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Hückeswagener zerstört betrunken Wahlplakate - Geldstrafe

Hückeswagener vor Gericht : Betrunken Wahlplakate zerstört - Geldstrafe

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass ein heute 33-jähriger Hückeswagener an der Tat beteiligt war. Sie geschah nach einem Konzert auf dem „Hopfen- und Food-Festival“ Ende April 2019.

Rückblende ins Frühjahr 2019: Tausende von Menschen feiern Ende April beim ersten „Hopfen- und Food-Festival“ in der Innenstadt fröhlich – aber es gibt auch aggressive Untertöne: Von der Bühne aus nutzt eine Band ihren Auftritt, um quasi für die Zerstörung von Wahlplakaten der AfD zu werben. Die hängen im Vorfeld der Europawahl gerade überall in der Stadt. Stunden später sind viele von ihnen dann tatsächlich abgerissen. Das hatte jetzt, mehr als ein Jahr später, ein Nachspiel vor dem Amtsgericht in Wipperfürth. Wegen Sachbeschädigung angeklagt war ein heute 33-jähriger Hückeswagener. Zusammen mit anderen jungen Leuten soll er an der Zerstörungsaktion beteiligt gewesen sein.

Die Staatsanwaltschaft hatte im Vorfeld einen Gerichtsprozess als nicht zwingend notwendig gesehen und dem Hückeswagener deshalb einen Strafbefehl geschickt mit der Aufforderung, eine Geldstrafe in Höhe von 500 Euro zu zahlen (zehn Tagessätze à 50 Euro). Dagegen legte der 33-Jährige Einspruch ein. Den begründete er jetzt in der Hauptverhandlung damit, dass er unschuldig sei.

Seine Darstellung: Auf dem Heimweg vom Fest, wo er zuvor reichlich Bier getrunken habe, sei er spät in der Nacht in eine Tankstelle an der Peterstraße gegangen, um dort noch Bier für zu Hause zu kaufen. Zufällig sei er dort drei ihm fremden jungen Leuten begegnet, die sich damit brüsteten, die Plakate entlang der Bundesstraße zerstört zu haben – und das auch unmittelbar vor der Tankstelle noch einmal taten. Als Zeugen die Polizei riefen, flüchteten die anderen über ein Firmengelände und die Wupper. Trotz der in der Tankstelle aufgenommenen Videobilder wurde ihre Identität nie ermittelt. Der 33-Jährige blieb als Einziger zurück.

Im Verfahren räumte der Erzieher ein, durchaus mit den anderen jungen Leuten sympathisiert zu haben, weil auch er die AfD aus seiner politischen Überzeugung heraus ablehne. Darüber habe man auch gesprochen, selbst habe er sich aber nicht an dem Akt der Zerstörung beteiligt. Er sei auch zu betrunken gewesen, um selbst auf Laternenmasten zu klettern und Plakate herunter zu holen. Seine Verteidigerin fasste zusammen: „Wenn überhaupt, hat sich mein Mandant der psychischen Beihilfe schuldig gemacht, weil er den anderen seine Sympathie für deren Vorgehen ausgedrückt hat.“ Überraschenderweise plädierte sie dennoch nicht auf Freispruch, sondern regte eine Einstellung des Verfahrens an.

Die lehnte der Richter kategorisch ab. Nach Aussagen von Zeugen, die in der Nacht in der Tankstelle waren und den Angeklagten zusammen mit den anderen jungen Leuten beobachtet hatten, ging er von einer erwiesenen Tatbeteiligung des 33-Jährigen aus. Dringend riet der Richter deshalb zur Rücknahme des Einspruchs, weil bei einer Verurteilung mit einer höheren Strafe zu rechnen sei. Nach Rücksprache mit seiner Verteidigerin stimmte der Hückeswagener schließlich zu. Damit bleibt's dabei: Er muss 500 Euro Strafe und die Kosten des Verfahrens zahlen. Außerdem hat die AfD angekündigt, den Hückeswagener zivilrechtlich auf Schadensersatz zu verklagen.