Hückeswagen: Ist der Angeklagte Täter - oder eher Opfer?

Hückeswagen: Ist der Angeklagte Täter - oder eher Opfer?

Vor dem Amtsgericht blieb bislang unklar, was im Oktober auf einem Wiesengrundstück geschah.

Es gibt viele noch offene Fragen zu einem Prozess vor dem Amtsgericht in Wipperfürth, die am ersten Verhandlungstag nicht zu klären waren. Die wichtigste: Wer ist denn nun der Täter und wer das Opfer? Angeklagt ist jedenfalls ein 39 Jahre alter Arbeiter, der sich nun wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Strafrichter verantworten muss.

Schauplatz des Geschehens war an einem Tag im Oktober ein unbebautes Wald- und Wiesengrundstück im Grenzbereich zwischen Hückeswagen und Wipperfürth. Der 39-Jährige hat es mit Zäunen eingefriedet und sich dort eine Art Camp aufgebaut, unter anderem mit einem größeren Zelt. Darin lebe er aber nicht, stellte der Mann nun vor Gericht klar, sondern nutze das Zelt nur, um Werkzeug darin zu lagern. Er halte sich aber oft dort und damit in der Nähe seiner Wohnung auf.

Das war auch an dem Tag im Oktober so gewesen. Von dem Grundstück aus hatte der Mann einen ihm Unbekannten beobachtet, der nach seiner Aussage eine Fensterscheibe in einem unterhalb gelegenen leerstehenden und baufälligen Haus einschlug. Dieser Mann sei dann über den Zaun auf sein Grundstück gekommen. Der 39-Jährige stellte ihn deshalb zur Rede. "Ich habe den wegen der Fensterscheibe bei der Polizei anzeigen wollen und ihn deshalb nach seinem Ausweis gefragt. Außerdem habe ich ihm gesagt, dass er auf meinen Grundstück nichts verloren hat", schilderte der Mann seine Version des Geschehens. Er habe den Anderen im Verdacht gehabt, der Dieb zu sein, der schon mehrfach Dinge aus seinem Zelt gestohlen habe, darunter eine teure Motorsäge.

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Es kam zum Gerangel unter den beiden Männern, beim "Kampf" um den Personalausweis riss das Portemonnaie des ungebetenen Besuchers. Der ergriff nach Aussage des Angeklagten schließlich die Flucht. Zurück blieben ein Teil seines Portemonnaies mitsamt dem Ausweis und sein Rucksack. Der 39-Jährige fuhr zur Polizei nach Wipperfürth, um seine Anzeige zu erstatten - und wurde selbst erst einmal festgenommen. Grund: Sein Kontrahent war schon vorher auf der Wache erschienen und hatte angegeben, von dem 39-Jährigen bedroht, geschlagen und getreten worden zu sein. Außerdem habe der ihm sein Portemonnaie und den Rucksack abgenommen. Damit nahm das Ermittlungsverfahren gegen den nun angeklagten 39-Jährigen seinen Lauf.

Was tatsächlich an dem Herbsttag auf dem Gelände geschehen ist, war jedoch bislang nicht zu klären: Der als Zeuge geladene und angeblich geschlagene und beraubte Mann hatte es vorgezogen, gar nicht erst vor Gericht zu erscheinen. Der Richter entschied deshalb, dass der Prozess im März fortgesetzt wird. Dann soll der Zeuge vorgeführt werden, um seine Version der Geschichte zu erzählen. Weitere Zeugen dessen, was auf dem Grundstück im Außenbereich wirklich gelaufen ist, gibt es nicht.

(RP)