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Hückeswagenerin will Bürgermeisterin im Westfälischen werden

Monika Verspohl, geborene Röttger : Hückeswagener Ideen für Westfalen

Monika Verspohl ist in Hückeswagen geboren und hat hier 30 Jahre gelebt. Nun will die SPD Ascheberg sie als Bürgermeisterkandidatin nominieren. Ihr Ziel: die westfälische Gemeinde zur lebenswertesten in der Region machen.

Es ist ein Start mit Hindernissen: Am 19. April sollte Monika Verspohl, die unter ihrem Mädchenname Monika Röttger als Journalistin einer Hückeswagener Zeitung in der Schloss-Stadt bekannt geworden ist, vom SPD-Ortsverband Ascheberg als Bürgermeister-Kandidatin der 15.000-Seelen-Gemeinde nominiert werden. Doch der Ausbruch der Corona-Pandemie hat der 40-Jährigen zunächst einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn wie überall in Deutschland wurden auch im Westfälischen öffentliche Veranstaltungen bis auf Weiteres abgesagt. Auch der Wahlkampf-Start liegt erst einmal auf Eis, der am 19. März mit einer offenen Veranstaltung erfolgen sollte. „Es ist natürlich einerseits sehr schade, denn ich wollte mich gerne den Menschen bei den ersten größeren Veranstaltungen in diesen Tagen vorstellen. Anderseits geht die Gesundheit der Bürger vor, das ist jetzt erst einmal das absolut Wichtigste“, betont Monika Verspohl im Gespräch mit unserer Redaktion.

Die 40-jährige PR-Managerin lebt seit 2013 mit ihrem Mann in Coesfeld, dem namensgebenden Verwaltungssitz des Kreises, zu dem auch Ascheberg gehört. Die politischen Wurzeln der studierten Philologin, Historikerin und Informationswissenschaftlerin sind dagegen in ihrer Geburtsstadt zu finden. „Kurz bevor ich – der Liebe wegen – ins Westfälische gezogen bin, war ich auf Initiative von Hans-Jürgen-Grasemann (Fraktionsvorsitzender; Anm. d. Red.) in der SPD aktiv geworden“, schildert die 40-Jährige die Anfänge ihrer politischen Karriere. Allerdings verlor der Hückeswagener Ortsverein die ambitionierte Frau sehr schnell wieder. Umso mehr freut es die Genossen in Westfalen, denn auch dort suchen die Parteien Nachwuchskräfte.

Monika Verspohls Antriebsfeder ist eindeutig ihr Gestaltungswille. „Ich war schon immer politisch, aber auch historisch interessiert. So habe ich mich lange im Geschichtsverein Bergische Zeitgeschichte engagiert. Das war aber in erster Linie Dokumentations- und Aufklärungsarbeit, während man in der Politik gestalten kann“, sagt sie. Als politisches Vorbild nennt sie dabei explizit den ehemaligen Hückeswagener Bürgermeister Uwe Ufer, dessen Biografie „Ufer-Prinzip“ sie zurzeit liest. „Ich war Zeitzeugin dieser Ära und fasziniert davon, wie man eine Stadt aus dem Dornröschenschlaf wecken kann“, schwärmt die Wahl-Westfälin.

Allerdings, räumt die 40-Jährige ein, gebe es zwei wesentliche Unterschiede: Während Ufer als Unabhängiger ins Rennen ging, ist sie eine SPD-Kandidatin, was im konservativen Münsterland mit einer starken CDU eine zusätzliche Herausforderung ist. Der zweite Unterschied ist der Umstand, dass Ascheberg anders strukturiert ist als Hückeswagen. So gibt es in der Gemeinde neben dem namensgleichen Hauptort mit Davensberg und Herbern zwei weitere größere Ansiedlungen mit Nahversorgungsstrukturen, wobei letztgenannte bis 1975 sogar eine selbstständige Gemeinde war. „Hier ein Wir-Gefühl zu schaffen, erfordert eine andere Herangehensweise“, weiß sie.

Und in Ascheberg sieht die PR-Managerin noch Luft nach oben, obgleich die Startvoraussetzungen nicht schlecht seien. Das naheliegende Münster führt dazu, dass viele Menschen in Ascheberg wohnen und schlafen, aber zur Arbeit in die Großstadt fahren. In diesem Spannungsfeld sieht Monika Verspohl ihre Aufgaben: „Wie in den umliegenden Gemeinden auch, gilt es, genügend Wohnraum für alle zu schaffen. Außerdem erhoffe ich mir, meiner Partei im Umweltbereich ein stärkeres Profil zu geben.“

Angesprochen auf die Frage, wo die größten Mentalitätsunterschiede zwischen dem Bergischen und dem Münsterland liegen, sagt Monika Verspohl: „Das Bergische ist meine Heimat – hier packt man an, häufig auch nach dem Motto ‚Try an Error‘ (Versuch und Irrtum; Anm. d. Red.). Die Westfalen sind eher die Strategen.“ Wie auch immer: Die Aufgabe wird keine leichte sein, aber die gebürtige Hückeswagenerin sieht eine Chance, die Wahl für sich zu entscheiden. Seinerzeit musste sich auch Ufer gegen starke konservative Kräfte behaupten. Am Ende gelang es ihm auch durch eine starke Unterstützung von maßgebenden in der Bevölkerung verankerten Organisationen. Aller Voraussicht nach wird am 13. September gewählt: Möglicherweise wird dann eine westfälische Gemeinde von einer Hückeswagenerin regiert.