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Kolping-Gala-Sitzung: Ein Stück Hückeswagener Kulturgut

Kolpingsfamilie : Ein Stück Hückeswagener Kulturgut

Kolping feiert 2020 die 88. Gala-Sitzung und den 55. Rä-Te-Ma-Teng. Der zweiten Teil der Serie blickt auf die Historie der Sitzung.

Die Anfänge der Gala-Sitzung der Hückeswagener Kolpingsfamilie liegen weitgehend im Dunkeln. Lediglich die Tatsache, dass am Sonntag, 23. Februar, schon die 88. Sitzung dieser Art im Kolpinghaus gefeiert wird, legt den Schluss nahe, dass die erste Sitzung spätestens 1932 gefeiert wurde. Allerdings dürfte sie tatsächlich eher in den 1920er Jahren stattgefunden haben. Denn auch wenn die Chronik bis jetzt nicht auffindbar ist, ist zumindest belegt, dass einige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg keine Gala-Sitzung veranstaltet wurde. Bleibt abzuwarten, was Historiker Norbert Bangert über die Anfänge des Kolping-Karnevals in Hückeswagen herausfinden wird; die Kolpingsfamilie hat ihn mit Nachforschungen zum Thema beauftragt.

Aber ob nun 1920er oder 1930er Jahre – die Anfänge liegen so weit zurück, dass Zeitzeugen der ersten Gala-Sitzungen nicht mehr leben dürften. Dennoch lohnt es sich, den Blick ein wenig in die Vergangenheit schweifen zu lassen. Etwa zu Peter Weyer, dem Vorgänger von Tobias Bosbach als Sitzungspräsident. Bosbach leitet die Gala-Sitzungen in diesem Jahr nun auch schon zum 18. Mal – Weyer war, mit einer Ausnahme, von 1986 bis 2002 Sitzungspräsident. Dabei ist der langjährige Kolpingbruder gar kein so großer Jeck – was eigentlich typisch für die eher protestantisch geprägte Schloss-Stadt ist. „Früher gab es auch noch die Sitzung des Quartett-Vereins Rheingold, da war ich auch. Aber dass ich zum Karneval etwa nach Köln oder Düsseldorf gefahren wäre, kam dann doch nicht vor“, erzählt der 78-Jährige.

Übergabe der Chef-Narrenkappe 2003: Tobias Bosbach (l.) übernimmt das Präsidentenamt der Gala-Sitzung von Peter Weyer. Foto: Hertgen, Nico (hn-)

Zum Amt des Sitzungspräsidenten war der Katholik Weyer eher zufällig gekommen. An seine eigene erste Gala-Sitzung als Besucher könne er sich zwar nicht mehr erinnern. Aber scheinbar hatte er auf den Elferrat in irgendeiner Form Eindruck gemacht, so dass er gefragt worden war, ob er das Amt des Sitzungspräsidenten spontan übernehmen könnte. „Der Vater von Willy Otto, dem damaligen Präsidenten, war kurz vor Karneval gestorben, und er wollte dann nicht die Gala-Sitzung leiten. Das war dann eine Nacht-und-Nebel-Aktion, dass ich Sitzungspräsident sein sollte“, erinnert der 78-Jährige sich lachend.

Er habe keinerlei Bühnenerfahrung gehabt. „Ich habe nie eine Büttenrede oder etwas Ähnliches gehalten, und dann sollte ich direkt die Sitzung leiten. Das war schon ein wenig der Sprung ins kalte Wasser“, sagt Weyer. Aber offensichtlich – und das trotz einer ganzen Menge Nervosität, wie der 78-Jährige schmunzelnd gesteht – klappte die spontane Premiere so gut, dass er für 16 Jahre die Gala-Sitzungen leitete.

Mit einer Ausnahme. „Einmal hat mich Heinz Pohl vertreten, als meine Mutter verstorben war. Der fand das dann auch nicht schlecht und hat die beliebte Kolping-Rakete, bei der eigentlich dreimal ,Kolping Alaaf’ gerufen wird, einfach auf viermal erhöht. Mit der Begründung, dass es ihm so viel Spaß mache und er nicht wisse, ob er es noch einmal würde machen können“, sagt Weyer. Klar, wer sich seit vielen Jahren als „Paul Posthorn“ im Hückeswagener und seit geraumer Zeit auch im Kölner Karneval so erfolgreich über alles und jeden lustig macht, der hat natürlich auch als Sitzungspräsident den Humor nicht abgegeben.

Bei den folgenden Sitzungen, die Weyer als Präsident leitete, hatte er mehr Zeit, sich vorzubereiten. „Ich habe mir immer alles aufgeschrieben, das ganze Jahr über, was in der Stadt und in der Kirchengemeinde so passiert ist. Und als Kraftfahrer war ich auch viel unterwegs und habe dabei Radio gehört. Da ist natürlich auch einiges hängengeblieben.“ Vor der Sitzung habe er sich einige Stunden hingesetzt und seine Texte geschrieben. Die Routine hatte dabei die anfängliche Nervosität bald abgeschliffen. „Ich habe auch immer eine ganze Menge an Witzen im Programm gehabt – das hält jeder Präsident anders.“

Langjährige Wegbegleiter seiner Zeit als Sitzungspräsident seien etwa Heinz Pohl und Michael Loh als „Küttels vom Morgenstern“ oder der 2016 verstorbene „Stadtbüttel“ Franz Mostert. Zum Ende seiner Amtszeit hin seien auch das Tanzcorps Blau-Weiß Neye als Programmpunkt etabliert worden. „Wobei die Bühne für die Tanzdarbietung schon wirklich arg klein ist“, sagt Weyer.

Heute besucht er die Gala-Sitzung nicht mehr: Es ist ihm zu voll. „Zum bisher letzten Mal war ich vor etwa drei oder vier Jahren im Kolpinghaus. Aber die Gala-Sitzung ist eine Konstante, ein Hückeswagener Kulturgut, das es auf jeden Fall zu erhalten gilt.“ Dazu gehöre auch, dass die Witze und Reden nicht unter die Gürtellinie gingen. „Darauf haben wir immer geachtet. Das waren immer saubere, runde Sachen.“ Vielleicht ist auch das ein Geheimnis des langjährigen Erfolgs der Gala-Sitzungen.