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Hückeswagener Firma Calao stellt Schutzkleidung statt Bademode her

Hückeswagener Unternehmen in der Corona-Krise : Schutzkleidung statt Bademode

Flexibilität ist die Stärke der Firma Calao - das beweist sie auch in der Corona-Krise. Statt exklusiver Bademode werden Schutzkittel und Masken genäht. Die Vorbereitung der neuen Bademoden-Kollektion 2021 startet dennoch, jedoch mit Verzögerung.

Geschlossene Läden, abgesagte Veranstaltungen und Messen, fehlende Umsätze: Mit millionenschweren Hilfspaketen soll kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Corona-Krise geholfen werden. Doch viele Firmen versuchen auch aus eigener Kraft die Zeit zu überstehen, indem sie kreativ werden und ihre Produktion an die Gegebenheiten anpassen – sofern das möglich ist. Die Hückeswagener Firma Calao hat genau das getan: Wo normalerweise modische Bademode entworfen und gefertigt wird, werden nun Behelfsmasken und Schutzkittel genäht. Zum Einsatz kommen Öko-Baumwollstoff statt Polyamid und Elasthan.

Den Anstoß dazu hat die Stadt Hückeswagen gegeben, die nach Lieferanten für die derzeit dringend benötigte Schutzkleidung suchte. Die Geschäftsinhaber Ulrike und Jochen Schneider sagten sofort zu. „Wir haben seit vier Wochen nichts anderes als Masken und Kittel genäht“, berichtet Jochen Schneider. Es wurden bereits Hückeswagener Firmen beliefert, die die Atemmasken für ihre Mitarbeiter bestellt hatten. Zu den Kunden zählen auch Kosmetikstudios und Wellnesshotels, die nur mit Masken arbeiten dürfen, sobald die Regeln in den Bundesländern wieder gelockert werden.

Bereits vor 33 Jahren wurde das Familienunternehmen in der Schloss-Stadt gegründet. Noch heute befindet sich der Hauptsitz von Calao mit der Verkaufsabteilung, der Produkt- und Design-Entwicklung und der Produktionsstätte im Gewerbegebiet Winterhagen-Scheideweg. Über die Jahre hat sich die Marke Calao mit einer breit gefächerten Produktpalette in der Reihe der führenden Bademodenhersteller etabliert. „Uns hat die Krise auf dem Höhepunkt unserer Produktion erreicht“, berichtet Jochen Schneider. Ende März hätte das Unternehmen normalerweise angefangen, die Geschäfte mit der aktuellen Kollektion zu beliefern. Doch dann wurden die Läden geschlossen, und Calao musste die Produktion runterfahren. „In der ersten Woche haben wir Kurzarbeit angemeldet, denn wir wussten nicht, wie es weitergeht“, berichtet der Geschäftsführer. Durch die Umstellung der Produktion auf Schutzkleidung sind die zwölf Mitarbeiter derzeit jedoch gut mit Arbeit versorgt. Ein Schnittmuster für die neue Ware war schnell gefunden. „Wir entwerfen bei uns die gesamte Bademode selbst, da werden wir auch noch Behelfsmasken hinkriegen“, betont Jochen Schneider lachend.

Wie es weitergehen wird, darüber möchte sich der Geschäftsmann noch nicht den Kopf zerbrechen. „Wir werden jetzt mit der Auslieferung beginnen“, kündigt er an. Auch wenn die Menschen corona-bedingt ihre Urlaubsreisen stornieren mussten, geht er dennoch davon aus, dass Bademode gekauft wird. Ziel sei es, baldmöglichst zur normalen Arbeit zurückzukehren und die Kollektion für 2021 vorzubereiten.

„Normalerweise hätten wir Mitte Juni unser Foto-Shooting in Los Angeles für den neuen Katalog“, sagt der Hückeswagener. Niemand weiß, ob dieses Vorhaben realisierbar ist. Die Bever-Talsperre biete für den Fototermin keine echte Alternative. „Dann müsste schon genau an diesem Tag die Sonne scheinen und die Temperatur über 25 Grad liegen“, sagt Jochen Schneider.

Auch die europäischen Messen im Juli und August, wo Calao normalerweise ausstellt, werden voraussichtlich ausfallen. Um das wieder wett zu machen müssten die etwa 18 Calao-Vertreter wesentlich mehr leisten als bisher. Dennoch bleiben die Firmeninhaber optimistisch. „Es nützt ja nichts, sich Gedanken zu machen. Wir können nur die Daumen drücken und hoffen, dass es nicht schlimmer wird“, sagt Jochen Schneider.