Interview mit Imkerin: Nele Bendick will Bienen helfen

Interview mit Dr. Nele Bendick: "Ich esse Honig am liebsten vom Löffel"

Die begeisterte Hobby-Imkerin aus Radevormwald mahnt dazu, auch den Bienen im Bergischen bessere Lebensbedingungen zu ermöglichen.

Dr. Nele Bendick aus Rade ist mit Bienen aufgewachsen und imkert seit ihrem zwölften Lebensjahr. Die 60-jährige, die hauptberuflich bei Sana als Mitarbeitervertreterin arbeitet, spricht über ihre große Liebe zu den fleißigen Insekten und welche Bedeutung sie für uns Menschen haben.

Frau Bendick, was machen die Bienen eigentlich im Winter?

Bendick Die Bienen pflegen im Winter Ruhe zu halten. Sie rücken in der Wintertraube eng zusammen und wärmen sich gegenseitig. Die Königin, die als einzige für den Fortbestand des Volkes sorgen kann, wird als wichtigstes Tier in die Mitte genommen. Die außen sitzenden Bienen wechseln mit denen ab, die in der wärmeren Region der Wintertraube sitzen, damit alle in den Genuss von Wärme kommen. Auch bei zweistelligen Minusgraden sind Bienen durch intensive Muskelbewegungen in der Lage, den Stock ihren Bedürfnissen entsprechend mit Wärme zu versehen.

Wann beginnt die Freiflugsaison wieder?

Bendick Das ist temperaturabhängig. Bei dem derzeitigen Wetter ist es zu kalt für die Bienen, um draußen herumzufliegen. Vielleicht mag die eine oder andere Biene in der Mittagssonne überprüfen, ob die Außenbedingungen schon einen Ausflug zulassen, aber die Mehrheit des Volkes verbleibt in der Wintertraube, um möglichst wenig Wärme und Energie zu verbrauchen. Die Königin beginnt aber schon seit einiger Zeit damit, Eier zu legen, um für junge Bienen im Frühjahr zu sorgen.

Seit wann beschäftigen Sie selbst sich mit Bienen?

Bendick Ich beschäftige mich mit Bienen, seit ich etwa vier Jahre alt bin. Ich habe aus "sicherer" Position zugeschaut, wie meine Mutter ihre Bienen handhabte und meinen Mittagsschlaf unter dem Summen der Bienen in unserem damaligen Bienenhaus gemacht. Die Töne der Bienen, ihr Duft - und vor allem den Stuten mit Honig nach dem Mittagsschlaf - vergesse ich sicher nie mehr.

Und seit wann imkern Sie?

Bendick Mein erstes eigenes Volk habe ich von meinen Eltern mit zwölf Jahren bekommen. Also beschäftige ich mich seit 48 Jahren aktiv mit den Bienen.

Was macht die Insekten für Sie so faszinierend?

Bendick Wie alles in der Natur, funktionieren Bienen als Volk perfekt. Sie haben ihren genauen inneren Plan, sie gehören mit zu den ältesten Tieren, die auf dieser Erde leben, haben eine wunderbar arbeitende staatliche und soziale Ordnung und sind als einzelne Glieder des Ganzen durch einen Kreislauf aus Nahrung, Hormonen, Gerüchen, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Geräuschen innerhalb des Stockes in unglaublich stimmiger Weise verbunden.

Wie viele Völker haben Sie derzeit, um die sie sich kümmern?

Bendick Aktuell habe ich sechs Völker, deren Zahl aber in diesem Frühjahr, wenn die Bienen zu mir nach Radevormwald-Neuenhaus übersiedeln, erweitert werden wird.

Und welchen Zeitaufwand müssen Sie dafür betreiben?

Bendick Ein Bienenvolk ist gut in der Lage, zunächst einmal allein und ohne Hilfe zurechtzukommen. Wenn der Imker unterstützend begleitet, dann, um für genügend Platz im Stock sowie für Sauberkeit in Stock und Bienenhaus zu sorgen. Wir schauen, ob die Bienen gesund sind, und greifen ein, wenn das nicht der Fall sein sollte. Ich überprüfe auch, ob die Königin, als einzige Gebärerin des Volkes, gesund ist und ob das Volk alles hat, um ein komfortables Leben zu haben. Ich persönlich greife so wenig wie möglich in das Geschehen im Bienenvolk ein, weil es, wie gesagt, ein unglaublich gut funktionierendes Ganzes ist. Wir Menschen hätten wirklich allen Grund, ihnen bessere Bedingungen in der Natur zu bieten, als wir es in der Landwirtschaft und den meisten Gärten tun.

Stimmt es eigentlich, dass man Bienen auch auf dem Balkon halten kann?

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Bendick Das ist möglich. Ohne entsprechende Fortbildungen rate ich aber auf jeden Fall ab, Bienen zu halten. Sie haben es verdient, angemessen und mit Einfühlungsvermögen versorgt zu werden.

Stichwort Bienensterben: Wie ist es um die Bienen im Bergischen bestellt?

Bendick Nicht nur im Bergischen, es ist in ganz Deutschland nicht gut bestellt um die Bienen. Bedingungen, die für Bienen optimal wären, sind immer weniger gegeben. Es gibt große Flächen von Monokulturen in Deutschland, die eine viel zu einseitige Ernährung für Insekten zur Folge haben. Zudem wird in der Landwirtschaft viel Chemie eingesetzt, die nachweislich für Bienen schädlich, um nicht zu sagen tödlich, ist. Es gibt kaum noch Wiesenraine mit Wildblumen, keine Streuobstwiesen, keine blühenden Hecken. Windräder stören die Orientierung von Bienen und anderen Insekten. Wir alle sind in der Verantwortung, bienenfreundlicher zu denken und entsprechend in unseren Gärten zu agieren.

Mit welchen Konsequenzen muss der Mensch rechnen, wenn die Bienen weiter weniger werden?

Bendick Fast unser gesamtes Obst und Gemüse wird indirekt durch Bienen "produziert", indem sie für die Bestäubung der Blüten sorgen. Der ökonomische Wert, der durch die Bestäubung durch Bienen und andere Insekten in Deutschland zu bemessen wäre, liegt bei etwa drei Milliarden Euro. Diese Zahl mag die unglaubliche Leistung von Insekten verdeutlichen. Viel sinnlicher aber diese Frage: Wollen wir auf das Summen von Bienen auf unseren Wiesen und in den Obstbäumen verzichten? Auf den wunderschönen Anblick einer Biene auf einer Blüte? Auf ihre Produkte Honig und Bienenwachs? Sicher nicht!

Können Diabetiker eigentlich auch bedenkenlos Honig genießen?

Bendick Bedingt, denn sie müssen ja auf Zucker in ihrer Ernährung aufpassen. Und das gilt auch für den Fruchtzucker aus dem Honig.

Was macht den individuellen Geschmack des Honigs aus?

Bendick Jede Blüte hat ihren ganz eigenen Geschmack. Ein sehr heller Rapshonig schmeckt gänzlich anders, als ein dunkler Honig von den Bäumen des Waldes. Von etwas exotischeren Honigen, wie dem der Zwiebelblüte oder der Blüte der Kastanie, gar nicht zu reden.

Welchen Honig finden Sie selbst besonders schmackhaft?

Bendick Mir gefällt der Honig gut, der die Vielfalt des Sommers in sich vereinigt. Die erste große Ernte im Bergischen ist meist der Löwenzahnhonig. Der hat etwas Besonderes, weil er für mich in meiner Imkerei die erste Schleuderung des Jahres bedeutet.

Wie wird der Honig im Supermarkt gewonnen, den kann man doch nicht mit dem vom Imker vergleichen?

Bendick Das pauschal zu beantworten ist schwierig, weil es auch im Supermarkt Sorten von guter Qualität gibt. Honige, die aus dem "außereuropäischen Ausland" zusammengerührt werden, sollte man aber meiden. Zur Unterstützung der heimischen Imkerei ist der Kauf bei den Imkerinnen und Imkern "um die Ecke" sicher am besten. Durch die homöopathischen Mengen an heimischem Pollen, den man mit dem Genuss dieser Honige aufnimmt, kann man sich übrigens bestens vor Allergien gegen Pollen schützen.

Mögen Sie selbst Ihren Honig lieber in der Milch oder auf dem Brot?

Bendick Ich esse Honig am liebsten vom Löffel - vor allem dann, wenn der Honig frisch aus der Honigschleuder fließt.

DAS INTERVIEW FÜHRTE WOLFGANG WEITZDÖRFER

(RP)