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Hückeswagen, Zum Hasengrund: Neuer Name mit alter Geschichte

Ein Ortsteil von Hückeswagen mit besonderem Namen : Neuer Name mit alter Geschichte

Aus dem Bauernhof Wiehagener Straße 241 wurde Ende der 1960er die Häusergemeinschaft „Zum Hasengrund“.

Der Name „Hasengrund“ ist wohl aus der Feder der Stadtplaner entsprungen und dennoch irgendwie passend: Die Anwohner Ralf Dörfling und Heike Mühlinghaus sehen häufig Hasen über die nahen Wiesen hoppeln. Denn von seinem Haus – das letzte, das 1997 im Hasengrund gebaut wurde – hat das Ehepaar einen wunderschönen Blick Richtung Busenbach. Sechs Häuser bilden heute die kleine Häusergemeinschaft „Hasengrund“.

Die Familie Mühlinghaus ist mit diesem Teil der Schloss-Stadt bereits seit 1932 eng verbunden. „Meine Großeltern Maximilian und Olga Mühlinghaus hatten den Hof, der früher die Adresse Wiehagener Straße 241 hatte, 1932 gekauft“, berichtet Heike Mühlinghaus, die sich eingehend mit der Geschichte des Hasengrunds und der ihrer Vorfahren befasst hat. Vor dem Kauf hätten die Großeltern 13 Jahre lang als Pächter auf dem Hof im Höhsiepen hart gearbeitet und für einen eigenen Hof gespart. Er war einer von drei Bauernhöfen in Wiehagen, die von den Familien Borgmann, Koll und Mühlinghaus bewirtschaftet wurden. „Heute wird keiner der Höfe mehr aktiv betrieben“, fügt Heike Mühlinghaus hinzu.

Heike Mühlinghaus und und ihr Mann Ralf Dörfling haben das letzte Haus im Hasengrund gebaut. Foto: Heike Karsten

Im Haus von Ralf Dörfling und Heike Mühlinghaus hängt noch ein altes Ölgemälde aus den Kriegsjahren, das das Bauernhaus mit Scheune (heute: Zum Hasengrund 3) und ein weiteres Mietshaus (Zum Hasengrund 5) zeigt. Das Gemälde wirkt romantisch, in Wahrheit seien die Gebäude jedoch in einem erbärmlichen Zustand gewesen, erzählt Heike Mühlinghaus.

Der Hof ihrer Großeltern war gut mit Maschinen ausgestattet: Es gab einen Motor, eine Dresch- und eine Häckselmaschine sowie eine Transmission – also eine mechanische Kraftübertragung durch Triebriemen. „Offensichtlich war sie im Pumpenhäuschen nahe der Bahnschienen eingebaut, denn mein Großvater war Pumpenwärter und zuständig für die Wasserversorgung von Wiehagen“, berichtet die Enkelin.

Das Ölbild aus den Kriegsjahren zeigt das Bauernhaus mit Scheune (heute: Zum Hasengrund 3),ein Mietshaus (Zum Hasengrund 5) und eine später abgerissene Scheune. Foto: Heike Mühlinghaus

Ab 1933 verschärfte sich die politische Lage in Deutschland durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten. In Wiehagen habe man erst einmal nicht viel davon zu spüren bekommen. „Hier kamen nur gute Nachrichten an, wie der des Schuldenerlasses durch Hitler“, berichtet die 58-Jährige. Am 29. September 1933 trat dann das Reichserbhofgesetz in Kraft: Es wurden Erbhöfe geschaffen, die nur lupenreine „Arier“ besitzen durften. Dabei richtete sich das Gesetz ausdrücklich an Klein- und Mittelbauern, da nur Bauern bis 125 Hektar Erbhofbauern werden konnten. Die Erbhöfe gingen ungeteilt auf den ersten Sohn über und waren „unveräußerlich und nicht belastbar“. Die Folgen dieses Gesetzes waren vielfältig. Zum einen schützte es die Bauern vor Zwangsversteigerungen und Verschuldung. Außerdem wurden die ohnehin schon kleinen Höfe nicht in die Bestandteile vieler Erben zerstückelt. „Damit war mein Onkel Herbert Mühlinghaus, der leider aus dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr nach Hause gekommen ist, der gesetzliche Nachfolger unseres Hofs in Wiehagen“, berichtet Heike Mühlinghaus.

Ihre Großeltern hatten den Hof mit all ihrer Energie bewirtschaftet und 1947 einen neuen Kuhstall mit Scheune gebaut. Später wurde der Hof von Karl-Heinz Mühlinghaus – Vater von Heike, Detlef und Guido Mühlinghaus – übernommen, der ihn mit seiner Ehefrau Ilse bis 1990 aktiv als Familienbetrieb weiterführte. Dabei wurden Milchwirtschaft und Kartoffelanbau im Haupterwerb betrieben. Etwa 13 Milchkühe und Jungvieh beweideten die Wiesen direkt am Hof in Richtung Busenbach und Höhsiepen. „Heute denke ich noch gerne an diese Zeiten zurück“, sagt Heike Mühlinghaus, die mit ihren beiden jüngeren Brüdern auf dem Hof aufgewachsen ist.

Mit der Umbenennung in „Hasengrund“ änderte sich auch das Aussehen des Ortsteils. Karl-Heinz und Ilse Mühlinghaus bauten 1974 das Haus Zum Hasengrund 2, das sie bewohnen und das in den vorigen Jahren umfangreich renoviert wurde. Mitte der 90er Jahre wurde das angrenzende Neubaugebiet Waager Delle erschlossen, für das ein Teil der Wiesen und Flurflächen des ehemaligen Hofs eingeschlossen wurden. In dieser Zeit kamen auch die Häuser Zum Hasengrund 1a und b hinzu. „Das Baugelände wurde vom benachbarten Bauern Koll erworben“, erinnert sich die ehemalige Vorsitzende des Turnvereins Winterhagen.

Der Hasengrund ist Heimat mehrerer Mitglieder der Familie Mühlinghaus. Ein idyllisches Fleckchen Erde am Rande von Wiehagen.