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Hückeswagen: Zwangspause für die Kleiderkammer

Die Kleiderkammer in Hückewswagen : Zwangspause für die „Kammerzofen“

Das spezielle Angebot der Katholischen Kirchengemeinde, das es in 2021 bereits seit 40 Jahren gibt, ist seit März dauerhaft wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Frühestens nach der Sommerferien soll wieder geöffnet werden.

Es sind nun beinahe zehn Monate vergangen, seit die Corona-Pandemie erstmals für einen Stillstand der Gesellschaft hierzulande gesorgt hat. Zehn Monate, die nicht nur der Wirtschaft mittlerweile zwei harte Lockdowns und den Schulen zwei Schließungen beschert haben, sondern auch für die eine oder andere ehrenamtliche Initiative ein Dauer-Aus bedeutet hat. So etwa für die Kleiderkammer der katholischen Gemeinde. „Wir mussten Mitte März schließen – und haben seitdem auch nicht wieder aufgemacht. Auch dann nicht, als die ersten Lockerungen im Sommer kamen“, sagt Gaby Vollbrecht, eine der ehrenamtlichen „Kammerzofen“.

Der Grund sei der, dass viele der momentan sieben ehrenamtlichen Helferinnen bereits im fortgeschrittenen Alter seien – und damit zur Risikogruppe gehörten. „Das war uns – nicht zuletzt wegen der beengten Verhältnisse in den Räumlichkeiten der Kleiderkammer hinter der Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt – einfach zu riskant“, betont Gaby Vollbrecht. Man habe kurz überlegt, ob mit Terminvergabe geöffnet werden könne. „Da war dann aber letztlich der Aufwand zu groß, so dass wir lieber ganz geschlossen bleiben.“

Geschlossen – aber nicht vergessen. Denn man habe vor allem von den regelmäßigen Spendern aus der Schloss-Stadt die Rückmeldung bekommen, dass gebrauchte Kleidung solange zu Hause aufbewahrt werde, bis die Abgabe von Spenden wieder möglich sei. „Das zeigt uns, dass die Hückeswagener uns nicht vergessen haben und unsere Arbeit in der Stadt als wichtig angesehen wird“, betont Gaby Vollbrecht. Interessanterweise habe sie jedoch nur selten von den Menschen Rückmeldung bekommen, die in der Kleiderkammer eingekauft haben. „Da kamen praktisch keine Rückfragen“, sagt sie. Einen Grund dafür könne sie jedoch nicht angeben.

Der Kontakt unter den Helferinnen bestehe seit dem Ausbruch von Corona nur auf telefonischem Weg, sagt Gaby Vollbrecht. „Zwei von uns haben sich immer wieder mal in der Kleiderkammer getroffen, um dort ein wenig auszumisten. Gerade was die Haushaltsgegenstände angeht. Aber auch die Kleidungsstücke, die zu Ladenhütern geworden sind, haben wir aussortiert und so Platz für die Zeit geschaffen, wenn wir wieder aufmachen.“

Zwar könne man natürlich in Zeiten von sich praktisch täglich verändernden Infektionszahlen auf der einen Seite und der wachsenden Zahl von Impfungen auf der anderen Seite nicht wirklich sagen, wie sich die nähere Zukunft im Zeichen von Corona entwickeln werde. „Wir haben uns aber dennoch vorgenommen, erst nach den Sommerferien wieder zu öffnen“, berichtet Gaby Vollbrecht. Damit sei man dann hoffentlich auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

Dabei glaubt die Hückeswagenerin nicht, dass in der Zeit nach Corona alle Helferinnen wieder mit dabei sein würden. „Es ist dann über ein Jahr vergangen, wir werden nicht jünger, und unser Altersdurchschnitt ist ohnehin eher hoch“, macht die 65-Jährige deutlich. Aber es seine auf jeden Fall genügend Helferinnen für die Wiederaufnahme der Arbeit dabei. „Unser nächstes Ziel ist es, Nachwuchs zu finden. Aber es ist schwierig, da heutzutage einfach sehr viele junge Frauen berufstätig sind. Aber vielleicht findet sich ja die eine oder andere jüngere Rentnerin, die uns helfen möchte“, sagt Gaby Vollbrecht. Von Seiten der Kirchengemeinde gebe es bezüglich der Räumlichkeiten zudem auch keine Probleme. „Wir können weiterhin die gewohnten Räume für unsere Arbeit nutzen“, sagt sie.

Wer auf die Kleiderkammer angewiesen sei, könne auch zur Kleiderkammer der Christlichen Islandtafel gehen. Schade sei indes, dass die Projekte, die durch Erlöse aus den Verkäufen unterstützt würden, derzeit leer ausgingen. „Wir haben diversen sozialen Projekten einmal im Jahr Geld überwiesen“, erläutert Gaby Vollbrecht. Neben dem Hückeswagener Kinderdorf auch dem Balthasar-Kinderhospiz in Olpe, einem Hilfsprojekt für Straßenkinder in Rumänien, einem Caritas-Projekt in Brasilien und dem Kinderkrankenhaus in Bethlehem.

Die ehrenamtlichen Helferinnen warten nun darauf, dass sich die Corona-Situation normalisiert. Dann könne und werde man direkt wieder starten. „Allerdings werden wir unser Frühstücksangebot nicht mehr im Programm haben. Es hat sich zuletzt gezeigt, dass es nicht mehr so gut angenommen wurde“, sagt Gaby Vollbrecht. Allerdings spreche auch nichts dagegen, es bei entsprechender Nachfrage wieder anzubieten – wenn die Kleiderkammer denn mal wieder öffnen kann.