

Darüber hinaus soll Bewuchs entfernt werden – dabei geht es um einen Baum auf der rechten Seite in Fahrtrichtung Scheideweg kurz nach der Kurve hinter der Einfahrt zum Golfplatz. Die beiden Sträucher stellten in der Anfahrt auf die Unfallhäufungsstelle eine Sichtbehinderung dar und bewirkten unter Umständen, dass ein möglicher Gegenverkehr für kurze Zeit nicht erkannt werden kann.

Der Landesbetrieb Straßen wurde angewiesen, die Beschilderung aufzustellen. „Da es sich hier um eine Unfallhäufungsstelle handelt, hoffen wir auf eine möglichst kurzfristige Umsetzung“, berichtete Trespe. Das gelang, gestern standen die Schilder. Auf der restlichen Strecke auf der L 101 zwischen Scheideweg und Dreibäumen kann weiterhin maximal bis zu 100 km/h gefahren werden. Die Pressereferentin stellte jedoch klar, dass die grundsätzlich für Strecken außerhalb geschlossener Ortschaften geltende Höchstgeschwindigkeit nicht bedeute, dass dort jederzeit auch Tempo 100 gefahren werden darf.