Hückeswagener Hauptschule entpuppt sich als Erfolgsmodell

Schullandschaft in Hückeswagen : Hauptschule ist wieder ein Erfolgsmodell

Die Montanusschule freut sich über einen guten Zulauf. 26 Kinder besuchen derzeit die fünfte Klasse. Kleine Engpässe gibt es in Chemie und Physik. Mittwoch besuchten zwei ehemalige Fußballprofis die Schüler und trainierten mit ihnen.

Karlheinz Rennau klingt total optimistisch. „Wir sind ziemlich gut gestartet“, sagt der kommissarische Leiter der Hauptschule drei Wochen nach Schuljahresbeginn. Knapp 190 Schüler werden von 16 Lehrern in neun Klassen unterrichtet. Während die Klassen fünf, sechs und sieben einzügig besetzt sind, gibt es zwei achte, zwei neunte und zwei zehnte Klassen. Dabei ist die Klasse sieben nach Angaben von Rennau „grenzwertig voll“, eventuell werde der Jahrgang geteilt, denn durch Zuzügler und Rückläufer erhöhe sich die Schülerzeit meist noch im Laufe des Schuljahres. „Eine fatale Geschichte“, findet der 55-Jährige, „diese Schüler haben zwei Jahre Schulfrust hinter sich“. Aber diese Entwicklung habe wohl noch immer mit dem schlechten Image der Hauptschule zu tun.

Deshalb gab es in diesem Jahr erstmals bei einer eingeschränkten Empfehlung für die Realschule gemeinsame Aufnahmegespräche der Realschule und der Hauptschule im Gebäude der Hauptschule. Mit Erfolg. Viele Eltern haben sich umentschieden und ihr Kind doch an der Hauptschule angemeldet. So startete die Montanuschule Ende August mit 26 Mädchen und Jungen in das fünfte Schuljahr – Rekord, nachdem die Schule in den vergangenen Jahren immer um den Erhalt zittern musste, für den 18 Schüler in der Klasse 5 nötig sind. Rennau freut es, wenn die Hemmschwelle endgültig verschwindet. 26 Kinder in Klasse fünf sind auch deshalb erstaunlich, weil es sich beim jetzigen Jahrgang um den geburtenschwächsten der nächsten Jahre handelt. „Mir ist es wichtig zu vermitteln, dass die Hauptschule lebt. Das soll sich in den Köpfen der Menschen verankern“, sagt Rennau. Dafür würden auch die Konzepte nun noch einmal überarbeitet.

Klaus Kruska (l.) ist Konrektor und Karlheinz Rennau Schulleiter der Hauptschule – beide noch in kommissarischer Funktion. Das soll sich möglichst bald ändern. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Er will vor allem das gemeinsame Lernen neu ausrichten, die individuelle Förderung noch stärker in den Fokus rücken. „Wir müssen uns den neuen Bedingungen stellen und richtig offensiv an die Sache rangehen“, fordert Rennau. Ob Digitalisierung, Quartalsgespräche oder das Computerlabor, das renoviert wird – an der Hauptschule tut sich einiges. Nachdem die Mittel aus dem Digitalpakt freigegeben seien, werde die Schule ans Glasfasernetz angeschlossen, so dass auch das Fortbildungskonzept den neuen Gegebenheiten angepasst werden kann.

Eigentlich war Rennau immer ein Verfechter des großen integrierten Systems, in Hückeswagen hat er gelernt, dass die Chancen für seine Schule gerade in der Kleinteiligkeit liegen, „Wir kennen unsere Schüler, wir haben eine gute Verbindung zur Industrie und deshalb auch eine Daseinsberechtigung“, sagt er überzeugt.

Im Mai hat Rennau zwei junge Kollegen begrüßt, die frischen Wind in den Schulalltag bringen, „was gut für unsere Entwicklung ist“, sagt der kommissarische Leiter. Aktuell ausgeschrieben ist eine Stelle für einen Sonderpädagogen. Aber der Markt ist leer gefegt, auch wenn der Bedarf riesig ist. Ein Sonderpädagoge kümmert sich mit 22 Stunden zurzeit um 17 Schüler mit Förderbedarf. Aber an der Schule gibt es noch einige Schüler, deren Förderbedarf noch gar nicht erfasst wurde.

Kleinere Engpässe registriert Rennau derzeit in den Naturwissenschaften Physik und Chemie. Stolz ist er auf seine Kollegen, die nun intern durch Qualifizierungsmaßnahmen dieses Defizit auffangen. „Wir haben hier hochmotivierte Kollegen, die sich einsetzen“, sagt er. Und Rennau setzt noch einen drauf. „Ich bin noch nie so gerne zur Schule gegangen wie derzeit. Das ist fantastisch“, sagt er. Und nicht nur die Lehrer ziehen den Kurs des neuen kommissarischen Leiters mit, auch die Rückmeldungen der Schüler seien positiv. Mittlerweile sei an der Schule auch wieder Ruhe eingekehrt. Und Rennau hat intern schon das neue Motto ausgerufen: „Montanusschule 2050“.