Hückeswagen: Kinder haben auf der Farm das Sagen

Hückeswagen : Kinder haben auf der Farm das Sagen

Auf dem Bauernhof Busch in Scheuer nahe der Bever-Talsperre lernen Kinder und Jugendliche, wie ein Unternehmen funktioniert. Vom Bau des Hühnergeheges über den Verkauf der Eier bis zur Monatsbilanz liegt alles in ihren Händen.

Den Stall ausmisten, die Futterbehälter auffüllen und die Eier einsammeln - die Kinder des Projekts "Hühner-Business" sind eifrig am Werk. Angst vor den Hühnern haben sie keine, nehmen ihre Schützlinge auch immer wieder auf den Arm. Heute steht die Wahl des Labels an: Die Kinder müssen zwischen "Grüne Hühner" und "Hand und Werk Hühner" wählen. Bis zur nächsten Woche soll dann jeder über ein Logo nachdenken.

Zusammen mit Pädagogen setzen sich die Zehn- bis 14-Jährigen mit allen Punkten der Eierproduktion auseinander. Am Anfang stand die Auswahl der Hühner, ein Gehege und ein Stall mussten gebaut werden, Futter musste gekauft und Futterpläne geschrieben werden. Um die Kinder damit nicht zu überfordern, stehen ihnen David Springer, Geschäftsführer von Hand und Werk (HuW), Daniel Busch und Kevin Hofeditz, beide Erzieher in Ausbildung, zur Seite. Da die Kinder nur jeden Donnerstag bei ihren Hühnern sind, kümmern sie sich an den übrigen Tagen um Stall und Eier. Busch betont aber: "Das sind nicht meine Hühner, das ist eine Hühnergenossenschaft."

Jedes Kind kauft sich mit zehn Euro in das Hühner-Business ein und kann zusätzlich für drei Euro pro Woche eine Patenschaft für ein Huhn übernehmen. "Das soll den genossenschaftlichen Gedanken dahinter symbolisieren", sagt Michael Evang, Sprecher HuW, das anhand pädagogischer Projekte Kindern und Jugendlichen den Zugang zur Natur und zum Handwerk näher bringen will.

Eine Startspende von 500 Euro gab es von der Volksbank Oberberg, die in Hückeswagen unter Raiffeisenbank firmiert. Jedes Kind kann sechs Eier pro Woche mit nach Hause nehmen. Diese muss es dann eigenständig vermarkten, etwa an Verwandte und Bekannte. Welchen Preis die Kinder für die Eier verlangen, müssen sie selbst klären.

Die Einnahmen kommen in die gemeinsame Hühnerkasse. Am Ende jedes Monats dürfen die Kinder Bilanz ziehen. Haben Sie genug Geld in der Kasse - und sind Stall und Gehege in Ordnung -, werden mögliche Investitionen ins Auge gefasst. Müssen neue Hühner her? Wird das Gehege vielleicht erweitert? Oder kann ein Kräutergarten geplant werden, ein Gewächshaus oder sogar ein Fischteich?

"Vor 100 Jahren wurden noch 60 Prozent des Gelds für Lebensmittel ausgegeben, heute nur noch 13,7 Prozent", sagt Evang. Gleichzeitig sei die Zahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft von 38 auf zwei Prozent zurückgegangen. Den Menschen ginge der Bezug zum Lebensmittel verloren.

Mit dem aktuellen Projekt wollen die Pädagogen den Kindern den Zusammenhang zwischen Lebensmitteln und ihrem Ursprung aufzeigen, sagt der HuW-Sprecher. Lebensmitteln könne nur dann die richtige Wertschätzung entgegengebracht werden, wenn man wisse, wo diese herkommen und welche Arbeit dahinterstecke. Der Mist der Hühner beispielsweise wird gesammelt und kompostiert und dient somit als Dünger für neue Projekte.

(cha)
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