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Hückeswagener Heimatforscher aus Leidenschaft Siegfried Berg wird 80

Siegfried Berg aus Hückeswagen : Heimatforscher aus Leidenschaft wird 80

Am 7. August feiert Siegfried Berg seinen 80. Geburtstag. Einen Großteil seines Lebens hat sich der Heimatforscher mit der Hückeswagener Stadtgeschichte befasst. Auch hat er bereits mehrere Bücher und Publikationen veröffentlicht.

Nur noch wenige Hückeswagener besitzen so viel Wissen über die Geschichte der Schloss-Stadt wie Siegfried Berg. Der gelernte Diplom-Ingenieur der Textilveredelung hat sich neben seinem Beruf viele Jahre mit der Stadtgeschichte beschäftigt. Durch seine Nachforschungen sind unzählige Artikel des Hückeswageners in den Mitteilungsblättern „Leiw Heukeshoven“ des Bergischen Geschichtsvereins (BGV) erschienen. Als Autor hat er zudem zwei Bücher veröffentlicht: „Heimischer Bergbau in und um Hückeswagen“ (2008) und „Hückeswagen hat Geschichte (2016).

Den bevorstehenden 80. Geburtstag nimmt der Heimatforscher zum Anlass, etwas kürzerzutreten. Die Idee zu einem weiteren Buch hat der Historiker ad acta gelegt, obwohl es noch ausreichend Themen und Ausarbeitungen gäbe. Seine Forschungsergebnisse und Artikel möchte er stattdessen dem Bergischen Geschichtsverein (BGV) zur Verfügung stellen. Die vielen Stunden der Recherche im Stadtarchiv und vor Ort werden nun vermehrt durch das Lesen von Wissenschaftsheften und Lösen von Rätseln auf der heimischen Terrasse ersetzt. „Ich gönne mir jetzt mehr Ruhe und möchte den Rest des Lebens etwas gemütlicher angehen“, sagt der Noch-79-Jährige, der seit 2008 Witwer ist. Die Liebe zur Heimat ist deutlich sichtbar: Vor seinem Haus auf dem Gardelenberg hängt ein Ortsschild von Hückeswagen, im Haus gibt es eine nachgebaute Tropfsteinhöhle aus glitzernden Mineral- und Edelsteinen.

Viel Aufhebens um seine Person hat Berg nie gemacht. Dabei hatte er etliche ehrenamtliche Posten bekleidet und sich unter anderem für die Denkmalpflege eingesetzt. Von 1971 bis 1997 übernahm er die ehrenamtliche Leitung des Heimatmuseums und sorgte dafür, dass durch bedeutende Ausstellungen, Tage der offenen Tür und der neu geschaffenen Bergischen Mineralienbörse jedes Jahr viel Publikum nach Hückeswagen kam. 1965 trat er dem BGV bei, wo er ab 2009 als Interimslösung für drei Jahre den Vorstand übernahm.

Zu Anfang war Berg als Bodendenkmalpfleger für das Landesmuseum zuständig. In dieser Funktion veranlasste er die Vermessung der beiden Wallburgen in Oberburghof und Bilstein, die aus dem zehnten Jahrhundert stammen. Zudem nahm er sich den vielen Eisenverhüttungsstellen aus dem 10. bis 14. Jahrhundert an, von deren Existenz heute kaum noch etwas zu sehen ist. In den Fokus gerückt ist das Thema aber wieder durch das geplante Neubaugebiet „Eschelsberg“, das zwischen der Kölner Straße und dem Brunsbachtal entstehen soll. Berg machte die Stadt auf das ehemalige Bergwerk an dieser Stelle aufmerksam, dessen Abraumhalde noch heute sichtbar ist. Für den Heimatforscher wäre eine Begehung des Stollens auch aus geschichtlicher Sicht von großem Interesse. „Ende Mai erfolgte eine Aufgrabung durch einen Bagger – jedoch ohne Anwesenheit eines Mitglieds des Geschichtsvereins“, bedauert er.

Mit Interesse verfolgt der Hückeswagener auch die Erschließung des Gewerbegebiets West 3 bei Kammerforsterhöhe. Hier wird derzeit tonnenweise Erde abgetragen und zum Teil durchsiebt, um den Mutterboden von Unrat zu trennen. Nach historisch wertvollen Funden wird nicht gesucht. „Dadurch könnten aber einige historische Steinzeitfunde verlorengehen“, befürchtet der Heimatforscher.

Der unermüdliche Einsatz dafür, dass die Geschichte der Stadt aufgearbeitet wird und auch für die Nachwelt in Erinnerung bleibt, wurde seitens der Stadt gewürdigt: Am 4. April 2009 erhielt Siegfried Berg, neben weiteren Persönlichkeiten, zum Dank die Silberne Ehrenmedaille. „Das spornte natürlich weiter an“, erinnert sich der Heimatforscher. So wurde durch seine Initiative der gestohlene Bronzeadler des kleinen Kriegerdenkmals an der Bahnhofstraße neu gegossen und wieder aufgesetzt (April 2010). Zur 925-Jahrfeier von Hückeswagen (2010) stellte Siegfried Berg die Festschrift zusammen und organisierte den großen Umzug durch die Stadt. Im September 2011 wurde durch seine Initiative zur Erinnerung an die ehemals bedeutende Eisenbahnstrecke ein Außenbauwerk mit Signalmast, Schiene, Prellbock, Andreaskreuz und Steinstele mit Erklärungsschild an der Alten Ladestraße errichtet und gleichzeitig eine Vitrine mit der Eisenbahn-Geschichte unterhalb des Bürgerbüros im GBS-Gebäude aufgestellt.

Sein Wissen gibt Berg auch heute noch gerne weiter, aktiv aber werden müssen nun andere: „Es wäre wünschenswert, wenn jüngere BGV-Mitglieder mehr Tatkraft und Initiative entwickeln und die Hückeswagener Geschichte weiter erforschen würden“, hofft Berg. „Unsere Stadtgeschichte ist noch lange nicht aufgeklärt.“

Aufgrund der Corona-Situation wird der runde Geburtstag nur im engsten Familienkreis gefeiert. Und auch wenn Tatkraft, Ausdauer und Initiative altersbedingt nachlassen, so dürfte Siegfried Berg das Interesse an der Geschichte und dem Werdegang der Stadt nicht verlieren und beides weiterhin mit großer Neugierde verfolgen.