Hückeswagener Steinmetz besucht Kindergarten Knirpse lernen Handwerksberuf kennen

Wiehagen · Im Rahmen des Wettbewerbs „Kleine Hände, große Zukunft“ gibt Steinmetz Thomas Hundhausen Vorschulkindern einen spielerischen Einblick in sein Gewerk.

Steinmetz Thomas Hundhausen (l.) besuchte zusammenm mit seinem Auszubildenden Kai Kanehl den ökumenischen Kindergarten Wiehagen. Die Jungen und Mädchen lernten im Rahmen der Aktion „Kleine Hände – große Zukunft“ den handwerksberuf kennen.

Steinmetz Thomas Hundhausen (l.) besuchte zusammenm mit seinem Auszubildenden Kai Kanehl den ökumenischen Kindergarten Wiehagen. Die Jungen und Mädchen lernten im Rahmen der Aktion „Kleine Hände – große Zukunft“ den handwerksberuf kennen.

Foto: Jürgen Moll

Wer will fleißige Handwerker sehen? Der muss in den Kindergarten gehen. Mit viel Mut und Spaß schlagen hier die Vorschulkinder mit Hammer und Meißel Splitter aus einem großen Stein, wobei eine kleine Staubwolke entsteht. Möglich macht dieses einzigartige Erlebnis der Besuch von Steinmetz Thomas Hundhausen im ökumenischen Kindergarten St. Katharina in Wiehagen. Es ist eine Aktion im Rahmen des bundesweiten Kita-Wettbewerbs „Kleine Hände, große Zukunft“, bei der Drei- bis Sechsjährige die vielfältigen Berufe aus der Welt des Handwerks kennenlernen können und selbst mit anpacken dürfen. Es ist eine besondere Art der aktiven Nachwuchsförderung und eine Chance, schon früh die Fachkräfte der Zukunft für diesen Berufszweig zu interessieren.

Jedes Handwerk bietet Möglichkeiten, auch den Jüngsten spielerisch einen Einblick in den jeweiligen Beruf zu geben. „Wir waren schon bei der Polizei in Wipperfürth und bei der Falken-Apotheke in Wiehagen. Besuche in einer Bäckerei und in der Post haben leider nicht geklappt“, berichtet Elwira Hejda, die sich derzeit in der Ausbildung zur Erzieherin befindet. Umso mehr freut sich das Erzieher-Team des Kindergartens über die Zusage von Thomas Hundhausen (56), der auch gleich seinen Auszubildenden Kai Kanehl (22) mitgebracht hat.

Für die Vorschulkinder geht es erst einmal darum, zu sehen, wie unterschiedlich Steine sein können. Da gibt es ganz leichte, die auf dem Wasser schwimmen, glitzernde mit Kristallen, Steine mit Abdrücken von Meerestieren und Muscheln, und ganz glatte, durch die man hindurchsehen kann. „Der sieht aus wie unsere Hauswand“, sagt ein Junge. „Und der sieht aus wie Glas“, vergleichen die Kinder einen Bernstein mit anderen Materialien, die sie kennen. Die mitgebrachten Steine werden ausgiebig inspiziert und auf Oberflächenbeschaffenheit, Gewicht und sogar Geruch getestet. „Das ist kein Glas, sondern uraltes versteinertes Baumharz“, klärt Hundhausen auf.

Auf die Frage, was ein Steinmetz eigentlich macht, zucken die Kinder mit den Schultern. „Ich kenne mich im Bau nicht aus“, winkt ein Mädchen ab. Dass aus Steinen aber nicht nur Häuser gebaut werden, sondern auch Kunstwerke entstehen, überrascht die Vorschulkinder dann doch.

Der Kita-Wettbewerb bietet die einzigartige Chance, schon den Jüngsten einen Einblick in die Welt der handwerklichen Berufe zu geben – vom Anstreicher über den Bäcker bis zum Instrumentenbauer. Dazu braucht es jedoch Handwerker wie Thomas Hundhausen, die sich am Vormittag zwei Stunden Zeit nehmen. Schon früh Begeisterung für handwerkliche Tätigkeiten zu wecken, ist dabei das Ziel. „Es wird immer schwieriger, Nachwuchs zu finden, so wie in der gesamten Handwerksbranche“, sagt Hundhausen. Ihm sei es wichtig, Kinder und Jugendliche im Herzen zu erreichen. Der schlechte Ruf des Handwerks gehe an der Realität vorbei. Oft würde in der Politik erwähnt, dass das Bildungsniveau aufgrund der vielen Akademiker steigt. „Dabei wird jedoch vergessen, was ein Handwerkermeister auf dem Kasten haben muss“, betont der 56-Jährige.

Er selbst stammt aus einer Steinmetz-Familie und übt diesen Traditionsberuf bereits in vierter Generation aus. Handgefertigte Skulpturen, Grabsteine und Restaurierungen machen einen Großteil seiner Arbeit aus. Dass es dabei auch schon mal laut und staubig zur Sache geht, verschweigt der 56-Jährige den Kindern nicht. „Wir dürfen uns dreckig machen und bekommen Geld dafür“, sagt er lachend. Die Kinder haben besonders viel Freude daran, Hammer und Meißel selbst einmal in die Hand zu nehmen. „Nur erzählen ist langweilig. Daher haben wir uns richtig gefreut, dass es geklappt hat, zumal Steinmetz ein Beruf ist, den die Kinder nicht kennen“, freut sich Elwira Hejda.

Ihre Erlebnisse halten die Jungen und Mädchen jetzt auf einem Riesenposter fest, das der Kindergarten mit einer kurzen Beschreibung für den Wettbewerb einreichen kann. Im März wird eine Expertenjury aus Handwerkern und Frühpädagogen die besten Poster aus jedem Bundesland bewerten und die Landessieger küren. Als Belohnung winken 500 Euro, mit denen der Kindergarten ein Sommerfest oder einen Projekttag organisieren kann.