1. NRW
  2. Städte
  3. Hückeswagen

Hückeswagener Sportmannschaften überbrücken Corona-Zwangspause

Hückeswagener Sport in der Corona-Krise : Sportteams überbrücken Zwangspause

Für Mannschaftssportler bedeutet die Corona-Krise das vorübergehende Aus im Teamsport, gibt es doch weder gemeinsames Training noch Spiele. Der angestrebte Aufstieg rückt für einige Hückeswagener Teams dadurch in weite Ferne.

Wer vor der Corona-Krise Mannschaftssport betrieben hat, muss sich in diesen Tagen Alternativen suchen, um weiterhin fit zu bleiben. Wir haben einige Hückeswagener Vereine und Trainier gefragt, wie sie die sportliche Zwangspause überstehen und es nachher im Spielbetrieb und in der laufenden Wettkampf-Saison weitergehen wird.

ATV Handball Bei der ersten Herren-Mannschaft des ATV liegt das Training aktuell auf Eis. „Jeder Spieler ist individuell unterwegs mit Laufeinheiten und Kraftübungen“, berichtet Trainer Sebastian Mettler. Seine Mannschaft liegt derzeit auf dem zehnten Tabellenplatz der Landesliga und hat sich noch nicht aller Abstiegssorgen entledigt. Es sei noch keine Entscheidung vom Verband getroffen worden, ob die Saison weitergeht. „Die Schlüsselspiele wären erst noch gekommen. Wir müssen jetzt abwarten was passiert“, sagt Mettler. Es wäre gerecht, wenn bei einem Abbruch der Saison keine Mannschaft absteigen würde. Seiner Meinung nach ist ein normaler Sportbetrieb erst 2021 wieder möglich. „Wir betreiben nun mal einen Kontaktsport, wo geschwitzt wird, man sich die Hand schüttelt und aus einer Flasche trinkt“, erläutert Mettler.

Handball-Landesligist ATV Hückeswagen muss pausieren. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

SC Heide Fußball Statt sich auf dem Spielfeld mit anderen Mannschaften zu messen, haben die Spieler des SC Heide eine eigene Fifa-Liga auf der Playstation-Spielekonsole gegründet und ermitteln nun den internen Fifa-Meister. Der Aufsteiger in die Kreisliga A musste viele Aktionen stoppen, wie beispielsweise die Sanierung des Verkaufscontainers am Sportplatz. Für Ende Mai war eine Mannschaftstour nach Mallorca geplant, im Juni steht als Turnier um den Sommer-Wupperpokal an. Nach dem Spiel wäre ein Public Viewing des EM-Spiels Deutschland gegen Portugal mit bis zu 299 Zuschauern auf dem Sportplatz geplant gewesen.Zumindest letzteres fällt aus, da die Fußball-Emuropameisterschaft ins nächste Jahr verlegt worden ist. Ob der Rest wie geplant stattfinden kann, ist ungewiss. „Für das Vereinsleben ist es eine Katastrophe, finanziell bricht es uns nicht das Genick“, sagt Vorsitzender Kevin Zrock. Beisitzer Patrick Dworski, Interimstrainier der zweiten Mannschaft aus der C-Liga, hält die Zwangspause auch sportlich für einen Rückschlag. „Beide Mannschaften waren auf dem besten Weg, ihre Ziele zu erreichen – auch im Hinblick darauf, dass man trotz vermutlicher Auflösung der Kreisliga C als Meister aufsteigen wollte“, fügt er hinzu.

Jeglicher Körperkontakt, wie bei den Spielern des SC Heide, ist derzeit verpönt. Foto: Leon Krasniqi


RSV 09 Fußball
Michael Steffens, Vorsitzender des RSV 09 Hückeswagen, kann ebenfalls nicht abschätzen, wie es weitergeht. „Unsere Planung für die neue Saison ist über den Haufen geworfen“, bedauert er. Besonders traurig wäre es, wenn auch das geplante Sommerfest zum 111-jährigen Bestehen des Vereins Anfang Juni ausfallen müsste. „Wahrscheinlich wird das nicht klappen“, befürchtet Steffens. Der RSV habe die Trainingssperre zunächst bis kommenden Sonntag, 19. April, verlängert. „Mehr können wir im Moment nicht tun“, fügt der Vorsitzende des B-Kreisligisten hinzu.

TBH Badminton Ein alternatives Training gibt es für die Badmintonspieler des Turnerbunds Hückeswagen (TBH) nicht. „Badminton ist ein reiner Hallensport – bei Wind fliegt der Ball wider Willen“, erläutert Übungsleiterin Heike Thiel. Für das Team ist die Auszeit besonders bitter, da der Landesverband die beiden letzten Spiele der Saison abgesagt hat. „Sie werden auch nicht nachgeholt“, bedauert Heike Thiel. Denn die Mannschaft ist momentan Zweiter der Kreisliga Süd 2. „Wir hätten das Spiel gegen den Tabellenersten, die SG Wermelskirchen/Wipperfürth 2, gewonnen, da wir schon in der Hinrunde mit einer schwächeren Besetzung gewonnen haben“, ist sie überzeugt. Einen Antrag auf Aufstieg will die Mannschaft dennoch nicht stellen. „Unsere Männer müssen sich in der höheren Klasse, der Kreisliga, echt abkämpfen gegen die jungen Burschen“, nennt sie den Grund. Verschoben werden musste auch der Saisonabschluss der Jugend mit Übernachtung in der Halle. Der soll auf jeden Fall nachgeholt werden.

TVW Prellball Absagen hagelte es auch im Prellball-Sport. Die Deutsche Meisterschaft der Jugend wurde gestrichen und wird in diesem Jahr nicht mehr nachgeholt. Für die Männermannschaften ist ebenfalls alles auf Null heruntergefahren worden. „Ohne Regionalmeisterschaft kann man sich nicht für die DM qualifizieren“, berichtet Michael Köthe, Prellball-Trainier beim TV Winterhagen (TVW). Da die ganze Familie Köthe stark im Prellball involviert ist, gab es bereits ein internes Spiel auf der heimischen Terrasse. „Man tauscht sich in der Familie zwar aus, aber der Sport fehlt schon“, sagt Köthe. Mit größeren finanziellen Verlusten des Vereins und Kündigungen der Mitglieder aufgrund der Schließung der Sporthalle rechnet er allerdings nicht. „Die Halle muss zwar weiter verwaltet werden, aber ein gesunder Verein wird das wegstecken“, äußert sich der Prellball-Abteilungsleiter optimistisch.

ASC Phoenix Bergisch-Land American Football Statt Training pauken die Football-Neulinge derzeit die Theorie per digitaler Medien. „Das klappt überraschend gut, aber die Spieler müssen wieder auf den Platz kommen“, stellt Christian Fröhlich, Headcoach der Phoenix, klar. Seit Januar bietet der Verein ein zusätzliches Training in Gummersbach an, wodurch viele neue Mitglieder auf die Einführung in den Sport samt praktischer Übungen warten. Die Cheerleading-Gruppe „Flames of Phoenix“ hält sich mit einem Aufbautanz bei Laune. „Jedes Mädel fügt einen Schritt hinzu und schickt das Video dann weiter“, erläutert Fröhlich die unkonventionelle Trainingsmethode. Der American Football Verband Deutschland (AFVD) hat angekündigt, den Saisonstart auf Pfingsten zu verschieben. In der Ankündigung heißt es: „Sollte erkennbar werden, dass der Spielbetrieb dann noch nicht wieder aufgenommen werden kann, werden die Vereine gemeinsam mit dem AFVD andere Lösungen beraten.“