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Hückeswagener Deutschlehrerin veröffentlicht zweiten Lyrik-Band

Hückeswagener Kultur : Deutschlehrerin veröffentlicht zweiten Lyrik-Band

„Ent-täuscht“ heißt das zweite Buch der Hückeswagenerin Katharina Wnuk. Ihre Gedichte handeln von der ganzen Bandbreite des Lebens – ungeschönt, tiefsinnig, anregend. Die Lehrerin animiert auch Schüler zum Schreiben eigener Gedichte und Texte.

Auf den ersten Blick lässt sich der Buchtitel „Ent-täuscht“ so gar nicht mit dem Untertitel „Texte über eine wundervolle Welt“ in Einklang bringen. Erst bei näherer Analyse der Schreibweise und des Buchinhalts erschließt sich einem der tiefere, doppeldeutige Sinn. „Ich spiele gerne ein bisschen mit dem Paradoxon“, erläutert Buchautorin Katharina Wnuk. Die 40-Jährige Gymnasiallehrerin hat im Oktober, pünktlich zur Frankfurter Buchmesse, ihren zweiten Lyrik-Band herausgegeben. Schon zwölf Jahre zuvor veröffentlichte der renommierte Fischer-Verlag in Aachen ihren ersten Gedichtband mit dem Titel „Ver-rückt. Liebeserklärungen und -versuche“.

„Ich schreibe schon, seit ich ein Teenager bin, das ist mein Genre“, sagt die gebürtige Wermelskirchenerin, die seit vielen Jahren in Hückeswagen lebt. Ihre Gedichte handeln von der ganzen Bandbreite des Lebens, von Liebe, Trennung, Schmerz. Mit dem Schreiben verarbeitet die Autorin auch persönliche Erfahrungen, wie beispielsweise den frühen Tod eines Freundes. Mit der Veröffentlichung gibt die Autorin also auch ein Stück ihrer Gefühle und Gedanken preis. „Gerade als Lehrerin wird man dadurch angreifbar, aber ich kann mich immer noch hinter meinem lyrischen Ich verstecken“, sagt Katharina Wnuk. Manche Texte entstehen aus einer Beobachtung heraus. „Gefühle sind ja nicht nur für eine Partnerschaft reserviert. Schreiben ist aber definitiv immer Verarbeitung und Expression“, betont die Autorin.

Ihr Sprachstil ähnelt dem modernen Poetry-Slam, was besonders gut bei Jugendlichen ankommt. Die Gedichte sind schon mehrfach zum Unterrichtsinhalt der Deutsch-Leistungskurse am Meinerzhagener Gymnasium geworden, wo die Hückeswagenerin unterrichtet. „Ein eigenes Gedicht von den Schülern analysieren zu lassen, ist ein spannendes Selbsterlebnis“, sagt sie lachend. Es sei interessant zu lesen, was die Schüler in ihre Gedichte hineininterpretierten. Gleichzeitig animiert sie ihre Schüler dazu, eigene Gedichte oder Romane zu schreiben. „Es ist ergreifend und schön für mich zu sehen, dass auch die junge und heutige Generation noch schreibt, noch dazu ganz toll. Dass ich ihre Texte lesen darf, ist ein echtes Privileg“, betont Katharina Wnuk.

Das erste Buch „Ver-rückt“ entstand während ihrer Referendarzeit. Den Inhalt des aktuellen Lyrik-Bands beschreibt ein Lehrerkollege als „Gedichte einer zwar immer noch jungen, aber deutlich durch das Leben und ihre Erfahrung gereifte Persönlichkeit“. Diese Aussage unterstreicht die Autorin: „Die Zerbrechlichkeit macht erst die Schönheit des Lebens aus – bestimmte Lebenssituationen lassen einen ein Stück reifen.“ Auch ihr christliche Glaube, den sie als Teil ihrer Identität bezeichnet, findet Platz in den Texten. „Der Glaube taucht implizit immer zwischen den Zeilen auf, wenn auch nicht durchweg explizit“, ergänzt die 40-Jährige.

Schreiben kann Katharina Wnuk nach eigener Aussage „jederzeit und überall“. Sie verwendet in ihren Gedichten überwiegend den eingängigen Paarreim. Die zwölf Jahre zwischen dem ersten und zweiten Buch waren offensichtlich voll von Inspirationen: Der aktuelle Lyrik-Band besteht aus 144 Seiten mit etwa 80 Gedichten im Taschenbuchformat. Das Manuskript samt Cover erstellte die Autorin im Urlaub auf ihrer Lieblingsinsel Borkum. Mit der Veröffentlichung im Rediroma-Selbstverlag möchte die 40-Jährige jedoch keineswegs ihr persönliches „Gefühlswirrwarr“ an den Mann oder die Frau, sondern vielmehr Menschen damit zum Nachdenken bringen. „Viele haben mir schon gesagt, dass ihnen die Texte geholfen und sie sich selbst darin wiedergefunden haben. Das ist mein Hauptanliegen“, berichtet die Lyrikerin von den vielen positiven Rückmeldungen.

Ob es in Zukunft noch mehr Gedichtbände aus ihrer Feder geben wird, vermag die Autorin nicht zu sagen. Eins steht jedoch fest: „Ich liebe das Schreiben – vom Einkaufszettel bis zum Gutachten“, gesteht die Deutschlehrerin lachend. Für Freunde ihres Schreibstils gibt es dennoch Hoffnung: In ihrem Computer schlummert schon seit Jahren ein unveröffentlichter Roman. Vielleicht findet auch diese Geschichte eines Tages den Weg vom digitalen Manuskript zum gedruckten Buch.