Hückeswagen: Im Frühjahr blüht der Wald auf

Hückeswagen: Im Frühjahr blüht der Wald auf

Wenn mit den ersten Sonnenstrahlen die erste Wärme den Waldboden erreicht, müssen sich die Blumen beeilen. Haben die Bäume ihr Blätterdach erst ausgebreitet, wird Licht zur Mangelware, berichtet das Forstamt.

Jedes Jahr wachsen in den Wäldern Frühjahrsblumen in unglaublicher Geschwindigkeit heran. Die Pflanzen haben nur ein sehr enges natürliches Zeitfenster, in dem sie blühen und sich vermehren können. Denn wenn ab Mai durch die frisch belaubten Baumkronen nur noch wenig Tageslicht bis zum Boden scheint, können die meisten bodennahen Pflanzen nicht mehr ausreichend Photosynthese betreiben.

Viele sogenannte Frühjahrsblüher stehen unter Naturschutz und dürfen weder gepflückt noch ausgegraben werden. "Waldpflanzen gehören in den Wald und Gartenpflanzen in den Garten", betont Kay Boenig, Leiter des Regionalforstamtes Bergisches Land. So manche Blume sei vom Waldboden bereits verschwunden, da Leute sie ausbuddelten, um sie im eigenen Garten anzusiedeln. "Dabei wachsen die meisten Pflanzen im Hausgarten gar nicht, weil ihnen dort die spezifischen Bedingungen des Waldbodens fehlen", sagt Boenig. Einige sind überdies hochgiftig, daher lautet eine Grundregel bei Wald und Holz NRW: Nur gucken, nicht anfassen!

Damit die kleinen Blumen im Frühjahr vor allen anderen durchstarten können, legen sie sich frühzeitig Energiespeicher an, mit denen sie überwintern. Pflanzenzwiebeln beim Bärlauch, Wurzelstöcke bei Buschwindröschen und Knollen beim Scharbockskraut halten die nötigen Nährstoffe bereit. Dadurch können die Pflanzen trotz der noch niedrigen Temperaturen in März und April schnell wachsen und Insekten, insbesondere Hummeln, Pollen und Nektar zur Verfügung stellen. Sind Wachstum und Blüte im Mai schon wieder vorbei, ziehen sich die meisten in die Erde zurück und beginnen erneut damit, Energie zu speichern. Einige Frühjahrsblüher wie Kriechender Günsel, Waldmeister, Waldbingelkraut und Lungenkraut behalten ihre Blätter aber auch im Schatten des belaubten Walds. Sie können ihren Stoffwechsel so umstellen, dass sie auch mit nur zwei Prozent der Sonnenstrahlen auskommen und für ihre Bedürfnisse genug Photosynthese betreiben können.

Die Wald-Schlüsselblume steht unter besonderem gesetzlichen Schutz. Ihren Namen verdankt sie ihrem Blütenstand, der an einen Schlüsselbart erinnert. Wie andere Pflanzen auch, die eine lange Blütenröhre haben und bei denen sich der Nektar am Blütengrund befindet, können nur Insekten mit entsprechend langem Rüssel wie etwa Schmetterlinge und Hummeln die Bestäubung vornehmen. Bienen mit ihren kurzen Rüsseln wissen sich aber zu helfen. Sie öffnen den Blütenkelch seitlich und gelangen so an den Nektar. Buschwindröschen bedecken den Waldboden stellenweise großflächig und kommen häufig in Buchen- und Eichenmischwäldern vor. Gegen Abend schließen sie ihre Blüten, sind aber - wie ihre gelben Verwandten auch - nicht gefährdet. Die Gelben Windröschen sind allerdings giftig.

Foto: stefan befeld - wald und holz nrw
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Ab März beginnt bereits der Lerchensporn zu blühen. Er hat sowohl weiße als auch rot-lila gefärbte Blüten. Er ist charakteristisch für die im Bergischen Land eher seltenen nährstoffreichen Wälder wie etwa die Hartholzaue. Sein Name leitet sich von seinen hohlen Wurzelknollen ab. Ebenfalls in der Hartholzaue anzutreffen ist der Zweiblättrige Blaustern. Das Scharbockskraut wurde früher gegen Skorbut eingenommen. Die Pflanze enthält große Mengen an Vitamin C, ist aber ab der Blüte sehr giftig. Verwendet werden konnten dafür also nur junge Blätter vor der Blüte oder getrocknete Blätter - die giftigen Stoffe bauten sich beim Trocknen größtenteils ab.

Wer im Frühjahr Bärlauch oder Waldmeister sammeln möchte, darf dies - außerhalb von Naturschutzgebieten - tun. Die Pflanzen stehen unter keinem gesetzlichen Schutz. Wald und Holz NRW bittet aber darum, das richtige Maß zu halten, um den Lebensraum der Pflanzen langfristig zu erhalten. "Es gibt die sogenannte Handstraußregel: Eine Portion für den Eigenbedarf zu ernten, ist in Ordnung", heißt es in der Mitteilung. Dabei sollte jedoch besonders schonend vorgegangen werden, ohne an den Pflanzen zu reißen oder diese abzuknicken. Also am besten eine Schere oder ein scharfes Messer mitnehmen.

Bei Waldmeister ist zusätzlich zu beachten, dass der geschmacksgebende Stoff Cumarin in hohen Dosen krebserregend sein kann. Eine übliche Empfehlung für Maischorle ist daher, nicht mehr als drei Gramm frischen Waldmeister pro Liter zu verwenden.

(cha)