Achim Lambeck: Immer mehr junge Erwachsene fahren E-Bike

Achim Lambeck: Immer mehr junge Erwachsene fahren E-Bike

Der Trend ist eindeutig: E-Bikes und Pedelecs werden beliebter. An die Straßenverkehrsordnung müssen sich aber auch E-Bike-Fahrer halten.

BERGISCHES LAND E-Bikes werden auch im Bergischen Land immer beliebter. Achim Lambeck vom Zweirad-Center in Wermelskirchen erklärt die Unterschiede zwischen elektrischen und normalen Fahrrädern - und was man im Umgang mit den auch Pedelecs genannten Zweirädern beachten muss.

Herr Lambeck, was ist der Unterschied zwischen E-Bikes, Pedelecs und normalen Fahrrädern?

Lambeck Beim normalen Fahrrad hat man natürlich vor allem keinen Motor, also auch keine Unterstützung. Das heißt, dass der Fahrer alles mit seiner Muskelkraft leisten muss. Gerade am Berg steigt dann der Puls schon mal recht hoch an, das hält sich beim Pedelec und E-Bike in Grenzen.

Wie genau funktioniert ein E-Bike eigentlich?

Lambeck Es gibt da ja grundsätzlich zwei verschiedene Varianten, auch wenn im allgemeinen Sprachgebrauch das E-Bike verbreitet ist. Zum einen ist es eben das klassische E-Bike. Da gibt es einen Gashebel, der wie beim Mofa funktioniert. Hier ist ein Mittreten des Fahrers nicht erforderlich. Und zum anderen gibt es das sogenannte Pedelec. Das hat zwar auch einen elektrischen Motor, aber diesen muss der Fahrer mittels Mittreten über die Pedale mit antreiben. Durch das Mittreten springt der Motor an und unterstützt dann den Fahrer. Der Motor sitzt in der Regel in der Mitte, kann aber auch im Hinterrad oder im Vorderrad angebracht werden.

Was muss man beim Umgang damit beachten?

Lambeck Das E-Bike ist zunächst einmal schwerer, es wiegt zwischen 20 und 26 Kilogramm - ein normales Fahrrad wiegt im Durchschnitt zwischen 15 und 17 Kilogramm. Da ist also schon mal eine ganz andere Handhabung durch den Fahrer notwendig. Das muss man ebenso wissen, wie die Tatsache, dass man vor dem Fahren den Motor starten muss, um die Unterstützung zu bekommen. Dazu kommt, dass man im Auge behalten sollte, dass vor der Fahrt der Akku geladen wurde, damit man auch die gewünschte Reichweite abgedeckt hat. Die Reichweite eines Akkus liegt zwischen 60 und 100 Kilometern hier im Bergischen Land, das reicht für die meisten Strecken. Und - ganz wichtig: Nach der Tour muss der Akku direkt wieder über den Hausstrom aufgeladen werden, damit man nicht bei der nächsten Tour ohne Strom dasteht.

Gibt es mehr Unfälle als mit normalen Fahrrädern?

Lambeck Es gibt Zahlen darüber, die sind mir aber nicht bekannt. Ich bin damit aber auch vorsichtig, weil gerade in unserer Region durch den Ausbau der Bahntrassen in der jüngeren Vergangenheit natürlich auch mehr mit dem Fahrrad gefahren wird. Und logischerweise passieren dann auch mehr Unfälle. Aber man kann das selbstverständlich nicht eins zu eins auf die E-Bike-Fahrer als Verursacher dieser Mehrunfälle umlegen.

Ist die Unfallgefahr grundsätzlich auch höher?

Lambeck Nein, das kann man so nicht behaupten.

Gelten für E-Fahrer andere Verkehrsregeln als beim normalen Fahrrad?

Lambeck Nein, E-Bike-Fahrer müssen sich ganz genauso an die Regeln der Straßenverkehrsordnung halten, wie alle anderen Fahrradfahrer auch.

Wie sieht die Zielgruppe aus?

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Lambeck Das hat sich ein wenig verändert. Mittlerweile zählen zur E-Bike-Zielgruppe praktisch alle Personen. Früher war es die Altersgruppe 65 Jahre aufwärts, also vornehmlich Menschen im Rentenalter, die vermehrt mit dem E-Bike gefahren sind. Heute sind es aber auch viele Berufspendler ab 30 Jahren, die mit dem E-Bike zur Arbeit fahren, um das Auto stehen lassen zu können. Was natürlich auch steuerlich interessant ist, da viele ein E-Bike als Arbeitnehmer leasen können. Es gibt aber vereinzelt auch schon Jugendliche, die einen längeren Schulweg lieber mit dem E-Bike zurücklegen. Das ist aber momentan noch die Ausnahme, die Hauptnutzergruppe sind junge Erwachsene.

Was ist dran am Mythos, dass man mit dem E-Bike nicht mehr strampeln muss?

Lambeck Das stimmt natürlich auf eine Art und Weise, aber der Fahrer muss sich ja dennoch beim Fahren bewegen und anstrengen. Meiner Meinung nach bewegen sich die E-Bike-Fahrer sogar gesünder, weil, wie eingangs erwähnt, der Puls nicht so hoch geht. Wenn man einen Berg mit zehnprozentiger Steigung hochradelt, geht der Puls beim normalen Fahrrad schnell in die Region von 160 - beim E-Bike bleibt er etwa bei 130. Für Leistungssportler ist das ja durchaus gut und auch gewollt, aber für den normalen, eher ungeübten Radler ist das gar nicht so gesund. Ich behaupte, dass der E-Bike-Fahrer gesünder, weiter und öfter mit dem Fahrrad unterwegs ist.

Mit welchen Kosten muss man bei der Anschaffung eines E-Bikes rechnen?

Lambeck Ein vernünftiges E-Bike fängt bei uns etwa bei 2000 Euro an. Die Preisspanne geht mittlerweile bis zu 7000 oder 8000 Euro hoch. Die Unterschiede machen vor allem die Akkus aus: welche Batterien sind verbaut, welche Reichweite haben sie? Auch das Drehmoment des Motors ist ein preislicher Faktor. Teurer wird es auch, wenn der Akku nicht mehr sichtbar am Fahrrad angebracht ist, sondern im Rahmen verbaut ist. Das hat Gewichtsvorteile. Ansonsten ist die allgemeine Ausstattung, wie beim normalen Fahrrad auch, ein Kostenfaktor.

Hat man höhere Folgekosten als beim normalen Fahrrad?

Lambeck Man fährt ja grundsätzlich mehr, also hat man gegebenenfalls auch höhere Wartungskosten. Der Akku selbst hält etwa fünf Jahre, dann wird die Leistung deutlich schwächer. Er kann auch eine längere Lebensdauer haben, aber ab etwa fünf Jahren verliert die Batterie an Stand-by-Zeit oder an Reichweite. Ein neuer Akku schlägt dann allerdings schnell mit 600 bis 800 Euro zu Buche: Am E-Bike ist der Akku leider das teuerste Teil.

Was muss man bei der Wartung beachten?

Lambeck Einmal im Jahr sollte man das E-Bike professionell warten lassen. Bei einer Laufleistung von 1000 bis 1500 Kilometern im Jahr ist es wichtig, Bremsen und Bremsbeläge warten zu lassen. Auch die allgemeine Technik sollte man überprüfen lassen. Das ist insofern besonders wichtig, weil man mit dem E-Bike eben auch mit höheren Geschwindigkeiten unterwegs ist und dann schon alles in Ordnung sein sollte. Der Akku wird dann auch überprüft, aber nicht gewartet. Man sollte selber darauf achten, dass man ihn regelmäßig lädt und auch im Winter nicht zu kalt lagert, damit er nicht frühzeitig kaputt geht.

Was ist, wenn die Batterie unterwegs leer gegangen ist?

Lambeck Man kann dann ganz normal weiterfahren. Allerdings muss man dann natürlich das höhere Gewicht mit der eigenen Kraft vorantreiben. Außerdem haben manche Motoren zusätzlich einen kleinen Widerstand. Bei einer größeren Tour, also mehr als 100 Kilometer, sollte man ein Ladegerät mitnehmen. Am einfachsten ist es, irgendwo einzukehren und höflich zu fragen, ob man während der Brotzeit das E-Bike aufladen kann.

Fahren Sie selbst auch E-Bike?

Lambeck Selbstverständlich, ich fahre im Moment vor allem mit meinem E-Mountain-Bike durchs Gelände.

DAS INTERVIEW FÜHRTE WOLFGANG WEITZDÖRFER

(RP)
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