Städtepartnerschaft Der Februar In Etaples: "Hückeswagener Platz" wird aufgehübscht

Städtepartnerschaft Der Februar In Etaples: "Hückeswagener Platz" wird aufgehübscht

Einmal im Monat beleuchtet die BM das Geschehen in der Partnerstadt Etaples und der Region. Dieses Mal geht es um den Umbau der "Place d' Huckeswagen", den zentralen Platz am Bahnhof, und die Zukunft des Schienenverkehrs für Etaples.

Etaples Die "Place d' Huckeswagen" betritt jeder, der mit der Bahn in Etaples-sur-Mer ankommt. Dieses bislang wenig ansehnliche Areal der Partnerstadt wird jetzt renoviert: Die nordfranzösische Gemeinde lässt Parkplätze, Bushaltestellen, Taxistände und Fahrradboxen anlegen, alte Leitungen unter dem Pflaster austauschen und ein Touristenbüro installieren - ein modernes Bahnhofzentrum entsteht auf dem Platz, der seit Langem den Namen der bergischen Partnerstadt trägt. Damit macht Etaples einen ähnlichen Schritt wie Hückeswagen: Die Schloss-Stadt hat im vorigen Jahr den zuvor ebenfalls eher unansehnlichen Etapler Platz umgebaut.

Auch einige Hauptstraßen in Richtung Hafen werden in der Partnerstadt zu fußgängerfreundlichen Flaniermeilen umgebaut. Wie in den vergangenen Jahren schon im Gelände an der Canche geschehen, gestalten die Franzosen mit viel Geld - bis Ende der Bauarbeiten 2020 wird die Kommune zwei Millionen Euro ausgegeben haben - eine Innenstadt, die vor allem auch für den Fremdenverkehr attraktiv sein soll.

Die vielen Pendler, die täglich per Bahn von und nach Etaples reisen, müssen derzeit mit zusätzlichen Bauarbeiten rechnen: Nur Busse fahren, denn die Bahnlinie Richtung Osten zum 50 Kilometer entfernten Umsteigebahnhof Saint-Pol wird erneuert. Hier geht es weiter in Richtung Norden nach Béthune, in den Osten nach Arras oder nach Amiens in den Süden. Soweit die guten Aussichten.

Das Pendant zum Etapler Platz in Hückeswagen: die "Place d' Huckeswagen" in Etapler. Der Platz am Bahnhof soll nun erneuert werden. Foto: Bornkessel

Eine ganz andere Perspektive eröffnete Mitte Februar ein Bericht, der unter Federführung des Ex-Chefs der Air-France, Jean-Cyril Spinetta, Zustand und Zukunftsperspektiven der französischen Eisenbahnen beschrieb. Die Bestandsaufnahme listet die notorischen Schwächen der Staatsbahn auf: Seit Jahren ist die SNCF defizitär, aber hochsubventioniert. Ihr schlechter Service wird beklagt, und die Züge sind noch unpünktlicher als die der Deutschen Bahn.

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Als ersten Ausweg aus der Misere kommt der Spinetta-Rapport auf Naheliegendes, und das bedeutet kostenbewusstes Management. Im Klartext bedeutet das: Dort, wo auf Regionalstrecken nur zwei Prozent aller Reisenden unterwegs sind, aber ein künftiger Unterhalt in Milliardenhöhe anfällt, sollte man die Zugverbindungen eher schließen. Als Xavier Bertrand, Präsident der Region Hauts-de-France, die Empfehlungen der Gutachter las, platzte dem streitbaren Chef an der Côte d'Opale der Kragen: "Die Ökonomen haben die Praktiker verdrängt", ließ er verlauten. Die Zeit sei reif, dass die SNCF endlich Konkurrenz bekäme.

Bertrand meint einen Beschluss der EU-Staaten vom Dezember 2016 und erwartet, dass der zügig umgesetzt wird. Danach soll der Personennahverkehr liberalisiert werden: Ab Anfang 2019 kann Frankreich dieses Eisenbahnnetz bereits für konkurrierende Anbieter öffnen, ab 2023 ist das überall in der EU obligatorisch. Der Schienennahverkehr für die in Zukunft noch steigende Anzahl von Pendlern in dieser ländlichen Region wäre gesichert. Wie sonst auch will man die knapp 80 Millionen Euro rechtfertigen, mit denen die kurzen Zubringerstrecken von Etaples in Richtung Saint-Pol jetzt saniert werden?

Paris wird den EU-Beschluss zur Liberalisierung schwerlich ohne die traditionell finanziell gut ausgestatteten cheminots und ihre Gewerkschaften nicht umsetzen können: Die Eisenbahner antworteten bereits Ende Februar mit Streiks auf den Spinetta-Rapport. Man wird, so hoffen all jene in Etaples, die täglich einen weiter entfernten Arbeitsplatz aufsuchen müssen, die Schienenwege im Nahverkehrsbereich bald der Konkurrenz öffnen. Das Prestigeobjekt der Staatsbahn, ihr Netz für den metropolenverbindenden Hochgeschwindigkeitszug TGV, könnte nach Wunsch der SNCF unabhängig davon weiter ausbaut werden.

Den Pendlern in Hückeswagens Partnerstadt bliebe das erspart, was die Bundesbahn Ende der 80er Jahre mit der Einstellung des Eisenbahnverkehrs in Hückeswagen vollzog: Ihre Nutzer wurden auf Straßen mit schlechten Busverbindungen und zunehmenden Staus verbannt. Immerhin bekamen sie zum Trost dafür etwa ein Vierteljahrhundert später die leeren Bahntrassen als Raum für Freizeitvergnügungen.

(RP)