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Hückeswagener "Helden in der Coronakrise": Lehrerin Katharina Wnuk

Hückeswagener Helden der Coronakrise : „Wir haben es gut in dieser Zeit“

Auch Lehrer sind derzeit „Helden der Corona-Krise“. Wie die Hückeswagenerin Katharina Wnuk.

Frau Wnuk, die Schulen haben geschlossen. Bedeutet das für Sie jetzt mehrere Wochen Urlaub?

Katharina Wnuk Wenn alle sagen, „Du hast Ferien“, muss ich, ganz lehrer-like, sagen: Nein, habe ich nicht. Und ehrlich: Diese Entscheidung ist keine, die das Lehrersein erleichtert – und genau deshalb ist sie goldrichtig. Denn sämtliche Arbeitszeiten sind nivelliert, weil jeder Schüler sein eigenes Lerntempo und seinen eigenen Biorhythmus berücksichtigt. Das ist auch legitim. Es ändert sich auch für uns Lehrer einiges, mal abgesehen davon, dass unsere Ferienpläne nicht umsetzbar sind und die Arbeit auch danach noch in doppelter Form auf uns wartet.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag derzeit aus?

Wnuk Ich sitze aktuell mit Unterbrechungen überwiegend am Schreibtisch – wie viele der Schüler auch. Allein heute hatte ich 83 Mails in meinem E-Mail-Postfach. . .Man könnte meinen, ich hätte geheime Klopapiervorräte oder wäre in neue Beschlüsse eingeweiht (lacht). Tatsächlich bin ich nur ein normalsterblicher Lehrer, der versucht, den Bildungsauftrag nach wie vor ernst zu nehmen. Alleine schon deshalb, damit Schüler nicht aus Langeweile in Gruppen in Parks abhängen oder sich ungebraucht fühlen.

Funktioniert das Unterrichten vom heimischen Schreibtisch aus denn überhaupt?

Wnuk Nicht nur für uns Lehrer ist diese Zeit eine Fortbildung in Sachen „Digitalisierung“. Wir üben noch und geben unser Bestes. Das geht auch an die Eltern, die gerade bemängeln, dass ihre Kinder sie nerven.

Welche Schüler oder Personen trifft die aktuelle Situation am meisten?

Wnuk Da denke ich besonders an die Abiturienten, die nicht in den Genuss einer Mottowoche (Corona hat doch was Gutes), von letzten Stunden und einem würdigen Abgang gekommen sind. Die Welt hat sich verändert. Ich ziehe aktuell den Hut vor allen Supermarktverkäufern, Ärzten, Sozialarbeitern, Pflegern, Arbeitenden, Apothekern, Selbstständigen – und verneige mich vor Tourismus und Gastronomie: Ihr seid alle Helden!

Sind Sie froh über die digitalen Möglichkeiten der Kommunikation?

Wnuk Das ist es, was ich eigentlich sagen will: Wisst Ihr eigentlich, wie gut wir es auch in dieser Zeit haben? Vor 30 Jahren noch hätte der heutige Zustand bedeutet, dass man absolut abgeschnitten von der Außenwelt gewesen wäre. Allenfalls Briefe wären ein Weg gewesen, mit anderen zu kommunizieren. Wir haben Facebook, Instagram, Netflix, Mediatheken und Facetime – lasst uns das nutzen, um wirklich die Einsamkeit zu diffamieren und um dankbar zu sagen: Ich lebe in wirklich guten Zeiten!