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Hückeswagener Wirte stellen sich der Herausforderung

Hückeswagener Gastronomie erwacht zum Leben : Wirte stellen sich der Herausforderung

Seit Montag dürfen die Gastronomiebetriebe unter strengen Auflagen wieder Gäste empfangen. Die meisten Hückeswagener Lokale und Gaststätten nehmen das wahr, der Besuch der Gäste ist jedoch noch verhalten.

Die Stimmung der örtlichen Gastronomen ist zwiegespalten. Zum einen freuen sie sich, ihre Gäste wieder im Lokal begrüßen zu dürfen, zum anderen wird das Angebot nur zögernd angenommen. Die gewohnte Leichtigkeit gibt es noch nicht: Die Schutzmaßnahmen mit Desinfektion, Mundschutz, Abstand und Namensliste zur Rückverfolgung einer möglichen Infektionskette sind vielseitig und ungewohnt. Viele Betreiber von Kneipen, Restaurants und Cafés in der Schloss-Stadt nehmen die Herausforderung dennoch an, um nicht noch länger auf Einnahmen verzichten zu müssen.

Monika Dabrowski, Inhaberin der Tapas-Bar, hat zwar nur wenig Platz in ihrem Lokal, dennoch hat sie alle Auflagen erfüllt und zur eigenen Sicherheit vom Ordnungsamt abnehmen lassen. „Man versucht, nach jedem Strohhalm zu greifen“, sagt die Gastronomin. Erst vor knapp drei Jahren hatte sie die Tapas-Bar übernommen und aufgrund von Investitionen seitdem noch keine großen Rücklagen bilden können. Die NRW-Soforthilfe würden gerade mal für einen bis eineinhalb Monate die laufenden Kosten decken. Nicht mal die Hälfte an Personen darf Monika Dabrowski derzeit in ihr Restaurant lassen. Daher hat sie die Öffnungszeiten ausgeweitet und behält auch den Abhol- und Lieferservice weiter bei. Sollte die Situation länger anhalten, erhofft sie sich Unterstützung seitens der Stadt – beispielsweise für eine Erweiterung der Außenfläche.

Walter Milone vom Kolpinghaus hat seit Mittwoch wieder geöffnet, wenn auch nur mit eingeschränkter Karte. „Wir fahren mit angezogener Handbremse“, sagt der Wirt. Zwar werden die Holzbänke im Außenbereich gut genutzt, im Innenraum wirken die auseinandergezogenen Zweiertische weniger gemütlich als sonst. „Vereine, Skatrunden und Knobel-Clubs können sich nicht treffen, dabei ist die Kneipe ein Kommunikationsort“, bedauert Milone. Sein Gast Jörg Engelhard findet die Situation zwar nicht toll, will mit seinem Besuch den Wirt dennoch unterstützen. „Durch die Situation müssen wir alle durch. Zum Glück hat der Biergeschmack nicht nachgelassen“, nimmt er es mit Humor.

Miko Jovic vom gleichnamigen Bistro am Bahnhofsplatz will die nächsten Wochen abwarten, ob sich die Situation normalisiert. „Wenn wir 60 Prozent der Gäste hätten wie vor Corona, wäre das toll. Noch werden die Leute aber gebremst“, sagt der Restaurantbetreiber. Er hofft, dass sich bei schönem Wetter viel auf der Terrasse abspielen wird. Im benachbarten Eiscafé Friuli ist das jetzt schon wieder der Fall. Seit Donnerstag können die Gäste ihre Getränke und Speisen wieder direkt vor der Eisdiele genießen. Inhaberin Claudia Tanja Zolli freut sich über die Lockerung, auch wenn einige Regeln noch ungewohnt sind. „Die Gäste haben keine freie Platzwahl und dürfen sich erst setzen, wenn der Tisch desinfiziert wurde“, sagt sie. Dennoch seien alle gut gelaunt und würden sich an die Abstandsregeln halten.

Acht Wochen geschlossen hatte das Hotel-Restaurant Kniep, seit Montag empfängt Inhaber Michael Kniep seine Gäste wieder. Die verlorenen Einnahmen seien dennoch nicht mehr einzuholen. „In NRW wird in unserer Branche mit 22.000 Pleiten gerechnet. Ich hoffe, ich gehöre nicht dazu“, betont Kniep.

Dirk Hansmann bietet im Bürgerbad-Restaurant „Aquamarin“ derzeit nur eine kleine Karte an. „Wir verkaufen Qualität, deshalb können wir auch keinen Lieferservice anbieten, wo das Steak erst 20 Minuten später auf dem Teller landet“, sagt der Koch. Der erste Öffnungstag war überschaubar mit gerade einmal zwei Vorbestellungen. „Die Leute haben noch zu viel Angst“, vermutet Hansmann. Im Justhof fährt man zurzeit zweigleisig: Obwohl das Restaurant seit Dienstag wieder geöffnet ist, möchten die Betreiber den Lieferdienst weiterhin anbieten. „Wir erreichen damit ein ganz anderes Publikum und versuchen, uns so über Wasser zu halten“, sagt Sandra Diester. Den Hofgarten können die Gäste erst seit Freitagabend wieder besuchen. „Wir mussten erst das Restaurant auf die Situation vorbereiten“, berichtet Jagoda Vasilic. Es sei zudem schwer zu schätzen, wie viele Gäste kommen werden, da viele noch ängstlich wären. „Man muss sich irgendwie durchkämpfen“, macht sie sich selbst Mut.

Wesentlich sicherer fühlen sich die Gaststättenbesucher an der frischen Luft statt in geschlossenen Räumen. Die Außenterrasse der Gaststätte „Beverblick“ ist daher gefüllt. „Wir versuchen, das Beste daraus zu machen“, sagt Wirt Maik Wickesberg, der seinen Humor trotz der Schließung nicht verloren und seine Mundschutzmaske lustig bemalt hat.

Sehr zufrieden ist Tanja Schoppmann-Semmler vom Haus Kleineichen mit dem ersten Öffnungstag am Donnerstag: „Es war sehr schön und die Gäste waren richtig dankbar.“ Trotz komprimierter Karte gebe es bereits zahlreiche Reservierungen, und auch das To-Go-Geschäft werde parallel fortgeführt.

Die Mitarbeiter der Cafés haben alle das gleiche Problem: „Ich muss derzeit mehr putzen, als verkaufen“, sagt eine Mitarbeiterin der Bäckerei Beckmann. Sogar die Kugelschreiber müssten desinfiziert werden, Stempelkarten dürfen aus Hygienegründen nicht mehr angenommen werden. „Man versucht, alles richtig zu machen, aber das ist wahnsinnig schwierig“, fügt sie hinzu.

Gegen eine Öffnung hat sich erst einmal der Wirt der Gaststätte „Zum Alten Markt“ entschieden. „Da unsere Räume von Nähe und Geselligkeit geprägt sind, sind die Auflagen für uns eine Aufgabe, die wir nicht stemmen können – schon gar nicht zur Zufriedenheit aller“, sagt Andreas Roerdink-Veldboom. Trotz der Sehnsucht nach seinen Gästen will er daher auf weitere Lockerungen noch warten.