Hückeswagener Pauluskirche komplett eingerüstet

Sanierung in der Altstadt: Pauluskirche bekommt ein neues Dach

Pünktlich zum Altstadtfest im September soll das Gerüst an der evangelischen Pauluskirche wieder verschwunden sein. Seit Anfang Juni bekommt das neben dem Schloss zweite Wahrzeichen der Altstadt ein neues Dach.

Der Ausblick in luftiger Höhe ist grandios. Die Dachdecker der Firma Sönchen aus Meinerzhagen haben an sonnigen Tagen einen beneidenswerten Arbeitsplatz. Seit Anfang Juni erneuern sie das Dach der Pauluskirche an der Marktstraße. Friedhelm Selbach ist Baukirchmeister der Evangelischen Kirchengemeinde und für diese Aufgabe bestens geeignet. Schließlich ist er gelernter Architekt, Diplom-Ingenieur und mittlerweile in Rente. Damit hat er Zeit und kümmert sich um einen reibungslosen Ablauf auf der Baustelle, die weithin sichtbar ist. Denn die komplette Kirche ist eingerüstet.

Bevor die eigentlichen Arbeiten auf dem Dach beginnen konnten, mussten die Fachleute zunächst den Spitzboden abdichten und eine Dachdichtungsbahn einbauen. „Die schützt unsere Orgel und den Kircheninnenraum vor Nässe“, erklärt Selbach. Anschließend wurde das obere Mansardendach sukzessive abgeräumt und neu verschiefert. In luftiger Höhe keine leichte Aufgabe für Tillmann Sönchen und seine Kollegen. Mit einer praktischen Pistole schießt er die neuen feuerverzinkten Nägel in den bergischen Schiefer. Das geht schnell und ist wirkungsvoll. „Bei der Turmsanierung wurden bereits viele verrostete und lose Schiefernägel im Anschlussbereich des Daches über dem Kirchenschiff entdeckt“, sagt Selbach. Deshalb war es auch dringend nötig, noch in diesem Jahr die komplette Dachhaut des Mansarddaches mit einer neuen Schieferdeckung zu versehen.

Praktisch: Mit einer Art Pistole befestigt
Praktisch: Mit einer Art Pistole befestigt Dachdecker Tillmann Sönchen die Schieferplatten für das neue Dach der Pauluskirche. Foto: Joachim Rüttgen

Ein Beschluss des Presbyteriums wurde im Vorfeld gefasst. Ergebnis: Es wird die „Englische Schieferdeckung“ verwandt, die so seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland üblich war. „Da das Dach der Pauluskirche die historische Stadtkrone mit Schloss und Schlosskirche bestimmt, soll die Neueindeckung dem jetzigen Erscheinungsbild entsprechen“, berichtet Selbach.

Gearbeitet wird auf dem Dach der Pauluskirche auf einer Fläche von 1000 Quadratmetern bei einer Traufhöhe von 10,70 Meter. Als Dachtraufe wird die Tropfkante am Dach eines Gebäudes bezeichnet. Hier fließt während eines Regens das gesammelte Wasser der Dachfläche ab, an der Traufe befindet sich daher meist eine Dachrinne. Selbach ist sehr wichtig, dass die 15 Dachgaubenfenster der Pauluskirche, die von unten kaum jemand erahnt, erhalten bleiben. Sie sind in einem erstaunlich guten Zustand. Auch Fensterrahmen und Flügelhölzer sind noch „gut in Schuss“. Nur die Leisten im Übergang zu den seitlichen Gaubenverschalungen sind witterungsbedingt angegriffen und werden ausgetauscht. An einigen anderen Stellen müssen ebenfalls Holz ausgetauscht und Reparaturen am Glas vorgenommen werden. Alle Anschlüsse zum Kirchturm sind undicht gewesen, außerdem die Nägel komplett verrostet.

Baukirchmeister Friedhelm Selbach in luftiger Höhe.
Baukirchmeister Friedhelm Selbach in luftiger Höhe. Foto: Joachim Rüttgen
  • Hückeswagen : Pauluskirche bekommt ein neues Dach

Mittlerweile sind mehr als 90 Prozent der Dachfläche wieder neu eingedeckt. Die Pauluskirche erhält einen neuen Blitzschutz, der im Zuge der Schieferarbeiten mit eingebaut wird. Auch Malerarbeiten laufen seit einiger Zeit. Neben Grundierungen an den Fenstern wurden die unteren Traufhölzer vorgestrichen.

„Wir hoffen jetzt, dass wir 70 bis 80 Jahre Ruhe haben“, sagt der Kirchbaumeister. Ende August/Anfang September sollen die Bauarbeiten beendet sein. Pünktlich zum Altstadtfest am 8. und 9. September soll das Gerüst verschwunden sein. „Ich bin da sehr zuversichtlich, weil hier wirklich alles super geklappt hat“, sagt Selbach.

Anderer Blickwinkel: Gerüst, Kirche, Dach.
Anderer Blickwinkel: Gerüst, Kirche, Dach. Foto: Joachim Rüttgen

Der Baukirchmeister hat derweil bereits die nächste dringend notwendige Maßnahme in der Pauluskirche in den Blick genommen hat: Denn neben einer aufwendigen Orgelsanierung inklusive Reinigung müssen auch die Kanzel und der Altar der Kirche genauer unter die Lupe genommen werden. „Hier muss zunächst eine Bestandsaufnahme und dann eine Kostenermittlung stattfinden. Was wir aber erst tun werden, wenn wir einen neuen Kantor gefunden haben, mit dem die Maßnahmen dann intensiv besprochen werden sollen“, sagt Selbach. Diese Maßnahmen seien damit dann auch erst für den nächsten Haushalt relevant.

Aber wie wichtig sie sind, zeigt ein Blick unter die Kanzel: Deutlich zu erkennen sind mehrere Risse, die in Absprache mit der Unteren Denkmalbehörde und einem Restaurator in Augenschein genommen werden. „Da müssen wir sehen, was getan werden darf und welche Farben wir verwenden können“, sagt Selbach. Die Verzierungen seien Unikate und deshalb höchst empfindlich.