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Hückeswagener „Rä-Te-Ma-Teng“ im Mini-Format

Hückeswagener Karnevalsumzug : Kinderkarnevalszug im Mini-Format gebaut

Holger Schmidt ist arbeitslos – zumindest als Zugführer an Rosenmontag. Sohn Max sorgt mit seinem Lego-Zug aber für Ersatz. Aus Lego baute der Neunjährige mehrere Umzugswagen, die er zu einem bunten Karnevalszug zusammenstellte.

Rosenmontag um 14.11 Uhr - Holger Schmidt schreitet zur Tat und setzt den Hückeswagener Karnevalsumzug „Rä-Te-Ma-Teng“ in Bewegung. Mit Uniform, Zylinder und Kelle zieht er voran, vorbei an zahllosen jubelnden Jecken durch die Altstadt bis zum großen Kamelleregen auf dem Schlossplatz. Am Montag wäre es wieder soweit gewesen, doch aufgrund der Corona-Pandemie sind sämtliche Karnevalsaktivitäten vor Ort abgesagt – auch der traditionelle Kinder-Rosenmontagszug „Rä-Te-Ma-Teng“ der Hückeswagener Kolpingsfamilie.

Doch viel Zeit für Traurigkeit blieb dem Zugführer nicht, denn Sohn Max sorgte kurzerhand für eine corona-konforme Alternative. Aus Lego baute der Neunjährige mehrere Umzugswagen, die er zu einem bunten Karnevalszug zusammenstellte. „Von der Anzahl der Wagen entspricht er sogar in etwa dem Hückeswagener Zug“, freut sich Holger Schmidt über den Nachbau im Mini-Format.

Im Internet kursieren mittlerweile viele Videos und sogar kleine Wettbewerbe solcher Miniatur-Karnevalszüge. Davon ließen sich auch Max und seine Mutter Heike Albus inspirieren. Zwei Tage lang wurde gebastelt, gebaut und Banner gedruckt – ein Legotechnik-Auto dient als elektrische, batteriebetriebene Zugmaschine. „Daran muss allerdings noch gearbeitet werden, denn die Wagen drifteten beim ersten Versuch nach zwei Metern auseinander“, berichtet Holger Schmidt von der nicht TÜV-geprüften Wagenkolonne. Seit 2009 ist Holger Schmidt Zugführer des Kinder-Rosenmontagszugs in der Schloss-Stadt. Zu seinen Aufgaben gehört es unter anderem, Kontakt zu den teilnehmenden Gruppen aufzunehmen, die Brauchtumsveranstaltung beim Kreis in Gummersbach rechtzeitig anzumelden sowie Polizei und Feuerwehr zu benachrichtigen. „Ich kann ja noch versuchen, einen Antrag für den Zug zu stellen, aber das wird eng“, scherzt Holger Schmidt mit etwas Wehmut. Die Corona-Situation empfindet der Zugführer als schwierig und grotesk. „Wir brauchen doch alle wieder etwas Normalität“, ist er überzeugt. Der einzige Vorteil seien die eingesparten Kalorien der nicht gefangenen Kamelle.

Holger Schmidt hofft darauf, dass keine der vielen bisher abgesagten Veranstaltungen einschlafen wird. „Der Rosenmontagszug beispielsweise finanziert sich aus den Einnahmen des Altstadtfests“, erklärt er die Zusammenhänge. Die Kolpingjugend verkauft Currywurst und Fritten auf dem Schlossplatz, um mit den Einnahmen den Rosenmontagszug und das Wurfmaterial zu finanzieren.

Keiner könne derzeit voraussagen, wie lange die Pandemie noch anhalten wird und welche Großveranstaltungen danach überhaupt noch machbar sind. „Das ist eine unschöne Situation“, fügt der Zugführer hinzu.

Anders als die Hückeswagener Schulen, die den Rosenmontag auch in diesem Jahr als „beweglichen Feiertag“ unterrichtsfrei gestalten, hat sich der Hückeswagener keinen Urlaub vom Berufsalltag genommen. Dennoch will er sich am Sonntagabend zuvor die Gala-Karnevalssitzung der Kolpingsfamilie per Internet ansehen. Die Live-Teilnahme im Kolpinghaus ist definitiv anstrengender, als auf dem heimischen Sofa: „Da man meistens nachher noch auf ein Bier zusammensitzt, muss man aufpassen, dass man am nächsten Tag noch fit bleibt“, berichtet er lachend von seinen Erfahrungen.

Für den Startschuss des Miniatur-Umzugs braucht er keinen klaren Kopf. Für einen pünktlichen Start sorgt diesmal Max als Erbauer ganz persönlich, der ab jetzt schon den inoffiziellen Titel „Zugführer 2035“ innehat.