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Hückeswagener: Ralf und Brigitte Thiel feiert am 17. Juli Goldhochzeit

Goldhochzeit in Hückeswagen : Unterm Schirm durchs Feuerwehr-Spalier

Ralf und Brigitte Thiel, die durch ihre vielen ehrenamtlichen und politischen Aktivitäten bekannt sind, feiern am Freitag ihre Goldene Hochzeit. Die Eheleute haben viel bewegt, ihre Ziele verfolgt und sich dabei gegenseitig unterstützt.

Nach Ende der Berufstätigkeit ist es ein wenig ruhiger geworden im Leben von Ralf und Brigitte Thiel. Fast täglich sind sie an ihrem Wohnwagen an der Bever-Talsperre anzutreffen, den sie liebevoll als „Zweitwohnsitz mit Aussicht“ bezeichnen. Ralf Thiel hat die Fachliteratur der Berufsfeuerwehr gegen historische Romane ausgetauscht, seine Ehefrau erntet das Gemüse aus dem eigenen Gewächshaus. „Wir kochen täglich frisch“, sagt die 67-Jährige. Diskutiert wird viel, aber nur selten gestritten. „Das ist mir viel zu stressig“, sagt der 70-Jährige und lacht. Stattdessen unterstützt sich das Paar gegenseitig bei seinen Zielen und Träumen – und das schon seit mehr als 50 Jahren.

Am 17. Juli feiern die Hückeswagener ihre Goldhochzeit. Bereut haben sie die frühe Hochzeit nicht. Denn Brigitte Schüttler, wie die Braut hieß, war damals gerade einmal 17 Jahre jung. „Es passte einfach wie Pott auf Deckel“, versichert sie. Den Heiratsantrag machte ihr Ralf Thiel auf einem Spaziergang bei Sonnenuntergang. Es gab nur einen Grund, den ihn von einer Hochzeit abgehalten hätte. „Wenn sie verlangt hätte, dass ich aus der Feuerwehr austrete, hätte ich das nicht gemacht“, ist er noch heute überzeugt. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass die Feuerwehr einen großen Platz in ihrer Ehe eingenommen hatte.

 Nach der Trauung in der Johanniskirche standen die Feuerwehr-Kameraden Spalier und spritzten Löschwasser.
Nach der Trauung in der Johanniskirche standen die Feuerwehr-Kameraden Spalier und spritzten Löschwasser. Foto: Archiv Thiel

Ralf Thiel war mit 16 Jahren in die Freiwillige Feuerwehr Hückeswagen eingetreten und qualifizierte sich bis zum stellvertretenden Zugführer. Auf dem großen Fest zum 100-jährigen Bestehen der Feuerwehr Wermelskirchen lief sich das heutige Ehepaar 1969 zum ersten Mal über den Weg. Schon damals soll Ralf Thiel prophezeit haben: „Die werde ich kennenlernen und heiraten.“ BrigitteThiel imponierte der ehrenamtliche Einsatz des jungen Mannes. „Es ist schon faszinierend, was die Feuerwehrmänner damals ohne die heutige Technik geleistet haben“, sagt sie.

Bei einem Brand an der Fuhr verletzte sich Ralf Thiel an der Hand. Die Reaktion seiner Freundin gab ihm den Mut für den Heiratsantrag. „Als ich die Sorge in ihren Augen gesehen habe, wusste ich, dass es ihr mit uns ernst war“, sagt der pensionierte Brandamtsrat.

Pfarrer Helmuth Herkenrath traute das junge Paar in der Johanniskirche. „Wir hörten draußen Wasser plätschern und dachten, es würde regnen“, erinnert sich Brigitte Thiel. Doch es war kein Regen, sondern das Wasser aus den Stahlrohren der Feuerwehrleute, die vor der Kirche Spalier standen. Gemeinsam zog das Paar nach der Hochzeit in eine kleine Wohnung am Mühlenweg, später in die ehemaligen Johanneshäuser an der Friedrichstraße. „Wir hatten die Feuerwehrleitstelle bei uns zu Hause. Und wenn mein Mann nicht da war, musste ich selbst bei einem Alarm die Sirene drücken“, erinnert sich Brigitte Thiel.

Beruflich hatte sich das Paar ebenso klare Ziele gesetzt. Gemeinsam besuchte es die Abendschule, bevor Ralf Thiel im Werkzeugbau der Firma Zach eine Ausbildung begann. 1974 trat er in den Dienst der Stadt Hückeswagen als Krankenwagenfahrer und Gerätewart ein. 1976 wechselte er zur Berufsfeuerwehr nach Köln, wo er bis zum Brandamtsrat aufstieg. Seine Ehefrau begann eine Frisörausbildung und schulte später zur Zahnarzthelferin um. 1970 kam Sohn Stephan auf die Welt, der zusammen mit einem Pflegekind aufwuchs, das wie ein Zwillingsbruder war. 1982 erblickte Sohn Christan das Licht der Welt. „Wir wussten schon bei der Geburt, dass etwas nicht stimmte. Die Diagnose ‚Down-Syndrom‘ erhielten wir aber erst drei Wochen später“ erinnert sich Brigitte Thiel. Doch auch hier hielt das Paar fest zusammen und nahm sich der Herausforderung an.

Durch die Behinderung von Christian entstand der Kontakt zur Lebenshilfe und das Engagement in der Rehabilitations- und Behinderten-Sportgemeinschaft (RBS). Da die Hückeswagener auch das Leben in der Schloss-Stadt mitgestalten wollten, gründeten sie vor 17 Jahren den Verein Freie aktive Bürger (FaB), der seit 2000 fester Bestandteil des Stadtrats ist. „Wir tanzen auf mehreren Hochzeiten“, sagt Ralf Thiel, und seine Frau fügt hinzu: „Man darf sich vom Ehrenamt aber auch nicht auffressen lassen, immerhin kann man diese Arbeit nicht vom Küchentisch aus machen.“

Regelmäßige Auszeiten gönnen sich die Jubilare auf vielen Reisen, die sie bis China, Neuseeland und Kanada führten. Die Familie, zu der auch eine Schwiegertochter und zwei Enkelkinder zählen, hat einen starken Zusammenhalt. So geht es auch einmal im Jahr in den gemeinsamen Familienurlaub in Norddeich.

Es gibt mehrere Gründe, warum die Ehe auch noch 50 Jahren noch so harmonisch und von gegenseitigem Vertrauen geprägt ist. „Wir hatten Ziele, die sind wir auch gegangen“, sagt Brigitte Thiel. Ihr Mann ergänzt: „Jeder braucht dabei aber auch seine Freiheiten und ein bisschen Luft zum Atmen.“