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Hückeswagener Sportvereine reagieren zurückhaltend auf Lockerungen

Hückeswagenin der Corona-Krise : Sportvereine reagieren zurückhaltend

Seit Anfang dieser Woche darf der Breitensport – mit Abstrichen und Hygieneschutz – wieder aufgenommen werden. In Hückeswagen wollen aber noch nicht alle Vereine wieder einsteigen.

Deutlich sichtbar wird der Sport-Neustart in Dreibäumen: Auf dem Golfplatz herrscht wieder nahezu Normalität. Doch nicht nur die Golfer dürfen wieder loslegen – jeglicher kontaktloser Breitensport und Trainingsbetrieb im Freien sind von der Landesregierung wieder erlaubt worden. Voraussetzung ist der Mindestabstand von eineinhalb Metern zwischen den Sportlern. Dennoch kommen die Lockerungen zum einen wieder sehr spontan und können von den ehrenamtlich betriebenen Vereinen nicht über Nacht umgesetzt werden. Zum anderen ist auch nicht immer klar, wie Sport mit Hygiene- und Infektionsschutz überhaupt funktioniert.


Was machen die Tennisvereine? Bei den beiden Hückeswagener Klubs sieht es eher unkompliziert aus. „Unsere Mitglieder können sich zum Einzel oder Doppel auf der Anlage an der Kölner Straße verabreden“, sagt Dirk Karthaus, Vorsitzender des HTC 73. An der Anlage sei ein Aushang, in den sich die Spieler eintragen könnten. Diese Liste diene auch der Nachverfolgung, falls doch eine Infektion auftrete. „Dusche, Bänke und Kabinen sind gesperrt. Man kommt also zum Spiel und geht wieder“, berichtet Karthaus. Ähnlich ist es beim TC Blau-Rot. „Wir haben den Spielbetrieb an der Schnabelsmühle seit vergangenem Montag wieder aufgenommen“, sagt die zweite Vorsitzende Kerstin Lewak-Wolter. Die Einhaltung der Hygiene- und Verhaltensvorschriften seien für alle Mitglieder verpflichtend.


Ist der Sportplatz wieder geöffnet? An der Schnabelsmühle ist es nach wie vor ruhig. „Der Sportplatz ist noch nicht wieder geöffnet, weil es noch keine genauen Infos von der Landesregierung gibt“, sagt Hans-Georg Breidenbach, Vorsitzender des Stadtsportverbands. Mannschaftssportarten seien ohnehin noch nicht genehmigt. Die Vereine, die den Sportplatz nutzen, könnten höchstens Konditions- oder Lauftraining machen.


Wie ist die Lage bei den Fußballern? „Es kann sein, dass der eine oder andere Trainer das macht oder Fahrradtouren mit seinen Spielern anbietet“, sagt Michael Steffens, Vorsitzender des RSV 09. „Aber solange es keine Aussagen von der Stadt zur Platznutzung gibt, fangen wir mit dem Fußballtraining nicht wieder an.“ Das unterstreicht auch Kevin Zrock, Vorsitzender des SC Heide: „Wir spielen entweder Fußball oder gar nicht.“ Die Fußballer wollen den 30. Mai abwarten und dann sehen, ob wieder regulär gekickt werden könnte.


Was machen die American Footballer? Christian Fröhlich, Vorsitzender des American-Football-Vereins Phoenix, will ebenfalls von einem Wiedereinstieg ins Training noch nichts wissen. „Unter den jetzigen Voraussetzungen ist das nicht sinnvoll“, betont er. American sei ist ein Mannschaftssport, Training in Kleinstgruppen bringe daher nicht viel. Zwar könnten Bewegungsabläufe, etwa die Ballübergabe, geübt werden. „Das ist aber schlicht und ergreifend unpraktisch. Wir müssten nach jeder Übergabe den Ball desinfizieren. Das hält den Spielbetrieb auf und ist letztlich auch Gift für das Leder“, sagt Fröhlich. Auch die Footballer wollen jetzt erst einmal den Mai abwarten und dann entscheiden, wie’s weitergeht.

Wie sieht es bei TBH und TV Winterhagen aus? Zwei der drei großen Breitensportvereine in der Schloss-Stadt werden den Betrieb erstmal noch nicht wieder anfahren. Zwar hatte TBH-Vorsitzender Michael Wolter in einer Mail von vorigem Freitag an die Übungsleiter angekündigt, den Hallenbetrieb mit dem 11. Mai wieder zu ermöglichen und einzelne Sportarten ab dem 12. Mai wieder anzubieten. „Leider musste ich unseren Plan nach einer Besprechung im Vorstand ändern“, berichtet er. „Da sich derzeit die Fakten immer wieder überholen, werden wir frühestens am 1. Juni wieder einsteigen.“ Auch Jürgen Hausmann vom geschäftsführenden Vorstand des TV Winterhagen teilt mit, „dass wir die Halle keinesfalls vor dem 30. Mai wieder aufmachen“. In den Mails, die der TVW vom Kreissportbund bekommen habe, stünde immer zum Schluss der Satz: „Der Vorstand haftet.“ „Die Risiken sind letztlich noch zu hoch“, sagt der Vorsitzende des Sportvereins.


Was macht der ATV? Hückeswagens ältester Sportverein wird die ersten Sportarten hingegen ab kommendem Montag, 18. Mai, wieder anbieten. „Wir überlegen jetzt, wie genau die Vorgaben umgesetzt werden können“, berichtet Vorsitzender Jörg von Polheim. Yoga werde eines der Angebote sein, die es wieder gebe – aber mit eigener Matte oder eigenem Handtuch. Und die Duschen und Umkleiden sind geschlossen. Es seien schwierige Zeiten für die Vereine, aber dennoch hätten sich die Sportler gefreut, als die Nachricht herumgegangen sei, dass es wieder losgehe, sagt von Polheim. „Wir halten uns an die gesetzlichen Vorgaben und werden alles tun, um unsere Mitglieder zu schützen.“


Und wie geht der Judoclub das Problem an? Der Judoclub Mifune bereitet sich, obwohl Judo ein Kontaktsport ist, auf einen Wiedereinstieg vor. „Die Auflagen sind aber schon extrem umfangreich“, estätigt Vorsitzender Eddy Tscheschlog. „Wir setzen uns im kleinen Vorstand zusammen und werden besprechen, wie es wieder losgehen kann.“ Es werde ein großer Aufwand sein, „aber irgendwie wird es schon gehen“, zeigt er sich zuversichtlich.