Hückeswagener Kinderdorf wächst auch in diesem Jahr

Ferienaktion in Hückeswagen : Kinderdorf stößt an seine Grenzen

In eineinhalb Wochen startet das Kinderdorf 2019, das sechste seiner Art. 190 Jungen und Mädchen im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren werden sich daran beteiligen. 28 Werkstätten werden vom 22. Juli bis 2. August angeboten.

60 Jungen und Mädchen waren 2014 bei der Premiere des Hückeswagener Kinderdorfs dabei, das für eine Woche in den Herbstferien veranstaltet worden war. Die Anfänge waren bescheiden. Im Jahr darauf wurden daraus erstmalig zwei Wochen in den Sommerferien, und die Zahl der Teilnehmer stieg auf 100. Damals betonte Stadtjugendpflegerin Andrea Poranzke, die das Kinderdorf seit den Anfängen organisiert, dass die Kapazitätsgrenze erreicht sei. Sie sollte sich irren, stieg doch die Zahl der Sechs- bis Zwölfjährigen auf 190 im vorigen Jahr. Jetzt scheint die Obergrenze erreicht zu sein, denn auch für das kommende Kinderdorf wurden ebenso viele Anmeldungen entgegengenommen. Das Interesse jedoch ist weitaus größer: „Wie in den Vorjahren ist die Nachfrage nach Plätzen stetig gestiegen und es konnten leider nicht alle Anfragen berücksichtigt werden“, berichtet Andrea Poranzke. Irgendwann seien die Kapazitäten dann doch erschöpft.

Besonderen Wert wird auch in diesem Jahr auf ein inklusives und integratives Kinderdorf gelegt. „So sind wieder 30 Kinder dabei, die aus Flüchtlingsfamilien stammen, sowie sechs Kinder mit Handicap“, zählt die Stadtjugendpflegerin auf. Wichtig sei der Stadtverwaltung auch, dass gerade Kinder aus finanziell schlecht gestellten Familien am Kinderdorf teilnehmen können. „Es werden wieder viele Kinder dabei sein, bei denen der Elternbeitrag über Patenschaften übernommen wurden“, sagt die Cheforganisatorin, die die zweiwöchige Ferienaktion zusammen mit ihrem Team vom Jugendzentrum plant. Unter den Sponsoren sind neben vielen Privatpersonen auch Hückeswagener Firmen, Vereine und Parteien.

Das Herzstück des Kinderdorfs sind die vielen Werkstätten, in denen die „Einwohner“ jeden Tag arbeiten „und tolle Erlebnisse haben werden“. Das Angebot ist groß – von der Grundversorgung mit Einwohnermeldeamt, Post und Sparkasse über Reisebüro, Foto- und Videowerkstatt und Schreinerei bis zu ausgefallenen Angeboten wie Tanztheater, Robotikwerkstatt und Bogenschießen. Neu sind in diesem Jahr die Werkstatt des Bergischen Abfallwirtschaftsverbands (BAV), die Kerzenwerkstatt, die Flötenwerkstatt und das Bauamt. Dort werden die kleinen Hückeswagener ins Integrierte Stadtenwicklungskonzept (ISEK) mit einbezogen und sollen einmal ihre Wünsche und Ideen für ein modernes, zukunftsgerichtetes Hückeswagen vorstellen. Andrea Poranzke: „Insgesamt können die Kinder in 28 verschiedenen Werkstätten Fähigkeiten erlernen und vieles ausprobieren.“

Ein wichtiger Bestandteil des Kinderdorf sind die vielen Betreuer, ohne die die Ferienaktion nicht möglich wäre. Vom 22. Juli bis 2. August sind mehr als 90 Helfer im Einsatz, darunter Mitarbeiter vom Jugendzentrum und der Stadtverwaltung. Daneben betreuen die Bergische Bogenbutze das Bogenschießen und die Auszubildenden der Sparkasse die Bank. „Auch in diesem Jahr schickt die Radevormwalder Firma Gira mehrere Auszubildende in das Kinderdorf, die im Rahmen eines sozialen Ausbildungsprojektes mit anpacken“, berichtet die Stadtjugenpflegerin.

Neben der tatkräftigen Hilfe benötigt das Kinderdorf aber auch finanzielle Unterstützung. Denn das Budget von etwa 64.000 Euro muss durch Spenden und Sponsoren gedeckt werden – was zu einem Großteil auch wieder erreicht wurde. „Hier stelle ich fest, dass das Kinderdorf immer mehr an Ansehen in der Bevölkerung gewinnt.“, zeigt sich Andrea Poranzke hocherfreut. Nachdem man sich in den ersten Jahren wohl noch nicht so recht hatte vorstellen können, was so ein „Kinderdorf“ sei, „hat uns der Erfolg Recht gegeben“. Auch viele Privatpersonen und kleinere Vereine spenden mittlerweile für das Kinderdorf und helfen so mit, „dieses einzigartige Projekt zu ermöglichen“. Unter den Unterstützern sind zum Beispiel die Bonner Dr.-Hans-Riegel-Stiftung (Haribo) und der Landschaftsverband Rheinland (LVR).

Bürgermeister Dietmar Persian verweist darauf, dass zurzeit noch etwa 2500 Euro fehlen, um das ganze Budget abzudecken. „Insofern sind weitere Spenden jederzeit willkommen“, sagt er. Aber auch Material für das Kinderdorf wird immer gebraucht.

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