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Hückeswagen: Infoabend zu Schulen enttäuscht Eltern

Hückeswagen : Infoabend zu Schulen enttäuscht Eltern

Der Informationsabend im Forum zur zukünftigen Schullandschaft in Hückeswagen am Montagabend war recht gut besucht. Aber viele Eltern gingen danach enttäuscht heim, denn Antworten auf ihre inhaltlichen Fragen gab es nicht.

Rund 750 Eltern von Kindern im Alter zwischen null und acht Jahren hatte die Stadt für Montagabend zur Info-Veranstaltung eingeladen. Vielleicht ein Viertel der Angeschriebenen kam. Dennoch freute sich Bürgermeister Dietmar Persian über die "gute Resonanz", war doch das Forum immerhin zu zwei Dritteln besetzt - vor allem mit Eltern, aber auch mit Lehrern und Kommunalpolitikern. Viele der Mütter und Väter gingen allerdings nach rund zwei Stunden, ohne Antworten auf die Fragen bekommen zu haben, die sie wirklich bewegen.

Der Grund: Im Mittelpunkt der von der Stadt geplanten Veranstaltung standen die grundsätzlich möglichen Strukturen der zukünftigen Schullandschaft in Hückeswagen. Um pädagogische Inhalte unterschiedlicher Schulformen ging es an diesem Abend nicht, dazu war kein Fachmann eingeladen worden. Stattdessen stellte Tilman Bieber vom Bochumer Planungsbüro Komplan die Ergebnisse seiner Strukturanalyse vor, also die drei Varianten zur Entwicklung der Schullandschaft, mit denen sich derzeit die Kommunalpolitik auseinandersetzt (siehe Kasten).

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Dabei stellte er klar: Die Variante, wonach alles bleibt, wie es ist, ist angesichts der demografischen Entwicklung mit immer weniger Kindern nicht tauglich. Zuerst, so machte Bieber deutlich, würde dabei die Hauptschule zum Auslaufmodell, danach wahrscheinlich auch die Realschule - mit der Folge, dass es in einigen Jahren gar keine weiterführende allgemeinbildende Schule mehr in Hückeswagen gäbe. Auch der Alternative, einen zweiten Anlauf für eine Sekundarschule zu starten, räumte der Experte wenig Chancen ein, nachdem der erste Anlauf wegen zu wenig Anmeldungen im Frühjahr gescheitert ist.

Die aussichtsreichste Lösung ist aus Sicht des Planers, im Verbund mit Radevormwald eine Gesamtschule zu gründen mit Hauptstandort samt gymnasialer Oberstufe in Hückeswagen und Teilstandort (nur Sekundarstufe I) in Radevormwald. Voraussetzung wäre, dass auch die Politiker in der Nachbarstadt diesem Modell zustimmen.

Mit der Gesamtschule nutze Hückeswagen eine "Marktlücke", unterstrich Bieber. Das biete der Stadt die Chance, ihre schulische Infrastruktur "nachhaltig und langfristig zu sichern" und überdies künftig eine gymnasiale Oberstufe anbieten zu können. Notwendig sei allerdings, dass sowohl in Hückeswagen als auch in Radevormwald je 75 Kinder zu den Eingangsklassen angemeldet werden, denn die neue Schule sei nur dreizügig genehmigungsfähig. Bieber hält dieses Ziel für erreichbar, denn anders als die Sekundarschule genieße die Gesamtschule hohe Akzeptanz. Bieber: "Da, wo Eltern die Wahl haben zwischen Sekundar- oder Gesamtschule, entscheiden sie sich erfahrungsgemäß mit großer Mehrheit für die Gesamtschule."

Genau an dieser Stelle setzten die Fragen der Eltern ein: Wo, so wollten am Montagabend viele wissen, liegt denn nun der Unterschied im pädagogischen Konzept? Dazu konnte der Schulplaner keine Antworten geben, denn für pädagogische Fragen sei er nicht der Fachmann, räumte Bieber ein. Die Stadt denkt nun über einen weiteren Infoabend nach, bei dem pädagogische Inhalte im Mittelpunkt stehen sollen.

Ohne die, so erklärten einige Eltern am Montag, sähen sie sich nicht imstande und gewillt, die schriftliche Anfrage der Stadt zu beantworten, welcher Variante für die zukünftige Schulentwicklung sie den Vorzug geben. Das Fazit des Abends: Keine Antwort von Eltern auf Grundsatzfragen zur Schulstruktur ohne vorherige Aussagen über Inhalte der unterschiedlichen Schulkonzepte.

(bn)