Kandidaten-Porträt Dietmar Persian: Im neuen Amt der selbe Mensch bleiben

Kandidaten-Porträt Dietmar Persian : Im neuen Amt der selbe Mensch bleiben

Dietmar Persian lebt in Hückeswagen seit seiner Geburt. Sein ganzes Arbeitsleben hat er im Rathaus der Stadt verbracht, in der er nun Bürgermeister werden möchte. Und wie lebt der Kandidat privat? Die BM besuchte ihn zu Hause in Niederbeck.

Da ist Musik drin: Wer ins ehemalige Bauernhaus in der Hofschaft Niederbeck kommt, sieht es gleich — und hört es auch: Von irgendwoher im Haus schallt's wie ein Paukenschlag bis ins Wohnzimmer der Persians. Einer der Söhne ist leidenschaftlicher Schlagzeuger und zu Beginn seines Studiums vor allem deshalb nicht nach Düsseldorf und in Uninähe gezogen, weil's dort mit dem Proben an der "Schießbude" sicher schwierig geworden wäre. Im Haus der Eltern und Großeltern stört es niemanden. Musik wird hier nicht als Lärm und also störend empfunden. Und Nachbarn, die Anstoß nehmen könnten, gibt's da, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen, nicht.

Das ist gut so, denn alle in der Familie sind musikalisch. In einer Ecke im Wohnzimmer, nahe beim Klavier, liegt die Posaune von Dietmar Persian. Tuba spielt er auch im Posaunenchor — beides keine "leisen" Instrumente. Am Klavier reicht's, um zum Beispiel einen Choral zu begleiten, aber ansonsten überlässt er das Instrument seiner Frau Elvira. "Sie ist da wesentlich besser und begabter", gibt der 54-Jährige zu.

Das Wohnzimmer mit gemütlicher Sitzecke ist der Treffpunkt im Haus für die Familie. Wobei die, was die Zahl der Hausbewohner angeht, geschrumpft ist: Von den vier inzwischen erwachsenen Kindern leben nur noch zwei mit Eltern und Großeltern unter einem Dach. "Zurzeit haben wir aber quasi noch einen dritten Sohn im Haus, einen finnischen Austausch-Schüler", erzählt Dietmar Persian. Vor Jahren haben die eigenen Kinder Zeiten im Ausland verbracht, im Gegenzug wurden Gastschüler im Haus der Persians aufgenommen. "Das macht Freude und erweitert den Horizont", sagt der Hausherr.

Wird ihm der Trubel neben einem fordernden Job als Führungskraft im Rathaus nicht manchmal zu viel? Gestresst wirkt er jedenfalls nicht, strahlt eher Ruhe und Ausgeglichenheit aus. "Ich bin ein Familienmensch, sonst hätten wir ja auch keine vier Kinder. Und ich kenne es nur so, dass immer etwas los ist im Haus", erzählt Persian über sein Leben. Er ist als Jüngster von drei Brüdern in einem Haus mit Eltern und Großeltern aufgewachsen. Die Lebensumstände sind also im Laufe der Jahrzehnte — bei wechselnden Rollen — für ihn gleich geblieben. "Ich fühle mich sehr gut damit", sagt er.

Und die persönlichen Freiräume kommen auch nicht zu kurz. Es bleibt Zeit für die Musik, für Spaziergänge mit seiner Frau in der ländlichen Umgebung von Niederbeck, für das Hobby Fotografie und für lange Gespräche mit guten Freunden über Gott und die Welt. Die Freunde sind dem 54-Jährigen wichtig — und überhaupt der Umgang mit Menschen. "Ich gestalte gerne Dinge, sowohl im Beruflichen als auch im Privaten. Und das tue ich am liebsten zusammen mit anderen Menschen", sagt er. Unterschiedliche Meinungen zu hören und abzuwägen, sei ihm wichtig, bevor er Entscheidungen treffe.

Derzeit hört er besonders viele Ansichten Dritter zu besonders vielen Themen, denn im Wahlkampf ist er ständig unterwegs. Es macht ihm Freude: "Ich kenne Hückeswagen, weil ich eben schon immer hier gelebt und gearbeitet habe. Aber ich lerne jetzt auch vieles ganz neu kennen, und das ist spannend."

Neulich ist ihm das sehr bewusst geworden. Da war er zuerst mit dem Bürgerbus auf Tour durch die Stadt und dann zu Gast im Johannesstift, das derzeit grundlegend umstrukturiert wird. Persian kennt das Altenzentrum noch aus den frühen 80er Jahren, als er dort seinen Zivildienst ableistete. "Das war eine sehr wertvolle Zeit für mich, die mich auch geprägt hat", blickt er zurück.

Wird es ihn neu prägen, wenn die Hückeswagener ihn am 23. März zum Bürgermeister wählen sollten? Modeln neue berufliche Herausforderungen auch den Menschen Dietmar Persian um? "Ich hoffe und ich glaube es nicht. Ich möchte der bleiben, der ich bin und mich nicht durch das Amt und die damit verbundene Macht in irgendeiner Form korrumpieren lassen", sagt er. Sein Leben sei glücklich, dafür sei er dankbar. In die Zukunft gehe er "mit sehr viel Zuversicht". Und dabei hat er nicht nur den 23. März im Fokus.

(bn)
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