Hückeswagener Orts- und Straßennamen: Fachwerk-Romantik in Knefelsberg

Hückeswagener Orts- und Straßennamen : Fachwerk-Romantik in Knefelsberg

Mundharmonika-Abende und Sommersonnenwende-Feste – in der kleinen Ortschaft Knefelsberg ist die Welt noch in Ordnung. Die fünf dort lebenden Familien genießen die Idylle der ländlich gelegenen Ortschaft mit Charme.

Ein wenig lässt sich die Nostalgie der früheren Jahre noch spüren, wenn in Knefelsberg das etwa 200 Jahre alte Fachwerkhaus mit den freigelegten Balken und niedrigen Türrahmen betreten wird. Das Haus hatten Regina und Josef Kirch, die Großeltern von Christel Weschenbach, Ende des 19. Jahrhunderts in Wermelskirchen abgebaut und in der Hofschaft Knefelsberg wiederaufgebaut. Deutlich sind noch die Markierungen an den Holzbalken zu erkennen, die den Zusammenbau erleichtern sollten.

Heute wohnen in der kleinen Ortschaft zwischen Sohl, Hambüchen und Kobeshofen fünf Familien und drei Generationen in vier Häusern. Darunter Christel und Klaus Weschenbach und Elisabeth Bückner, die mit ihrem Ehemann und fünf von später insgesamt sieben Kindern Anfang der 1960er Jahre in die Ortschaft zog. Telefon und Wasseranschluss gab es zu der Zeit noch nicht. „Wir mussten das Wasser mit Eimern aus dem Brunnen im Keller des Nachbarn holen“, erinnert sich Elisabeth Bückner. „Die Kinder kamen dann in eine Zinkwanne und wurden geschruppt“, fügt die 88-Jährige hinzu. Die beiden Brunnen in Knefelsberg existieren noch heute. „Auch wenn alles ausgetrocknet ist, hat der Brunnen immer Wasser“, berichtet Christel Weschenbach.

Drei Anwohner der Hofschaft Knefelsberg: Klaus und Christel Weschebach sowie Nachbarin Elisabeth Bückner. Foto: Heike Karsten

Ihr Vater – einer von 13 Nachkommen – hatte den Bauernhof der Eltern weitergeführt mit einem Pferd und mehreren Kühen. In der Hofschaft gab es auch Kaninchen, Hühner, Gänse und Enten zur Selbstversorgung. „Eine Kuh hat unsere Kleider gefressen, die meine Mutter auf die Bleiche gelegt hatte“, erinnert sich die 76-Jährige und lacht. Es waren nicht die ersten Kleider, die in Knefelsberg verlorengingen. „Anfang des Kriegs hatten meine Großeltern die Spitzenkleider in Milchkannen gesteckt und vergraben. Wir haben sie nie wiedergefunden“, erzählt Christel Weschenbach.

Gut erinnern können sich die Anwohner auch noch an die alten Plumpsklos. Als sich Besuch ankündigte, wollte Elisabeth Bückner das stille Örtchen verschönern und strich den Donnerbalken mit roter Farbe an. „Es war Januar und die Farbe trocknete nicht“, erzählt sie mit einem Grinsen. Pech für die Besucher: Sie waren nach dem Besuch des stillen Örtchens farbig markiert.

Bernhard Kirch, der Vater von Christel Weschbach, mit seinem Pferd in Knefelsberg. Foto: Heike Karsten

Öffentliche Verkehrsmittel fahren bis heute nicht durch die kleine Hofschaft. „Wir sind zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule gekommen. Im Winter sind wir auf dem Ledertornister den Berg hinuntergerutscht“, fügt Elisabeth Bückners Tochter, Elke Klasen hinzu, die ebenfalls dort aufgewachsen ist und noch heute mit ihrem Ehemann in Knefelsberg wohnt. Sohn Christian hat sich im giebelgeteilten Schieferhaus ein modernes Domizil eingerichtet. „Früher gab es viele giebelgeteilte Häuser, um Steuern zu sparen, da sie nach der Grundfläche des Hauses berechnet wurden“, erläutert Klaus Weschenbach.

Erst 1967 wurde aus dem ehemaligen Schotterweg, der zur Hofschaft führt, eine asphaltierte Straße. Damit folgten auch Wasser-, Strom- und Telefonanschlüsse. Der technische Fortschritt macht bis heute nicht Halt vor der idyllisch gelegenen Ortschaft: Die Glasfaserkabel für eine schnelle Internetverbindung liegen schon bereit.

Die Nachbarschaft bezeichnen die Anwohner von Knefelsberg als sehr harmonisch. „Es muss auch passen, wenn man so nah zusammenwohnt“, betont das Ehepaar Weschenbach. Gerne wird auch gemeinsam gefeiert, wie runde Geburtstage oder die Sommersonnenwende. Im Sommer trifft man sich außerdem zu gemütlichen Mundharmonika-Abenden. Elisabeth Bückner ist eine der begabten Instrumentalisten alter Volkslieder.

Durchgangsverkehr herrscht in Knefelsberg nicht. Nur wenn es Bauarbeiten oder einen Unfall in der Umgebung gibt, werde die Straße schonmal als Schleichweg benutzt. Aufregung herrschte jedoch einmal in den 1970er Jahren, als die Polizei mit Hubschrauber einen entflohenen Schwerverbrecher suchte. Er hatte sich in einem nahegelegenen Brunnenhäuschen versteckt, konnte aber gefasst werden. Ansonsten genießen die Anwohner die Idylle umgeben von Wiesen und Wälder, mit grasenden Rehen und Vogelgezwitscher. Und da die nächste Generation sich bereits häuslich eingerichtet hat, werde Knefelsberg auch in Zukunft nicht aussterben, sind die Anwohner überzeugt.

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