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Hückeswagen: Keine Großpraxis von Hausärzten in Hückeswagen

Hückeswagen : Keine Großpraxis von Hausärzten in Hückeswagen

Das Modell einer großen Gemeinschaftspraxis mit vier oder fünf Ärzten im Stadtzentrum der Schloss-Stadt ist gescheitert, bevor es überhaupt in die Tat umgesetzt wurde. Das teilte Helmut Beckert als Sprecher der Hückeswagener Ärzteschaft im Sozialausschuss mit.

Einige der bislang in Einzelpraxen arbeitenden ortsansässigen Hausärzte hatten intensiv darüber nachgedacht, im geplanten Schommer-Neubaukomplex auf dem ehemaligen Raiffeisengelände am Etapler Platz gemeinsam eine große Praxis zu betreiben.

Sie hatten sich davon, auch im Interesse der Patienten, eine Optimierung des heute stark angespannten Arbeitsalltags erhofft und letztlich auch eine Senkung der Kosten für den Praxisbetrieb. "Aber es rechnet sich vorne und hinten nicht", sagte Beckert. Und: "Wir haben uns von dieser Idee endgültig verabschiedet."

So wird es bei den allesamt nicht barrierefrei zugänglichen Einzel- oder kleinen Gemeinschaftspraxen in Hückeswagen bleiben. Und bei der Überlastung der örtlichen Mediziner. Fünf Hausarzt-Sitze sind in der Stadt in den zurückliegenden Jahren verlorengegangen. Übrig blieben acht niedergelassene Allgemeinmediziner. Das entspricht rechnerisch einem Versorgungsgrad von nur noch 90 Prozent.

"Wir Hausärzte haben inzwischen die Grenzen unserer Belastbarkeit erreicht", betonte Beckert. Dennoch wird sich ein neuer Hausarzt nicht in Hückeswagen niederlassen dürfen, wenn er es denn überhaupt wollte. Die Gründe dafür erörterte Prof. Dr. August-Wilhelm Bödecker, niedergelassener Allgemeinmediziner in Wiehl und Vorsitzender der Kreisstelle Oberberg der Kassenärztlichen Vereinigung.

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Entscheidend ist: Die Zulassung von Ärzten wird nach Planungsbereichen geregelt. Hückeswagen bildet mit Radevormwald und Wipperfürth einen solchen Bereich, in dem rechnerisch auf 1650 Einwohner ein Hausarzt kommen soll. In Wipperfürth sind es tatsächlich mehr, in Hückeswagen weniger. Rechnerisch ist die Nachbarstadt also medizinisch über-, die Schloss-Stadt aber unterversorgt.

Entsprechend stark belastet sind die örtlichen Ärzte. Im Bereich Nordrhein hat ein niedergelassener Hausarzt laut Bödecker im Schnitt 800 Patienten, im Oberbergischen Kreis sind es 1300. Das volle Honorar gibt es nur für 1200 Patienten - und das beträgt in der Region Nordrhein im Durchschnitt 46 Euro pro Patient und Quartal.

Laut Bödecker ist das etwas mehr als die Hälfte dessen, was ein Hausarzt in Bayern bekommt. Auch vor diesem Hintergrund sei es nicht verwunderlich, dass es junge Ärzte nicht in den ländlichen oberbergischen Raum ziehe. Auch Hückeswagener Ärzte, die in den zurückliegenden Jahren in den Ruhestand gingen, fanden keine Nachfolger für ihre Praxen. Medizinstudenten wollen laut Bödecker nur zu einem sehr geringen Anteil Hausarzt werden - und Landarzt schon gar nicht.

Dass darüber hinaus die Ansiedlung von Fachärzten am Ort illusorisch sein dürfte, machten sowohl Bödecker als auch Beckert klar: Ein Chirurg zum Beispiel braucht demnach einen Einzugsbereich mit 35 000 Einwohnern, um seine in Einrichtung und Unterhaltung teure Praxis wirtschaftlich betreiben zu können.

Hückeswagen hat aber nicht viel mehr als 15 000 Einwohner - Tendenz sinkend.

(bn)