Hückeswagen: Kirchen-Kleinod ist zu teuer

Hückeswagen : Kirchen-Kleinod ist zu teuer

Mittel- und langfristig muss die Evangelische Kirchengemeinde sparen. Das wurde jetzt bei der Gemeindeversammlung deutlich. Die Unterhaltung von zwei Kirchen ist ein nicht mehr tragbarer Luxus.

Der „Problemfall Johanniskirche“ wurde bei der Gemeindeversammlung am Sonntag (die BM berichtete) nur am Rande angesprochen. Das heißt aber nicht, dass er innerhalb der Gemeinde kein Thema wäre. „Wir denken sehr intensiv darüber nach, ob eine Nutzungsänderung der Kirche möglich ist und wie sie aussehen könnte“: Das bestätigte Pfarrer Martin Haupt-Schott, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Kirchengemeinde, gestern auf Anfrage der BM. Und ergänzte: „Die hohen Summen, die für die Unterhaltung der Johanniskirche aufgebracht werden müssen, können wir der nächsten Generation nicht aufbürden.“

Verkauf schon lange ein Thema

Angesichts der zu erwartenden negativen Entwicklung bei den Kirchensteuer-Einnahmen, bedingt durch den allgemeinen Bevölkerungsschwund in den nächsten Jahren, ist das Thema Johanniskirche jetzt für die Kirchengemeinde wieder akut. Neu ist es aber nicht: Schon vor 30 Jahren – und danach immer mal wieder – stand zur Debatte, die Kirche zu verkaufen. Druck machte dabei auch das Landeskirchenamt. „Aber der Verkauf eines solchen Objektes ist äußerst schwierig“, fasst Martin Haupt-Schott die Erfahrung von Jahrzehnten zusammen.

Dass die Johanniskirche – ebenso wie die größere Pauluskirche – unter Denkmalschutz steht und bei Umbauten, Renovierungen und Restaurierungen entsprechende Auflagen zu beachten sind, macht einen Verkauf nicht leichter. Wie teuer notwendige Restaurierungen und Sanierungen unter Denkmalschutz-Vorgaben sind, hat die Evangelische Kirchengemeinde schon leidvoll zu spüren bekommen. Zwischen 1978 und 1980 wurde die Johanniskirche erstmals grundlegend restauriert. 2000 wurde ein weiterer baulicher Kraftakt notwendig: Bei Arbeiten am Dach hatten Handwerker im Dezember 1999 bemerkt, dass der Turm der Kirche im Wind schwankte. Statiker diagnostizierten eine „akute Einsturzgefahr“. Mit hohem Kostenaufwand wurde der Turm saniert. 2002 musste die Evangelische Kirchengemeinde erneut beträchtliche Mittel investieren: Durch schwere Schneefälle zu Jahresbeginn war ein Dachfenster eingedrückt worden. Feuchtigkeit drang ein, und an einigen Stellen fiel Putz von der Decke in den Kirchenraum.

Zwei Gotteshäuser – eins zuviel?

Seitdem herrscht zwar Ruhe, was möglichen Sanierungsbedarf angeht, aber die laufenden Kosten für die Unterhaltung der Johanniskirche belasten den Etat der Gemeinde weiterhin. Die Unterhaltung von zwei – auch noch nahe beieinander liegenden – Gotteshäusern wird zunehmend zum Luxus.

(RP)
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