„Knastladen“ bietet Handwerkskunst auf dem Hückeswagener Altstadtfest

Altstadtfest Hückeswagen : „Knastladen“ bietet Handwerkskunst auf dem Altstadtfest

Erstmals wurden in Hückeswagen Arbeiten von Gefängnisinsassen verkauft – auf Initiative von Justizminister Peter Biesenbach.

Fast schon im Stundentakt karrten am Wochenende die Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt Werl mit ihrem Gefängnistransporter zwar nicht die Insassen, dafür aber die kunstvoll gestaltete Vogelhäuschen der Werler Knasthandwerker zu ihrem Verkaufsstand auf der Bahnhofstraße. „Die Leute sind begeistert von den hübschen Fachwerkhäusern. Wir müssen tat-sächlich unser Werkstattlager räumen“, berichtete Mitarbeiter Bernhard Janßen aus der JVA Castrop-Rauxel erfreut über die große Nachfrage nach den Holz- und Metallarbeiten im „Knastladen“.

Auch NRW-Justizminister Peter Biesenbach ist ein überzeugter Kunde: „Ich unterstütze dieses gemeinsame Werkstattprojekt von insgesamt 28 Gefängnisanstalten hier in unserem Bundesland absolut vorbehaltlos“, sagte der Hückeswagener, auf dessen Initiative hin der „Knastladen“ zum Altstadtfest gekommen war. „Warum sollte ich dann nicht mein eigenes neues Vogelhaus in einer der wirklich sehr sorgfältig arbeitenden Häftlingswerkstätten des ,Knastladens’ anfertigen lassen?“ Der Sonderauftrag wurde in Werl auch prompt erledigt.: Am Samstag überreichte Werkstattmeister Sven Noack dem Justizminister seine neues Vogelhaus.

NRW-Justizminister Peter Biesenbach (2. v. l.) aus Hückeswagen erhielt auf dem Altstadtfest das speziell für ihn gefertigte Vogelhäuschen aus den Händen der JVA-Mitarbeiter Sven Noack (l.), Wolfgang Richter (M.), Bernhard Janßen und Andrea Schäfer. Foto: Maren Panitz

Seit 2008 hilft das Werkstattprojekt den Insassen im geschlossenen und offenen Vollzug bei ihrer Resozialisierung in ein vom Umfeld bestätigtes Berufs- und Privatleben. „Einer unserer Insassen erkannte voller Rührung, dass es ihm eine unglaubliche Bereicherung war, für andere Menschen etwas Gutes zu tun“, erzählte der Administrator des Online-Versandes für den „Knastladen“, der JVA-Mitarbeiter Bernhard Janßen. Derweil gab Biesenbach zu bedenken: „Viele der Häftlinge kennen bislang keinen geregelten Arbeits- und Lebensalltag. Für sie bedeutet der riesige Verkaufserfolg ihres ,Knastladens’ eine ungeheure Motivation.“ Sie sähen sich in ihrer Leistung bestätigt und gewännen damit auch neue Energien für die Zeit nach ihrer Haftstrafe.

Unter „Knastladen.de“ werden die Produkte im online-shop verkauft, wobei das Sortiment mit inzwischen mehr als 1.500 Artikeln aber auch auf Messen und öffentlichen Märkten wie dem Altstadtfest präsentiert wird. „Über unsere Service-Adresse im Internet unterbreiten wir jederzeit Kostenvoranschläge für Spezialaufträge. Dieses Angebot wird vor allem bei dem Kauf von Büromöbeln sehr gern genutzt“, verrieten die JVA-Verkäufer ihren Kunden beim Altstadtfest. Einige der Ergebnisse der arbeitstherapeutischen Maßnahmen im Haftvollzug sind wirklich bestechend. So spezialisierten sich die Handwerker der Remscheider JVA auf die Arbeit mit Bienenvölkern und verkaufen Imkerbedarf und ihren eigenen Honig mit dem bezeichnenden Namen „Knastgold“.

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