Hückeswagener gründet neue Europa-Partei

Einer der Parteigründer kommt aus der Schloss-Stadt : Hückeswagener gründet eine neue Europa-Partei

Jonathan Lessing (22) will sich mit „Young European Spirit“ für die EU einsetzen.

Jede freie Minute seiner Freizeit steckt Jonathan Lessing in die politische Arbeit. Schon zu seiner Schulzeit am Engelbert-von-Berg-Gymnasium (EvB) in Wipperfürth hat der heute 22-Jährige politisches Interesse gezeigt. In der neunten Klasse schrieb er beispielsweise eine Projektarbeit über Extremismus. „An Politik fasziniert mich die Möglichkeit, die Rahmenbedingungen unseres Lebens und Handels von morgen beeinflussen zu können“, sagt der politisch engagierte Banker und Wirtschaftswissenschaftler. Einer Partei ist er dennoch nie beigetreten. „Zu keiner Zeit fühlte ich mich ausreichend von den Programmen der Parteien abgeholt – respektive von der an den Tag gelegten Parteipolitik, insbesondere in Fragen der Europapolitik“, sagt er.

Das hat sich nun geändert. In Düsseldorf gründete Jonathan Lesssing im November zusammen mit Maschinenbau-Studentin Katharina Hartz, Sozialwissenschaftler Tobias Uelpenich (alle 22 Jahre alt) und rund 30 weiteren Mitstreitern die Partei „Young European Spirit“ (!YES) im Düsseldorfer Heinrich-Heine-Haus.

Ihre Grundüberzeugung: Europa braucht Parteien, die sich transnational für die Meinungsbildung einsetzen können – mit Fokus auf europäische Politik. Nur so könne sich die politische Debatte in Brüssel aus dem Korsett nationaler Interessen befreien und den Weg frei machen für ein handlungsfähiges Europa.

Die Idee dazu entstand im Frühjahr 2018 in einem Kreis zivilgesellschaftlich engagierter Europäer. „Angesichts des augenscheinlichen Zulaufes für europakritische und nationalistische Parteien stellten wir fest, dass es nicht nur an Parteien fehlt, die für konsequente Europapolitik eintreten, sondern dass es auch an der rechtlichen Grundlage fehlt, solche Parteien gründen zu können“, berichtet Lessing.

Denn in Europa gibt es das Konstrukt einer rein europäischen Partei gar nicht. Daher musste !YES zwangsläufig als deutsche Partei gegründet werden, was bedeutet, dass sie ihre Rechtsstellung als Partei verliert, wenn sie sechs Jahre lang weder an einer Bundestags- noch an einer Landtagswahl teilgenommen hat. „Wir werden daher auch an der nächsten Bundestagswahl teilnehmen, um auch hier für eine europäischere Ausrichtung der Bundespolitik zu werben“, sagt der Hückeswagener, der mittlerweile nach Düsseldorf gezogen ist und bei der DZ Bank AG Düsseldorf arbeitet.

Die Chance auf einen Einzug ins Parlament schätzt er als durchaus realistisch ein: „2014 reichten bereits 184.525 Stimmen in Deutschland für einen Sitz aus – das sind 0,6 Prozent“, rechnet Lessing vor. Eine „Hürde“ werde es im Jahr 2019 noch nicht geben. „Wir wollen zeigen, dass nicht den Europaskeptikern das Spielfeld gehört – und ihnen schon gar nicht das Europaparlament überlassen“, fügt der 22-Jährige hinzu.

Meinungsvertretung zieht sich bei ihm durch die vorherigen Jahre: vom Grundschulklassensprecher bis zum EvB-Schülersprecher. In Kanada schaffte er es als einziger Ausländer in die Mitwirkungsgremien der Schule.

Auch beim Dualen Studium an der Universität konnte sich Lessing im Studierendenparlament engagieren und gründete in seinem Ausbildungsbetrieb eine Jugend- und Auszubildendenvertretung. Eine besondere Bestärkung des politischen Interesses fand Lessing durch den Hückeswagener Bäckermeister Jörg von Polheim, seinerzeit Mitglied des Bundestages, der ihm die Teilnahme am Bundestagsplanspiel „Jugend und Parlament“ im Jahr 2012 ermöglichte.

Für die Unterstützung aus dem Bekannten- und Freundeskreis sind die Parteimitglieder dankbar. „Viele teilen unsere Grundüberzeugung, dass wir in vielen Herausforderungen an die Grenzen der nationalen Handlungsfähigkeit stoßen und hier europäische Lösungen brauchen“, betont Lessing. Für diese Aufgabe sucht die junge Partei engagierte Mitstreiter, die sich für eine Erneuerung der Europäischen Union einsetzen wollen.

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