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Hückeswagener Firma Pflitsch in der Erfolgsspur

Blickpunkt Wirtschaft in Hückeswagen : Pflitsch in der Erfolgsspur

Die Jahresbilanz bei Pflitsch fällt sehr zufriedenstellend aus. Dennoch richtet sich der Blick in die Zukunft ohne besonders große Euphorie.

Wenn die beiden Geschäftsführer des Hückeswagener Traditionsunternehmens Pflitsch, Mathias Stendtke und Roland Lenzing, auf das abgelaufene Geschäftsjahr blicken, dann mischt sich in die Freude über das insgesamt sehr zufriedenstellende Ergebnis durchaus ein wenig Wachsamkeit. „Wir haben unseren Mitarbeitern bei der Mitarbeiterversammlung mitgeteilt, dass es keinen Grund zur Beunruhigung gibt – aber eben auch keinen für Euphorie“, sagte Lenzing im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wir können dem entgegenblicken, was kommen wird, sollten dabei aber auf Sicht fahren“, ergänzte Stendkte.

Es gebe in der Industrie leichte Signale aus den Verbänden, dass die Wirtschaftslage im Moment gedämpft sei. „Das merkt man im Alltag natürlich auch, das – ich nenne es mal Brot-und-Butter-Geschäft – ist bereits leicht rückläufig“, sagte Stendtke. Ausgeglichen werde das indes durch Projektgeschäfte. „Wir merken den Dämpfer, klar“, sagte auch Lenzing. Und gab die Gründe dafür gleich mit an: „Das nach wie vor unentschiedene Brexit-Chaos, die insgesamt schwächelnde Auto-Industrie, die diversen neuen Zölle – all das merken wir auch.“ Das seien aber alles keine unerwarteten und neuen Entwicklungen. Und das Unternehmen sei gut aufgestellt. „Wir sind auch im Hinblick auf eine mögliche Flaute gut positioniert“, bestätigte Lenzing.

Abgesehen davon gebe das abgelaufene Geschäftsjahr aber allen Grund zur Freude. Im Jubiläumsjahr, die Firma wurde 1919 gegründet und feiert somit ihr 100-jähriges Bestehen, wurden die größten Investitionen in der Firmengeschichte getätigt. „Der Umzug des Produktionsbereichs Kabelkanäle in das neugekaufte Werk in Winterhagen läuft derzeit auf Hochtouren“, sagte Stendtke. Der Hauptumzug finde am Wochenende Freitag, 20., bis Sonntag, 22. September, statt, ergänzte Lenzing. „Wir haben eine Firma beauftragt, die auf Industrieumzüge spezialisiert ist. Etwa 70 Lkw-Fahrten werden an den drei Tagen von der Wupper nach Winterhagen laufen.“ Er lobte an dieser Stelle die Kooperationsbereitschaft des Oberbergischen Kreises. „Wir haben direkt eine Ausnahmegenehmigung für den Umzugs-Sonntag bekommen“, sagte Lenzing. Stendtke ergänzte: „Wir liegen absolut im Zeitplan!“

Überhaupt sei der Kauf des Werks 2 im Gewerbegebiet Winterhagen auf den ehemaligen Magna-Flächen eine der beiden großen Projekte der jüngsten Firmengeschichte gewesen. „Das zweite Riesenprojekt war unser neues, automatisches Kleinteilelager“, sagte Lenzing. Die Pflitsch-Geschäftsführer hätten zwei Alternativen gehabt: „Kleinteilige Investitionen oder einen Befreiungsschlag – wir haben den Befreiungsschlag gewählt“, sagte Lenzing. Dennoch sei man froh, dass diese großen Investitionen nun abgeschlossen seien, gerade auch im Hinblick auf latent unsichere Zukunftsaussichten. Nun könne der Blick nach vorne gehen. „Wir haben zum Ende hin an der Wupper etwas beengt gearbeitet, die Expansion war nötig. Und die Lösung mit Werk 2 in Winterhagen ist optimal“, sagte Lenzing. Die freigewordenen Flächen an der Wupper würden künftig dann im Zuge des weiteren Unternehmenswachstums nach und nach gefüllt.

Auch technologisch geht der Blick bei Pflitsch weiter nach vorne. „Wir haben eine gewisse Kompetenz im Hygienebereich entwickelt, auch im Bereich der elektromagnetischen Verträglichkeit geht es weiter voran“, sagte Lenzing. Außerdem werde pünktlich zur Weltleitmesse EMO in Hannover ein neues Produktsegment vorgestellt. „Wir starten gemeinsam mit unserem italienischen Partner Teaflex mit einem neuen Wellrohrschlauchprogramm, der Name ist Pflitsch ProTect. Ansatzpunkte für dieses Programm sind etwa in der Bahntechnik oder im Maschinenanlagenbau“, sagte Lenzing.

Soziale Aspekte waren immer schon ein wichtiger Bereich beim Hückeswagener Traditionsunternehmen. Daher passte es auch, dass Lenzing und Stendkte sich für das Jubiläumsjahr ein Geschenk für die Schloss-Stadt ausgedacht hatten. „Wir haben im Goethetal den ersten inklusiven Kinderspielplatz gestiftet. Das war uns eine echte Herzensangelegenheit“, sagten beide Geschäftsführer. Der Spielplatz wurde Mitte August von vielen Kindern feierlich in Betrieb genommen

Im Zuge der Mitgliederversammlung wurden auch die neuen Azubis vorgestellt. „Wir haben derzeit etwa 20 Auszubildende, außerdem arbeiten bei Pflitsch rund 300 Mitarbeiter“, sagte Stendtke.