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Hückeswagener Orts- und Straßennamen – Kurzfeld

Hückeswagener Orts- und Straßennamen – Kurzfeld : Die doppelte Hausnummer der Streppels

Das Ehepaar Ursula und Friedrich Streppel lebt in einem von nur fünf Häusern in der Hofschaft Kurzfeld zwischen Scheideweg und Dreibäumen. Bis vor zwei Jahren hatte es noch Milchvieh.

Die vielbefahrene Landstraße 101 zwischen Scheideweg und Dreibäumen, die im Sommer besonders bei Motorradfahrern beliebt ist, täuscht ein wenig darüber hinweg, dass sich links und rechts davon kleine Hofschaften in idyllischer Lage befinden. Kurzfeld ist einer dieser Orte, in denen aktuell 16 Menschen leben. Eine kleine Straße führt ins Tal hinab, in dem eine der beiden Quellen des Strucksfelder Bachs entspringt, der ein Zufluss der Kleinen Dhünn ist.

Friedrich Streppel und seine Frau Ursula leben seit 1964 im urgroßelterlichen Haus, das die Hausnummern 1 oder 163 trägt – beide Nummern sind an der Haustür angebracht. „Früher gehörten wir noch zu Scheideweg und hatten damals die Nummer 163. Jetzt sind wir Kurzfeld 1“, berichtet der 79-Jährige. Als Zwölfjähriger war er nach dem Zweiten Weltkrieg mit den Eltern auf den Hof des Großvaters gekommen. „Mein Vater ist 1948 aus polnischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt. Wir haben dann zuerst in Winterhagen gewohnt“, erinnert sich Streppel. Einige Jahre später wurde der Großvater krank, weswegen er seine Landwirtschaft nicht mehr weiter betreiben konnte „1952 sind wir dann hier eingezogen. Mein Vater hat die Landwirtschaft übernommen – wir hatten Milchvieh, wie die meisten Bauern in der Region“, blickt der Hückeswagener zurück. Als damals Zwölfjähriger hatte er schon die Natur im Kurzfelder Tal lieben gelernt, und er sollte bis heute dort wohnen bleiben.

Friedrich Streppel im Alter von zwölf Jahren an der Quelle des Stucksfelder Bachs, der in die Kleine Dünn mündet. Foto: Privat

Weitere zwölf Jahre später heiratete der damals 24-Jährige die ein Jahr jüngere Ursula. „Ich bin dann mit auf den Hof gezogen. Damals waren wir zu acht – zwei Tanten, meine Schwiegereltern, die Großeltern, mein Mann und ich“, sagt die 78-Jährige. Friedrich Streppel habe sich damals eine andere Arbeit suchen müssen, da mit den wenigen Tieren nicht mehr genug für die große Familie erwirtschaftet werden konnte. „Ich habe bis zur Rente bei einer Firma für Industriebedarf in Wermelskirchen gearbeitet“, sagt er. Die Firma sei mehrfach umgezogen – zuletzt habe er immer nach Solingen fahren müssen. „Das war insbesondere ein wenig kompliziert, wenn eine Kuh kalbte. Aber Tiere hat es bei uns immer gegeben – bis vor zwei Jahren“, sagt Streppel. Das sei für den Tierliebhaber ein einschneidendes Erlebnis gewesen, bedauert der 79-Jährige. „Das tut mir bis heute weh, als wir die letzten Kühe weggegeben haben. Jetzt gibt es noch unseren Dackel Maja und ein paar Hühner.“

Das Federvieh läuft auf der großen Wiese im Tal frei herum, wo der Panormawanderweg vorbeiführt. An und für sich eine schöne Sache. „Aber die Mountainbiker sind schon immer sehr flott unterwegs, und oft erschrecken sich unsere Hühner vor den Hunden der Wanderer“, sagt Ursula Streppel. „Es ist aber eine sehr schöne Gegend. Vor allem mit dem kleinen Bach, der hier entspringt“, ergänzt ihr Mann. Die Motorradfahrer an der L 101 seien zwar nicht immer sehr laut zu hören, es sei aber insgesamt schon lauter geworden. „Vor allem an schönen Samstagen und Sonntagen“, berichtet die 78-Jährige.

Auch wenn es nur wenige Anwohner gibt – zu Hoch-Zeiten um 1832 wohnte mit 32 Einwohnern das Doppelte in Kurzfeld –, ist die Gemeinschaft in der Ortschaft zwischen Scheideweg und Dreibäumen doch gut. „Wenn früher eine Kuh kalbte, egal wie spät es war, haben wir einfach ein paar Steinchen an die Fensterscheiben der Nachbarn geworfen. Die sind dann rausgekommen und haben geholfen“, berichtet Friedrich Streppel. Und seine Frau betont: Man hänge zwar nicht aufeinander, könne sich aber auf die Nachbarn verlassen „Und große Feste – goldene Hochzeiten oder runde Geburtstage – werden auch zusammen gefeiert.“ Ab und zu würden auch Grillfeste veranstaltet, zu denen dann die Nachbarn eingeladen würden.

Er sei mittlerweile der älteste Mann in Kurzfeld, nur eine Nachbarin sei noch ein paar Jahre älter, sagt Friedrich Streppel. „Voriges Jahr hatten wir Pech, da sind gleich drei Männer gestorben.“ Er genieße das Leben in „seinem“ Kurzfeld, seine Lieblingsstelle sei auf der Bank vor dem Haus. „Manchmal, wenn es uns vorne zu laut ist, gehen wir auch hinter die Scheune. Da ist noch eine andere Bank. Und da ist es ruhiger“, sagt Friedrich Streppel. Und dabei wirkt der Hückeswagener ganz und gar zufrieden.