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Hückeswagener Helden in der Corona-Krise: Kassiererin Leoni Faubel

Helden in der Corona-Krisa : Viele Fragen und dünne Nerven der Kunden

Leoni Faubel vom Edeka-Markt in Wiehagen steht stellvertretend für alle Kassiererinnen.

Sie gehören zu einer Berufsgruppe, die vor allem jetzt Schwerstarbeit leistet: die Kassiererinnen. Von potenziell mit dem Coronavirus infizierten Menschen trennt sie gerade einmal der Verkaufstresen, das Laufband und bestenfalls eine Acrylglasscheibe. Auch das Arbeitsvolumen ist sehr viel höher, gar nicht zu reden von der nervlichen Belastung, der sie ausgesetzt sind. Leoni Faubel ist eine von ihnen: Die 22-Jährige ist im dritten Ausbildungsjahr zur Einzelhandelskauffrau im Wiehagener Edeka-Markt.

„Ich habe schon als Schülerin hier gearbeitet. Und nach dem Schulabschluss wusste ich nicht so recht, was ich machen soll“, erzählt die Hückeswagenerin, die derzeit in Gummersbach lebt. Aus der einstigen Notlösung ist mittlerweile ein Beruf geworden, in dem die junge Frau gänzlich aufgeht. „Hier im Markt ist es natürlich eine besonders familiäre Atmosphäre, weil er nicht so groß ist. Aber auch die Arbeit macht mir große Freude“, versichert Leoni Faubel.

In der Zeit des Coronavirus jedoch ist auch im Traumberuf nicht immer eitel Sonnenschein. „Als es losging, haben wir es vor allem daran gemerkt, dass wesentlich mehr eingekauft wurde“, erzählt die 22-Jährige. Das habe natürlich zum einen für höheren Umsatz gesorgt, sei aber auch sehr viel stressiger gewesen. „Durch die Auflage des Ordnungsamts, jetzt nicht mehr als 20 Kunden gleichzeitig in den Laden zu lassen, hat sich das wieder etwas entspannt.“ Allerdings merke sie schon, dass die Nerven bei den Kunden mitunter etwas dünner geworden seien. „Es wird sehr viel mehr nachgefragt – nach Mehl, Hefe und natürlich Toilettenpapier“, sagt die 22-Jährige. Das sei an sich nicht schlimm, aber dass manche Kunden dann ihr gegenüber sehr herablassend aufträten, sei nicht so schön.

Aber es gebe auch schöne Momente, versichert Leoni Faubel. „Viele Kunden sind sehr rücksichtsvoll, entschuldigen sich, wenn sie eine Frage stellen. Es wird uns auch sehr oft für unsere Arbeit gedankt.“ So habe eine Kundin etwa ein Blech Kuchen vom benachbarten Bäcker für die Mitarbeiter im Edeka-Markt vorbeigebracht. „Viele bringen uns auch Süßigkeiten mit“, sagt Leonie Faubel. Man merke die Unterschiede bei den Menschen. „Die sind zwar sonst auch vorhanden – aber ich glaube, jetzt fallen sie einem einfach sehr viel stärker auf.“

An der Kasse habe sie eigentlich keine Angst vor Ansteckung. „Ich mache mir bisweilen eher Sorgen um die vielen älteren Kunden, die zu uns kommen“, sagt die junge Frau. Besonders wichtig sei ihr im Moment, den Abstand zur Arbeit in der Freizeit vernünftig hinzubekommen. „Das ist nicht ganz einfach. Ich habe mich mit einer Kollegin darüber unterhalten, dass die Arbeit gerade dauernd im Kopf ist. Im Laden powert man acht Stunden durch, und danach fällt es schwer, den Kopf freizubekommen und abzuschalten“, sagt Leonie Faubel. Ihr Trick sei es, längere Spaziergänge zu machen oder einfach einen Film anzusehen. „Dann klappt das mit der Ablenkung auch, und das ist wirklich wichtig“, betont die 22-Jährige.