Integration in Hückeswagen Sportvereine sind bereit für Inklusion

Hückeswagen · Menschen mit Handicap dürfen gegenüber Menschen ohne nicht benachteiligt werden – so steht es im Grundgesetz. Doch wie sieht es in der Praxis aus ? Eine Umfrage unter den Sportvereinen der Schloss-Stadt.

 Die Judoka mit Behinderung vom JC Mifune sind bei ihren Wettbewerben sehr erfolgreich.

Die Judoka mit Behinderung vom JC Mifune sind bei ihren Wettbewerben sehr erfolgreich.

Foto: Mifune

In wohl keinem Lebensbereich ist es einfacher möglich, Menschen mit und ohne Handicap zusammenzubringen, als im Sport. Schließlich ist Spaß am gemeinsamen Tun – bei allem Wettkampf und Ehrgeiz – doch ein signifikanter Bestandteil des Breitensports. Immer klappt das noch nicht. Und wenn es in den Hückeswagener Vereinen keine inklusive Arbeit gibt, liegt es keineswegs daran, dass eine der beiden Parteien nicht möchte.

ATV Noch keine Angebote für Menschen mit Handicaps gibt es auf dem Fürstenberg. „Was nicht ist, kann noch werden“, versichert Vorsitzender Jörg von Polheim. Separat erfasst würden Behinderungen oder Einschränkungen bei neuen Vereinsmitgliedern im Breitensportverein indes nicht. „Daher wissen wir auch nicht, wie viele Sportlerinnen und Sportler bei uns eventuell ein Handicap haben.“ Grundsätzlich gehe es im ATV darum, allen Menschen in Hückeswagen ein geeignetes Sportangebot zu bieten. „Unsere Übungsleiterinnen und Übungsleiter sind daraufhin geschult, angepasste Sportangebote zu finden – egal ob für Interessierte mit oder ohne Handicap“, betont der ATV-Vorsitzende.

RBS Brigitte Thiel kennt sich mit dem Thema aus. „Inklusion ist ein gesellschaftliches und politisches Ziel. Das ist gut – aber nicht in allen Bereichen eins zu eins umzusetzen, auch nicht im Sport“, stellt die Vorsitzende der Rehabilitations- und Behinderten-Sportgemeinschaft klar. Man müsse immer abwägen, ob die Person mit Handicap den Anforderungen des jeweiligen Sports gerecht werden könne. „Beim Handball könnte es etwa schwierig werden – und zu Frust auf beiden Seiten führen. Yoga und Gymnastik hingegen sind Bereiche, bei denen Inklusion problemlos möglich ist.“

Die Behindertensportverbände sollten auch künftig von Bund und Land finanziell unterstützt werden. Das Geld würde etwa in die Ausbildung von Übungsleitern fließen. „Diese können dann Menschen mit Handicap in den Übungsstunden gut unterstützen“, sagt Brigitte Thiel. Grundsätzlich sei es aber sehr begrüßenswert, „wenn Behinderte mit Nichtbehinderten gemeinsam Sport machen – eben da, wo es möglich ist.“

RSV 09 Im Raspo habe es immer wieder Mitglieder mit Handicap gegeben, sagt die Vorsitzende Diana Knorr. „Ich kann mich an die Jugendzeit meines Mannes erinnern, in den 1980er und 1990er Jahren. Damals war ein Mitspieler mit Handicap in der Mannschaft, der vollkommen integriert war.“ Diese Selbstverständlichkeit sei auch gut so, denn die Jugendlichen könnten auf diese Weise Soft Skills wie Verständnis, Hilfsbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein erlernen. Die Mitspieler mit Handicap würden neben ihrer sportlichen Entwicklung auch Werte wie Akzeptanz und Toleranz erfahren, was wiederum der Stärkung des Selbstwertgefühls diene. „Auch wenn wir aktuell keine Spielerin oder Spieler mit Handicap haben, ist jeder jederzeit herzlich willkommen“, betont Diana Knorr.

Schützenverein Die Schießanlage ist seit den umfangreichen Renovierungsarbeiten im Vorjahr komplett barrierefrei. „Insofern ist uns nicht nur jeder am Schießsport Interessierte herzlich willkommen, er kann den Sport auch in jedem Fall problemlos ausüben“, versichert Schützen-Chef Stefan Lorse. Ein kürzlich verstorbener Schützenbruder habe nur einen Arm bewegen können und dennoch beste Ergebnisse erzielt, sagt er. Der Anteil an Mitgliedern mit Handicap liegt jedoch bei unter zehn Prozent.

TBH Für den Vorsitzenden Michael Wolter ist „Handicap nicht gleich Handicap“. Aber als gemeinnütziger Verein stünden dessen Angebote selbstverständlich allen Menschen offen. „Man muss gemeinsam darüber reden, was in welcher Abteilung wie möglich ist. Am besten im direkten Kontakt zwischen Sportler und Übungsleiter.“ Spezielle Angebote für eingeschränkte Menschen gebe es indes nicht. „Da wir die eventuell vorhandenen Handicaps nicht abfragen, wenn jemand in den Verein eintreten möchte, gibt es keine Statistiken darüber“, sagt Wolter.

SC Heide Noch keine entsprechenden Anfragen hat es beim noch jungen Fußballverein SC Heide gegeben. „Wir haben deswegen natürlich auch keine entsprechende Abteilung oder Gruppe“, sagt der Vorsitzende Kevin Zrock. Er gibt sich aber grundsätzlich offen dafür. „Wenn es mal eine solche Anfrage geben sollte, werden wir alles uns Mögliche dafür tun, dass der Sportler oder die Sportlerin integriert werden kann.

JC Mifune Beim Judo-Club Mifune gibt es eine größere Gruppe von Sportlern mit Handicap. „Wir haben elf Sportler mit Handicap und 16 ohne. Die Inklusionsgruppe trifft sich immer freitags zum Training in der Realschule“, teilt Vorsitzende Eddy Tscheschlog mit. Seit seiner Gründung 1977 habe Inklusion beim JC Mifune immer schon eine Rolle gespielt. Und die Judoka mit Behinderung seien dabei oft bei ihren Wettbewerben erfolgreich.

TVW Auch im TV Winterhagen sind Menschen mit Handicap jederzeit willkommen, verspricht Ina Mühlinghaus vom geschäftsführenden Vorstand sagt. „Wir haben jetzt aber keine speziellen Angebote im sportlichen Bereich.“ Eine Statistik über Mitglieder mit oder ohne Behinderung gebe es ebenfalls nicht. „Unsere Sportlerinnen und Sportler melden sich einfach an. Es ist dabei irrelevant, ob eine Behinderung vorliegt oder nicht“, sagt Ina Mühlinghaus.

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