Alain Frei: "Kunst und Kabarett sollten alles dürfen"

Alain Frei: "Kunst und Kabarett sollten alles dürfen"

Alain Frei ist Kabarettist und Stand-Up-Comedian und gastiert am Freitag mit seinem Programm "Neutral war gestern" im Kultur-Haus Zach. Im Gespräch mit der BM erläutert er etwa die Unterschieden im deutschen und schweizerischen Humor.

Herr Frei, was unterscheidet den Humor in der Schweiz von dem im Rheinland? Sie leben ja seit einiger Zeit in Köln.

Frei Die Rheinländer sind im ersten Moment offener als "wir" Schweizer. Aber schlussendlich lachen wir über ähnliche Dinge. Humor kennt keine Landesgrenzen.

Was sind die Hauptthemen Ihres aktuellen Programms "Neutral war gestern"?

Frei Ich versuche, in meinem Programm mit Klischees zu brechen. Es handelt von Erwartungshaltungen, die man an Menschen hat, und das die meisten davon doch Quatsch sind.

Wann ist Neutralität denn von Vorteil?

Frei Man sollte allem Neuen gegenüber zuerst neutral sein und sich erst dann ein Urteil bilden.

Sie haben erst nach zwei Jahren auf der Bühne Ihr Debüt in Ihrem Heimatland gefeiert - hatten Sie vor dem Auftritt Angst?

Frei Oh ja! Ich habe meine ganze Comedy- und Bühnenerfahrung in Deutschland gesammelt, habe mich hier etabliert. Dann auf einmal in der Heimat auftreten, in meiner Muttersprache - ich hatte großen Respekt davor.

Schweizer Humoristen sind entweder absurd bis liebenswert, wie Emil Steinberger, oder bissig bis böse, wie Andreas Thiel. Welcher der beiden Pole liegt Ihnen persönlich mehr?

Frei Da versuche ich immer, einen gesunden Mittelweg zu finden. Man kann auch ernste wichtige Themen ansprechen, ohne gleich allzu bissig und böse zu werden. Aber nur nett und liebenswert auf der Bühne zu sein, wäre auch langweilig. Ich glaube, ich bin irgendwas zwischen charmant und dreist.

Was hat Sie eigentlich nach Deutschland gezogen?

Frei In Hamburg habe ich Schauspiel studiert, und eines führte zum anderen. Ich könnte es mir momentan auch nicht vorstellen, nicht mehr in Deutschland zu leben - ich bin eingedeutscht.

Aus aktuellem Anlass: Darf Kabarett alles? Oder gibt es Grenzen? Wo liegen diese für Sie?

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Frei Natürlich darf Kabarett alles! Kunst im Allgemeinen sollte alles dürfen! Aber auch hier gilt wie eigentlich bei allem im Leben: Der Ton macht die Musik.

Können Sie sich noch an Ihren ersten Auftritt erinnern?

Frei Das war im Quatsch Comedy Club in einer Talentshow. Ich glaube, ich war furchtbar unlustig, aber ich hatte sehr viel Spaß.

Haben Sie beruflich ein Vorbild?

Frei Dave Chappelle, Louis CK - ich gucke mir oft amerikanische Stand-Up-Comedy an.

Mit welchen drei Ihrer Kollegen könnten Sie sich vorstellen, die einsamen Insel zu teilen?

Frei Bülent Ceylan, weil er ein super Typ ist, Chris Tall, weil er ein richtig guter Freund von mir ist, und Andreas Thiel, weil es sonst zu nett würde.

Und mit welchen nur unter Androhung der Todesstrafe?

Frei: Ich glaube, an dieser Stelle ist Neutralität mal ganz gut angebracht.

Auf was dürfen sich die Besucher im Haus Zach am Freitagabend freuen?

Frei Auf die Schweiz! Aber die neue Generation Schweiz.

WOLFGANG WEITZDÖRFER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(wow)
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