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Hückeswagener starten Online-Petition

Integration in Hückeswagen : Online-Petition gegen Abschiebung

Seit fünf Jahren ist Familie Hajdari/Ismaili in Hückeswagen. Die fünfköpfige Familie ist ein Musterbeispiel für Integration. Dennoch droht ihr die Abschiebung nach Albanien. Das wollen viele Hückeswagener nicht hinnehmen.

Eigentlich ist alles genauso gelaufen, wie es sein sollte. Nevila Hajdari, ihr Mann Artan Ismaili und die drei Kinder Ibrahim, Yussuf und Fatima sind vor fünf Jahren aus Albanien nach Hückeswagen gekommen. Sind aus ihrer Heimat nach Deutschland gekommen, um sich und ihren Kindern ein neues Leben aufzubauen. Sie sind in der Schloss-Stadt angekommen, haben sich integriert. Die 38-Jährige hat die Sprachkurse A1, A2, B1 und den Integrationstest „Leben in Deutschland“ erfolgreich absolviert, ihr Mann den Kursus A2, den Integrationstest wird er Mitte März machen. Die Kinder (6 und 9 Jahre) sind im Fußballverein, gehen zum Schwimmen ins Bürgerbad, haben an ihren Schulen viele Freunde gefunden.

Beide Eltern arbeiten bei der Firma Schulten Gebäudedienste, Nevila Haydari ist ehrenamtlich in der Grundschule aktiv und macht nebenbei ein Praktikum im Awo-Kindergarten an der Montanusstraße. Im Sommer kann die ausgebildete Lehrerin die Ausbildung zur Erzieherin beginnen. Ein gelungenes Beispiel für Integration nach einer Flucht. Eigentlich.

Denn vor einigen Tagen hat die Familie Post von der Ausländerbehörde bekommen. Darin enthalten: die Ankündigung der Abschiebung nach Albanien. Weil die Familie angeblich nicht integriert sei. „Wir haben alles gemacht, was von uns verlangt wird. In dem Schreiben wurden die Nachweise etwa über Sprachkurse oder auch die Arbeitsverhältnisse verlangt“, sagt die 38-Jährige. Eine Anwaltskanzlei in Köln kümmert sich darum, dass die Behörde alle Unterlagen bekomme. Mehrere Male sei sie deswegen in den vergangenen Tagen in Köln gewesen, sagt Nevila Hajdari.

Und auch die Nachbarn und Freunde der fünfköpfigen Familie sind auf die drohende Abschiebung aufmerksam geworden. Und sind aktiv geworden. „Mein Sohn, der zusammen mit Ibrahim an der Löwen-Grundschule ist, ist eines Tages nach Hause gekommen und hat gesagt: Der Ibrahim muss zurück nach Albanien“, erzählt Meike Liewert. Die Mutter zweier Kinder, die ältere Tochter hat mit Fatima die Schule besucht, habe das zunächst nicht geglaubt. „Ich habe Nevila dann angerufen, und sie hat mir alles erklärt“, sagt Meike Liewert. Das habe sie sehr traurig gemacht. „Ich bin da wirklich zusammengebrochen und habe erst einmal geheult. Warum diese Familie, die hier so wunderbar angekommen ist und alles getan hat, um sich zu integrieren? Das konnte ich nicht verstehen.“

Zusammen mit Regina Cammarota hat sie der albanischen Familie schon oft geholfen. Was folgte, ist ein Beispiel für eine funktionierende Zivilgesellschaft. Eine Familie, die zwar aus einem fremden Land kommt, aber in der Nachbarschaft eine neue Heimat gefunden hat, soll abgeschoben werden. „Da dachten wir uns, dass man da doch was machen müsste“, sagt Meike Liewert. Björn Thiel, der Vater eines Mitschülers ihres Sohnes und Elternsprecher, hat daher bei der Online-Plattform OpenPetition eine Online-Petition gestartet. „Wir würden gerne mit allen Mitteln versuchen und unterstützen wollen, dass Ibrahim und seine Familie in Deutschland bleiben dürfen“, heißt es dort. Und weiter: „Warum muss eine so liebe und gut integrierte Familie abgeschoben werden? Was tut man einem Kind und seiner Familie an? Es ist so traurig und unverständlich.“

Die Petition hat bereits 634 Unterstützer gefunden, 377 davon aus Hückeswagen. Die Kommentare zeigen ebenfalls großes Unverständnis darüber, dass ausgerechnet diese Familie die Abschiebung droht. „Familie Hajdari hat sich mit großer eigener Anstrengung toll integriert, alle Hilfen und Unterstützung angenommen und ist so dankbar, in Deutschland zu sein“, schreibt Elke Hesterberg. „Meine Kinder, zehn und acht Jahre, verstehen das Abschieben der Familie nicht und sagen mir ständig: ‚Aber wo müssen die denn hin? Die sind doch deutsch!‘ Merkwürdig, dass Kinder so viel erwachsener als wir sind und Integration erkennen und würdigen“, schreibt Alexander Kriebel. Nevila Hajdari und ihr Mann Artan Ismaili betonen, wie wohl sie sich in Hückeswagen fühlen. „Wir haben so viel Freundschaft und Hilfsbereitschaft erlebt, als wir nach Deutschland kamen“, sagt die 38-Jährige. Ihre Kinder würden fließend Deutsch sprechen, Albanisch könnten sie hingegen kaum. „Unsere Kinder denken auf Deutsch“, sagt der 46-Jährige. Seine Frau ergänzt: „Als Yussuf vom Training nach Hause kam und sagte, wie gut ihm das Fußballspielen beim RSV gefalle, habe ich zu ihm gesagt, dass er später einmal das albanische Trikot tragen könnte. Da sagte er nur: Warum denn, ich will für Deutschland spielen.“

Erschwert werde die an sich schon schwer zu ertragende Situation der Familie noch durch die MS-Erkrankung der Mutter. Der Stress, dem die Familie ausgesetzt sei, habe über die Karnevalstage zu einem Schub geführt.

„Unsere Antworten und Lebensläufe liegen jetzt bei den Anwälten in Köln, die unseren Fall weiter bearbeiten. Wir hoffen sehr, in Deutschland bleiben zu dürfen“, sagt Nevila Hajdari. Meike Liewert, Regina Cammarotta, Björn Thiel und die Unterzeichnenden der Petition hoffen das auch.