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Hückeswagener Helden in der Corona-Krise: Müllwagenfahrer Viktor Golbeck

Hückeswagener Helden in der Corona-Krise : Etwas Normalität im Ausnahmezustand

Nicht alle können in der Corona-Krise im Homeoffice arbeiten. Müllwagenfahrer Viktor Golbeck kümmert sich um die Abfallentsorgung.

Die Schließung des Hückeswagener Wertstoffhofs, An der Schlossfabrik, hat gezeigt, wie wichtig die Abfallentsorgung besonders in Krisenzeiten ist. Bei der Wiedereröffnung in der vorigen Woche bildeten sich lange Autoschlangen vor dem Eingangstor (die BM berichtete). Die Menschen haben jetzt mehr Zeit, kümmern sich um den erblühenden Garten, sortieren ihren Haushalt aus und produzieren im Allgemeinen mehr Müll. Um die regelmäßige Leerung der hauseigenen Mülltonnen kümmern sich die Mitarbeiter der Firma Revea, darunter auch Viktor Golbeck.

Der 56-Jährige hat 2001 bei Revea begonnen und leert seit 13 Jahren die Mülltonnen der Hückeswagener. Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus hat der Gummersbacher nicht, denn er kommt bei der Arbeit so gut wie gar nicht mit anderen Menschen in Kontakt. Sein Job könnte man sogar als recht einsam bezeichnen, denn durch die Sicherheitsmaßnahmen und das Kontaktverbot sieht er seine Kollegen nicht mal im Umkleideraum der Leppe-Deponie in Lindlar. „Am Anfang durften wir den Umkleideraum gar nicht nutzen, jetzt nur im Wechsel“, berichtet der Seitenladerfahrer.

Sein Dienst beginnt um 5.30 Uhr am Morgen und endet nach acht bis neun Stunden. „Ich habe Feierabend, wenn ich fertig bin“, sagt Golbeck. Sollten Touren durch Feiertage oder erkrankte Kollegen ausfallen, wird es auch schon einmal später. „Länger als zehn Stunden am Tag dürfen wir aber nicht fahren“, betont der 56-Jährige. An drei Tagen pro Woche holt er im Wechsel entweder Papier- oder Restmüll ab, die restlichen zwei Tage ist der Biomüll an der Reihe.

Der Revea-Mitarbeiter fährt immer den selben Wagen. „Zu zweit sind nur die Heckladerfahrer unterwegs, die den Sperrmüll abholen. Das geht alleine nicht.“ In der Schloss-Stadt kennt er sich mittlerweile bestens aus: Er weiß genau, an welchen Stellen es für das große Entsorgungsfahrzeug besonders eng und brenzlig wird. Ist der Wagen voll, was etwa zweimal am Tag der Fall ist, wird auf der Deponie abgekippt. Vom Bergischen Abfallwirtschaftsverband (BAV) wurden alle Fahrer mit Mundschutzmasken ausgestattet. Die Kommunikation untereinander erfolgt ausschließlich per Telefon. „Die anderen Fahrer sieht man nur in ihren Fahrzeugen beim Abkippen auf der Leppe-Deponie“, fügt Golbeck hinzu.

Für die Entsorgungsfirmen ist es wichtig, dass ihre Mitarbeiter gesund bleiben und sich nicht gegenseitig anstecken, ansonsten würde das Entsorgungssystem schnell zusammenbrechen. Viktor Golbeck hält sich daher auch privat an das Kontaktverbot: Seine vier Enkelkinderetwa sieht er nur noch per Whatsapp. „Letztens war ich den ganzen Tag alleine angeln“, berichtet er von seinem Hobby. Die fehlenden Kontakte, auch während der Arbeit, sind für ihn nicht ungewohnt: „Die Arbeit hat sich für uns durch die Corona-Krise eigentlich nicht verändert“, sagt Golbeck. Dennoch sorgt er mit seinem Arbeitseinsatz für Normalität im Ausnahmezustand. Seine Kollegen und er werden jetzt dringender gebraucht, als je zuvor.