Hückeswagener macht Betroffenen Mut Mit Musik den Krebs überstanden

Hückeswagen · Die schockierende Krebs-Diagnose hat Winfried Boldt zum Anlass genommen, seinen Werdegang als Musiker auf einer CD zu verewigen. Die Musik hat ihm geholfen, diese schwere Zeit zu überstehen.

 „Winni“ Boldt stand vor seiner Krebserkrankung häufig auf der Bühne. Dahin will er demnächst wieder zurückkehren – an seinem Comeback arbeitet der 70-Jährige derzeit eifrig.

„Winni“ Boldt stand vor seiner Krebserkrankung häufig auf der Bühne. Dahin will er demnächst wieder zurückkehren – an seinem Comeback arbeitet der 70-Jährige derzeit eifrig.

Foto: Boldt

Hinter Winfried Boldt liegt eine schwere und gleichzeitig sehr kreative Zeit: Nach Ausbruch der Corona-Pandemie erhielt er Ende März die Diagnose Krebs. Nach dem ersten Schock und der Unsicherheit über die Schwere der Krankheit entschied er sich dazu, eine eigene CD aufzunehmen. Die Musik verschaffte ihm Ablenkung von der Krankheit, den Ängsten, der langwierigen Behandlung und den anstrengenden Chemotherapien mit allen Nebenwirkungen. Doch laut Sprichwort kommt ein Unglück selten allein: „Innerhalb einer Woche erhielt auch meine Frau die Diagnose Brustkrebs im Anfangsstadium“, erinnert sich Boldt an die zweite Hiobsbotschaft. Heute, ein Dreivierteljahr später, gelten beide Ehepartner als geheilt.

„Es gibt verschiedene Versionen des Hodgkin-Lymphdrüsenkrebs. Ich hatte das Glück, dass meine Krankheit heilbar ist. Aber man muss auch selbst etwas dafür tun und sich fit halten, soweit die Krankheit das zulässt“, betont der 70-Jährige. Der Gedanke an einer eigenen CD sei dabei sehr schnell gereift.

 Winfried Boldt im Juli, als er noch von seiner Krebserkrankung gezeichnet war.

Winfried Boldt im Juli, als er noch von seiner Krebserkrankung gezeichnet war.

Foto: Bürgerbusverein

Im ehemaligen Kinderzimmer und späteren Probenraum für seine Band „Winni and friends“ richtete sich Winfried Boldt ein Tonstudio ein und begann, wichtige Stücke aus seiner Bühnenzeit aufzunehmen. „Ich habe mit 16 Jahren angefangen, vor einem Mikro zu singen, und stehe seit mehr als 50 Jahren mit mehreren Bands auf der Bühne“, berichtet der Wahl-Hückeswagener von seiner musikalischen Laufbahn, die in Remscheid und Wermelskirchen begann. In einem Booklet (Beilage) zur CD möchte der Musiker seinen Werdegang in Textform niederschreiben. Mehr als 500 Stunden hat er seitdem für das Einspielen der Instrumente und Arrangieren der Stücke investiert. „Es macht unwahrscheinlich Spaß und hat mich auch musikalisch weitergebracht“, ist er überzeugt.

Das Jahr 2020 beschreibt Boldt als eine „verrückte Zeit“ – erst die Corona-Pandemie, dann die beiden
Krebs-Diagnosen. Und seinen 70. Geburtstag konnte er nicht wie geplant mit vielen Gästen und Live-Musik feiern. Die Chemotherapie, die er alle drei Wochen in einer Wermelskirchener Praxis erhalten hatte, haben dem Körper zugesetzt. „Drei Stunden dauerten die Infusionen. Die Tage danach waren besonders schlimm. Ich kam nicht mal die Treppe rauf, ohne stehenzubleiben, weil ich keine Luft bekam“, erinnert er sich an diese Erfahrung. Durch Corona habe er zudem viel Zeit zu Hause verbracht, die sozialen Kontakte waren stark eingeschränkt. „Das schlägt schon aufs Gemüt“, sagt er rückblickend.

Die Zeit, die der Körper brauchte, hat sich Boldt aber genommen und auch selbst etwas für seine Genesung getan. „Die körperliche Fitness erhalte ich mit regelmäßigen Wanderungen und Heimtraining“, ermutigt er andere Betroffene zur Eigeninitiative.

Schon vor drei Jahren hatte Boldt die Firma Wibotex an seinen Sohn übergeben und auch sein Engagement in der SPD-Fraktion beendet. „Künstlerisch frei denkende Leute und Politik passen nicht gut zusammen“, sagt er lachend. Nach wie vor ist er Vorsitzender des Hückeswagener Bürgerbus-Vereins. „Die Fahrgastzahlen sind zwar durch Corona etwas weniger geworden, die Leute sind aber dankbar und froh, dass sie in die Stadt kommen“, fügt der Ehrenamtler hinzu.

Die Krebsbehandlung ist mittlerweile abgeschlossen, die Arbeit an der CD dagegen noch nicht. Trotz der schweren Monate blickt Winfried Boldt positiv nach vorne und auch zurück: „Nix es esu schläch, dat et nit für jet jot es (Nichts ist so schlecht, dass es nicht für was gut ist)“, ist er überzeugt. „Winni“ Boldt hat den Kopf nicht hängen lassen, sondern die Krankheit als Anstoß zu etwas Neuem genommen. Auf die Fertigstellung und Live-Präsentation seiner ersten CD freut sich der Musiker schon jetzt.

Info Winfried Boldt stand erstmalig 1967 auf der Bühne. „Impression“ hieß die erste Band, mit der er in den 60er Jahren in den bergischen Beat-Clubs unterwegs war. Bis 2006 war er mehr als 25 Jahre Frontmann der Oldieband „KKK – Karlchens Keller Kompanie“. Nach einer zweijährigen Pause startete er sein Soloprogramm mit Musikfreunden unter dem Namen „Winni and friends“.