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Hückeswagener Schulen und Kitas sind fast ohne Kinder

Hückeswagen : Schulen und Kitas sind fast ohne Kinder

Die Leitungen der Hückeswagener Schulen und Kindergärten hatten die Eltern – obwohl die Entscheidung der Schließung erst am Freitagnachmittag fiel – gut vorbereitet: Die meisten Schüler blieben am Montag zu Hause.

Diese Exklusivbehandlung sind Luc-Luis Hildebrandt und Jannis Wischneswki nun wahrlich nicht gewohnt. Der Fünft- und der Sechstklässler sind am Montag tatsächlich die einzigen beiden Realschüler von 400, die zum Unterricht erschienen sind. Nun „genießen“ sie den Englischunterricht mit Lehrer Etienne Michel. Nachdem die Landesregierung die Schulpflicht für alle Schüler in NRW vorübergehend aufgehoben hat, ist es den Eltern freigestellt, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken. Nur sehr wenige davon machen an diesem Montag Gebrauch davon, die Hückeswagener Schulen sind weitestgehend kinderfrei – nur die Lehrer sind da.


Die Grundschulen Vier der 240 Schüler der Grundschule Wiehagen haben den Weg an die Blumenstraße gefunden. Drei Kinder wurden nach der vierten, das letzte nach der fünften Stunde wieder abgeholt. „Es gab bislang noch keine Anfrage nach einer Notbetreuung“, berichtet Schulleiterin Claudia Paradies. Das Kollegium sei aber darauf eingerichtet. Sollte in den kommenden drei Wochen bis zu den Osterferien doch noch eine solche Betreuung von Schülern notwendig sein, könnte eine Gruppe gebildet werden, eine weitere wäre an der Löwen-Grundschule in der Stadt denkbar. Die Lehrerinnen arbeiten derweil weiter, die meisten von zu Hause aus. „Wir erarbeiten Konzepte, schauen die Schulmaterialien durch oder sortieren Unterrichtsmaterialien“, erläutert Claudia Paradies. Zudem würde die Zeit genutzt für die ersten Überlegungen, wie die Klassen für das I-Dötzchen-Schuljahr 2020/21 gebildet werden sollen.

 Auch alle Kindergärten, wie die Arche an der Kölner Straße, sind geschlossen.
Auch alle Kindergärten, wie die Arche an der Kölner Straße, sind geschlossen. Foto: Moll, Jürgen (jumo)
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An der Löwen-Grundschule sind immerhin acht der 270 Jungen und Mädchen gekommen, die auch am Dienstag noch in ihren Klassen von Lehrerinnen betreut werden. „Wir haben am Freitag bereits Arbeitspläne für die Woche verteilt, die ebenfalls von den Kinder zu Hause bearbeitet werden“, berichtet Nadine Aufgebauer, die stellvertretende Schulleiterin. Die Kinder in der Schule würden durch die Lehrerinnen betreut, ab 11.30 Uhr sei die Betreuung in der Offene Ganztagsgrundschule (OGS) gewährleistet. Über die E-Mails, die über die Klassenpflegschaften verteilt werden, bleiben die Lehrerinnen mit den Schülern in Kontakt.


Die Förderschule Von den 274 Kindern beider Standorte in Radevormwald (Armin-Maiwald-Schule) und Hückeswagen (Erich-Kästner-Schule) sind nur sechs in die Einrichtung an der Nordstraße gekommen. Vormittags werden sie von den Lehrern betreut, berichtet Schulleiterin Cordula Schneider, nachmittags gingen die jüngsten Kinder in die OGS-Betreuung. Die Schüler wurden bis zu den Osterferien mit Lehrplänen versehen, die sie daheim bearbeiten können. „Rückmeldungen sind per Mail oder postalisch möglich“, sagt Cordula Schneider.


Die weiterführenden Schulen Komplett schülerfrei ist am Montagmorgen die Montanusschule. „Wir hatten kein Kind in der Notfallversorgung und auch keine Rückmeldungen über einen Engpass“, berichtet der kommissarische Schulleiter Karlheinz Rennau. Auch an der Hauptschule arbeiten die Kinder im heimischen Zimmer, die entsprechenden Arbeitspläne für die verschiedenen Fächer wurden über die Klassenpflegschaft verteilt. Mit den Lehrern halten sie etwa bei Fragen Kontakt über das Telefon. Weniger von der Schulschließung betroffen sind aktuell die Neunt- und Zehntklässler, die gerade ihr Praktikum machen. Es sei denn, sie arbeiten in einem Altenheim oder Kindergarten – dann wurden sie wegen der Coronakrise nach Hause geschickt. In diesen Fällen sei Arbeitsmaterial für sie bereitgestellt worden, sagt Rennau.

An der Realschule wird der Kontakt zwischen Lehrern und Schülern über die Google Education Plattform gehalten, berichtet der kommissarische Leiter Thorsten Schmalt. Online wird diese mit Lern­inhalten gefüllt, die die Jungen und Mädchen zu Hause abrufen können. Dort finden sie etwa Arbeitsmaterialien und Aufgaben, können auf dieser Plattform aber auch untereinander kommunizieren und etwa um Hilfestellung bittet. Die Lehrer „füttern“ sie mit zusätzlichen Inhalten , beantworten darauf Fragen und überprüfen Aufgaben.

Das Berufskolleg
An der Privatschule bergischer Unternehmer ist die Schulschließung kein Probleme, denn dort wird ohnehin schon digital gelernt. Auch hier gibt es eine Lernplattform, bei der Infomaterial, Aufgabenstellung in schriftlicher und audio-visuellen Form über das Internet an die Schüler weitergeleitet wird. Selbst Klassenarbeiten können über dieses System geschrieben werden. Laut Berufskolleg-Leiter Gunnar Mühlenstädt wird derzeit, „unabhängig von der Coronakrise“, an der Verwendung virtueller Unterrichtsformen gearbeitet. „Wir sind gut gerüstet und können unsere Schüler ganz normal beschulen“, versichert er.


Die Kindergärten Auch an den Hückeswagener Kindergärten ist kaum ein Kind zu betreuen – so sind die beiden Awo-Kindergärten, der ökumenischen Kindergarten auf Wiehagen und der Arche-Kindergarten der Evangelischen Kirchengemeinde völlig kinderfrei. Mangels zu betreuender Jungen und Mädchen werden die Erzieherinnen nun Dinge angehen, „die bislang auf der Strecke geblieben sind“, sagt etwa Arche-Leiterin Corinna Ackerschewski. Das können etwa diverse Reinigungs- und Aufräumaktionen sein, wie Jessica Flohr vom ökumenischen Kindergarten berichtet, oder die Dokumentation von Sprachförderungsmaßnahmen und Bildungsdokumenten, wie Bernd Block vom Awo-Kindergarten an der Montanusstraße aufzählt.