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Trotz Trend zur Urnenbestattung: Hückeswagener Friedhof bleibt ohne Urnenwand

Trotz Trend zur Urnenbestattung : Hückeswagener Friedhof bleibt ohne Urnenwand

Auch nach fünf Jahren hat sich an der Meinung der Politik nichts geändert: Sie lehnt die Idee der Verwaltung, auf dem Friedhof Am Kamp einen Urnengarten anzulegen, ab. Die Pläne wurden jetzt nach der Entscheidung im Bauausschuss ad acta gelegt.

Das Kolumbarium der Evangelischen Kirchengemeinde in der umgebauten und entweihten Johanniskirche (siehe Info-Kasten) hatte die Stadtverwaltung 2013 offenbar auf die Idee gebracht, eine solche Urnenwand in einer aufwändig gestalten Anlage auf dem Friedhof zu errichten. Doch schon damals war die Skepsis in den Reihen der Politik groß. Ein Grund waren die von der Verwaltung genannten Kosten in Höhe von rund 250.000 Euro. Sie hätten sich über Jahrzehnte hinaus nicht amortisiert und die schon jetzt hohen Friedhofsgebühren noch stärker in die Höhe getrieben, lauteten die Befürchtungen. Der Kompromiss damals war, fünf Jahre später noch einmal neu über die Pläne zu diskutieren.

Das taten Politik und Verwaltung jetzt im Bauausschuss. Und erneut war die Stimmung bei den Politikern, durchgehend in allen Parteien, nicht pro Urnengarten. Ganz wohl mit ihren damals vorgestellten Plänen war offenbar auch die Verwaltung nicht mehr. So machte vor allem Kämmerin Isabel Bever deutlich, dass die Friedhofsgebühren angesichts der zusätzlichen kalkulatorischen Abschreibungen und Zinsen für den Bau der Urnenwand und des gesamten Areals in der Tat steigen würden.

Fakt jedoch bleibt, dass der Trend zur Urnenbestattung weiterhin zugenommen hat. Lag ihr Anteil 2003 an den Bestattungen auf dem "Kämpchen", wie der Friedhof im Volksmund genannt wird, noch bei 20 Prozent, stieg er bis 2013 auf fast 54 Prozent. Inzwischen sind laut Bauamtsleiter Andreas Schröder beinahe sechs von zehn Beerdigungen Urnenbestattungen. "Und sie werden weiter zunehmen", wagte er im Ausschuss eine Prognose.

Was die Politiker letzten Endes wohl abschrecken ließ, waren die hohen kurzfristigen Kosten von einer Viertelmillion Euro. Die wären nach Auffassung der Verwaltung aber für die insgesamt 240 Kammern in drei Bauabschnitten unvermeidbar gewesen. Zwar sollten im ersten Bauabschnitt nur 60 Kammern für die ersten fünf Jahre gebaut werden, der Anspruch der Stadt aber war ein "ansprechend angelegter Urnengarten, der sich optisch in die Landschaft und den Charakter des Friedhofs einfügt". Es sollte ein würdiger Ort zum Trauern werden und kein liebloses Aneinanderreihen von Urnenwänden am Wegesrand sein. Das hätte aber bedeutet, dass die gesamte Anlage schon mit dem ersten Bauabschnitt hätte fertiggestellt werden müssen. 2021 hätte Baubeginn sein können, für 2022 war die Eröffnung vorgesehen.

Michael Wolter (UWG) sagte: "Wir haben einen ansprechenden Friedhof mit Potenzial für Bodengräber." Jörg Kloppenburg (FDP) brachte einen Friedwald ins Spiel. Und Willi Endresz (CDU) verwies auf das Kolumbarium der Evangelischen Gemeinde, falls jemand Interesse an einer Urnenbestattung hat. Über einen Urnengarten für den Friedhof könne man noch einmal nachdenken, wenn die Fläche im Kolumbarium ausgeschöpft sei, sagte Wolter. Aber noch sei dort viel frei.

(büba)