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Hückeswagenerin Anderea Vesper: Als Krankenschwester ganz nah dran

Hückeswagener Helden in der Corona-Krise : Als Krankenschwester ganz nah dran

Die Hückeswagenerin Andrea Vesper (45) berichtet, wie sie als Krankenschwester die Corona-Krise erlebt.

Frau Vesper, Sie arbeiten in der Helios-Klinik Wipperfürth. Welchen Beruf üben Sie aus und seit wann?

Andrea Vesper Ich bin Gesundheits- und Krankenpflegerin und arbeite seit 25 Jahren im Wipperfürther Krankenhaus. Ich bin auf der Station 2 tätig und dort mit meinen Kollegen für die Patienten der Inneren Medizin sowie der Allgemein- und Unfallchirurgie zuständig.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag derzeit aus? Haben sich Ihre Aufgaben durch die Corona-Situation verändert?

Vesper Auch auf meinen Arbeitsalltag haben die Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus einen Einfluss. Um Kapazitäten für die Versorgung von an Covid-19 erkrankten Patienten zu schaffen, haben wir aktuell deutlich weniger Betten belegt und versuchen, uns bestmöglich auf eine steigende Anzahl vorzubereiten. Durch das Besuchsverbot können Angehörige und Freunde die Patienten derzeit nicht besuchen. Wir versuchen deswegen umso mehr, die Kommunikation zwischen den Patienten und ihren Familien zu unterstützen und führen in diesem Zusammenhang mehr Telefonate mit Angehörigen als sonst.

Mit welchen Problemen haben Sie zu kämpfen?

Vesper Bisher haben uns nur wenige Einzelfälle an Covid-19-Patienten erreicht, so dass wir unsere Abläufe im Stationsalltag aktuell größtenteils beibehalten können. Wir verspüren aber eine Verunsicherung bei Patienten, die zum Coronavirus viele Fragen haben. Diese Ängste versuchen wir in Gesprächen zu nehmen. Die medialen Berichte aus aller Welt machen es besonders für ältere Patienten schwer, die Situation und mögliche Risiken einzuschätzen.

Zeigen sich die Menschen einsichtig, wenn es darum geht, die ungewohnten Sicherheitsbestimmungen einzuhalten?

Vesper Patienten, Besucher und auch Kollegen sind sehr verständnisvoll und wissen um die Notwendigkeit bestimmter Maßnahmen und Regeln in der derzeitigen Situation. Auch die veränderte Wegeführung und das eingeführte Besuchsverbot wurden gut angenommen. Es gibt viel Verständnis und Solidarität – auch dafür, dass wir gemeinsam versuchen, alle so gut es geht zu schützen.

Erleben Sie derzeit auch schöne Momente?

Vesper Schöne Momente gibt es in meinem Beruf immer. Ein Lächeln des Patienten, ein einfaches „Danke“ oder auch mal ein „schön, dass Sie da sind“ lässt so manche Anspannung vergessen. Ich merke aber, dass vielen Menschen erst jetzt die Leistung von Pflegekräften und Ärzten bewusst werden. In den vergangenen Wochen wurde ich häufiger auf meinen Beruf angesprochen. Jetzt wird sich danach erkundigt, wie es mir geht. Eine schöne Wertschätzung, die mich natürlich in meinem täglichen Engagement bestärkt.

Wie gehen Sie selbst mit der Situation um?

Vesper Ich halte mich an die Hygienevorschriften und verlasse das Haus nur, um zur Arbeit oder einkaufen zu gehen. Als Kontaktperson befand ich mich schon selbst in Quarantäne, bin jedoch nicht am Virus erkrankt. In dieser Zeit ist mir aber umso deutlicher geworden, wie wichtig es ist, die vorgegebenen Maßnahmen einzuhalten. Jetzt heißt es, eine unkontrollierte Verbreitung des Virus gemeinsam einzudämmen. Die Berichte aus Italien und anderen Ländern lösen auch bei mir ein mulmiges Gefühl aus. Ich hoffe, wir erleben solche Entwicklungen nicht in Deutschland.

Was wünschen Sie sich von Ihren Mitmenschen?

Vesper Gerade in Zeiten von Corona merke ich, dass die Berufe im Gesundheitswesen für die Menschen an Bedeutung gewinnen. Viele nehmen erst jetzt wahr, dass Berufe in Medizin und Pflege wirklich systemrelevant sind und das gesellschaftliche Leben am Laufen halten. Ich wünsche mir, dass diese Wertschätzung für unser tägliches Engagement erhalten bleibt.