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Hückeswagener Familien befreien die Trasse von Müll

Saubere Schloss-Stadt Hückeswagen : Familien befreien die Trasse von Müll

Zum ersten Mal wurde in Hückeswagen eine Herbst-Müllsammelwoche ins Leben gerufen, die am World Cleanup Day startete. Wir haben zwei Familien bei ihrem Einsatz für eine saubere Umwelt begleitet. Die Kinder waren begeistert.

Den Kindern aus Bullerbü, die die schwedische Autorin Astrid Lindgren in ihrer Kinderbuchreihe beschreibt, können Paula (6), Michel (6), Liah (4) und Johann (4) locker das Wasser reichen. Für sie ist jede Aktion ein Abenteuer, selbst das Müllsammeln auf der ehemaligen Bahntrasse. Am Sonntag zogen sie mit ihren Eltern von Großberghausen Richtung Kleineichen – gut ausgestattet mit Müllbeuteln, Handschulen, Bollerwagen und natürlich Proviant.

Schon die ersten Funde machten deutlich, dass sich der Einsatz lohnt, nachdem Flaschen und Getränkedosen aus dem Gebüsch gezogen wurden. „Bald können wir die erste Kugel Eis vom Flaschenpfand kaufen“, rechnete Vater Eric Hoffmann zusammen. Warum die Menschen Pfandflaschen achtlos wegwerfen, konnte selbst Michel nicht verstehen: „Dabei ist Geld doch so wertvoll“, sagte der Sechsjährige.

Stefan und Meike Buß haben ihre Kinder schon früh für die Umwelt sensibilisiert. „Wir haben ein großes Bewusstsein dafür und nehmen auch beim Spaziergang Flaschen aus dem Wald mit“, sagte Meike Buß. Dass die Stadt Hückeswagen jetzt erstmals zu einer zweiten Sammelaktion im Jahr aufgerufen hatte, fand sie gut. „Manchen ist das vielleicht zu viel, für andere ist die Aktion nochmal ein Anstoß.“

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Bisher hatte die Stadt offiziell im Frühjahr die Aktion „Saubere Stadt“ organisiert. Zum ersten Mal wurde jetzt zusätzlich eine Sammelwoche im Herbst ins Leben gerufen, die am World Cleanup Day (18. September) startete. Die Sammelmaterialien wie Handschuhe und Müllsäcke wurden während des Mini-Tauschrauschs am Wertstoffhof ausgegeben und sind noch bis einschließlich Dienstag, 28. September, am Schloss erhältlich. Bis Ende der vorigen Woche hatten etwa 30 Personen mitgemacht.

Dass die Beteiligung nicht so groß war wie im Frühjahr, wertete Organisatorin Stefanie Heymann vom Bauamt nicht negativ: „Das liegt weniger am Willen der Bürger, sondern vielmehr an zu wenig Werbung, da die Aktion ziemlich spontan ins Leben gerufen worden ist.“ Schon seit Jahren fordern die Teilnehmer der Müll-Sammelaktion einen zweiten Termin im Jahr, um die Stadt sauber zu halten. „Als die Kollegen vom Bergischen Abfallwirtschaftsverband (BAV) uns auf den World Cleanup Day hingewiesen haben, waren wir uns einig, dass wir den Tag nutzen sollten, um unsere zweite Aktion zum Abfallsammeln zu starten“, sagte Stefanie Heymann.

Familie Buß hat schon reichlich Erfahrung mit dem Einsammeln von wildem Müll. „Beim letzten Mal mussten wir die Sammlung abbrechen, weil der große Müllbeutel zu schwer wurde. Jetzt haben wir mehrere kleine Beutel dabei“, verriet Meike Buß ihre neue Taktik. Für die Kinder war es eine Art Schatzsuche. Sie kletterten steile Hänge rauf und runter, um auch wirklich jedes Bonbonpapier aufzulesen. „Wir sind echt gute Blicker“, war Leah sichtlich stolz auf die erspähten Fundstücke. Viele Glasflaschen waren zerbrochen - die Scherben für Tiere, wie auch für Familienhund Herta, sehr gefährlich. „Es kommt leider häufiger vor, dass Hunde sich die Pfoten an den Scherben verletzen“, sagte Eric Hoffmann.

Zu den größten Fundstücken des Tages zählte eine Winterjacke wie auch eine Mülltonne, die vermutlich vom Wupper-Hochwasser angeschwemmt worden war.

Doch nicht alle Trassen-Nutzer zollten dem selbstlosen Einsatz der fleißigen Müllsammler den verdienten Respekt. „Man kann auch ein bisschen mehr Platz lassen“, beschwerte sich ein Rennradfahrer beim zügigen Vorbeifahren lautstark. „Solche Sprüche fallen häufig, wenn man mit den Kindern auf der Trasse unterwegs ist“, bedauerte Meike Buß. Den Spaß an der Sache ließen sich die beiden Familien davon jedoch nicht nehmen. Die Kinder wurden mit Limo und lustigen Kinderliedern bei Laune gehalten. Und wenn sie doch einmal eine Pause brauchten, durften sie in den Bollerwagen klettern und sich ein Stück des Weges ziehen lassen.

In der Schloss-Stadt soll es künftig immer zwei feste Termine im Jahr geben – den Abfallsammeltag im Frühjahr und die Sammelwoche im Herbst. „So haben wir zwei gleiche Aktionen in verschiedener Art und hoffen damit regelmäßig auf gute Beteiligung“, kündigte Stefanie Heymann schon jetzt an.