Hückeswagen: Zehn Jahre an der Spitze der Realschule

Blick zurück und nach vorne : Zehn Jahre an der Spitze der Realschule

Eigentlich wollte Christiane Klur nie Schulleiterin werden. Am 1. Februar leitet sie die Einrichtung an der Kölner Straße seit einem Jahrzehnt. Es waren aufregende, abwechslungsreiche, kraftraubende und erfüllende Jahre.

Auch sie selbst hat dran gedacht: Christiane Klur ist am 1. Februar 2019 seit genau zehn Jahren Leiterin der Städtischen Realschule. Und auf die Frage nach ihren Gefühlen, hat die 50-Jährige auch sogleich eine Antwort parat: „Erfüllt-Sein. Ich bin einen Weg gegangen und nun in der Rolle und in meiner Stelle angekommen“, sagt sie mit einer großen Portion Zufriedenheit. Und das, obwohl die vergangenen Jahre alles andere als ruhig verlaufen sind. Aber der Reihe nach.

Unterm Strich zählt für die Pädagogin, dass sie in in ihrer Arbeit viel Gestaltungsfreiheit hat – etwas tun kann, so wie sie es möchte. Aber sie sagt auch: „Die Rahmenbedingungen sind ganz sicher nicht besser geworden.“ Die Aufgaben an Schule seien vielfältiger: Integration, Migration, Digitalisierung, Inklusion. Da stoße man auch schon mal an Grenzen des Machbaren. Oder der Stundenplan: Vor zehn Jahren wurde er noch per Hand erstellt, das dauerte dann zwei Wochen und täglich acht Stunden. Christiane Klur nannte das gerne „Riesensoduko“. Heute gibt es dafür eine eigene Software, die es aber auch nicht unbedingt einfacher macht, wenn plötzlich zwei Kollegen krank sind und Christiane Klur Stunden, Personen und Fächer hin- und herschieben muss, damit der „Betrieb Schule“ möglichst geräuscharm weiter läuft.

„Man ist immer für alle da und möchte das System einfach am Laufen lassen“, sagt sie. An einer ländlich geprägten Schule wie in Hückeswagen sei die Schulleiterin immer auch Kummerkasten, Seelentröster, Ansprechpartnerin, Vertrauensperson. „Ich fühle mich für vieles hier verantwortlich in einem familiären System mit Kollegen, Schülern und Eltern“, sagt sie. Große Systeme mit großen Hierarchien sind nicht so ihr Ding. Eine Kollegin hat ihr mal gesagt, dass sie sich wie das Öl für den Motor fühlt. Dieser Vergleich gefällt Christiane Klur.

Eigentlich wollte sie niemals Schulleiterin werden, sondern lieber Konrektorin. Doch der damalige Leiter der Realschule, Dieter Schruff, hatte andere Pläne und blieb vor allem hartnäckig. Immer wieder bohrte er nach, bis sich Christiane Klur doch für den Posten entschied. „Eigentlich wollte ich immer kleine Lehrerin bleiben, nie ganz oben stehen, denn da kriegt man ja die meiste Prügel ab“, sagt sie. Was später auch passierte. Aber vor zehn Jahren wuchs dann doch der Ehrgeiz, es als Leiterin zu versuchen. „Unterm Strich habe ich diesen Schritt auch nie bereut“, sagt sie. Allerdings habe es in den vergangenen zehn Jahren sehr wohl Zeiten gegeben, in denen sie sich und ihre Rolle hinterfragt und auch nach beruflichen Alternativen gesucht habe.

Und da ging es dann nicht nur um die politische Diskussion um die Hückeswagener Schullandschaft, die 2003 so richtig begann. Da ging es dann ganz schnell auch um die Zukunft der Realschule. Klur erinnert sich an ein Gespräch mit dem damaligen Bürgermeister Uwe Ufer. „Der war ein Visionär, sah die Schullandschaft im Wandel und fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, Leiterin einer Sekundarschule zu werden“, erinnert sich die Schulleiterin. Sie konnte sich das vorstellen – in kooperativer Form mit Erhalt des dreigliedrigen Schulsystems. Also ging es 2015 an die Arbeit. Aber die Eltern waren dagegen, sechs bis acht fehlten, „die haben das dann entschieden“, erinnert sich Klur. Bis heute liegen Stifte und Blöke mit Sekundarschulzeichen in der Schublade. Nächste Idee der Politik: eine Gesamtschule mit zwei Standorten in Rade und Hückeswagen. „Da war ich nicht mehr mit im Boot, so ein System wäre nicht mehr zu steuern gewesen“, sagt Christiane Klur. Alles mitmachen wollte sie auf keinen Fall, aber die Brocken hinschmeißen auch nicht. Aufgeben – das gibt es für sie nicht. „Gerettet hat mich in schwierigen Situationen immer der Gedanke, sich weiterzuentwickeln“, sagt sie. Viele Fortbildungen hat sie absolviert, eine trug den Titel „Führen im Gegenwind“ – vom Umgang mit Widerständen. Das passte. Immer war Christiane Klur daran interessiert, professioneller zu werden, nicht stehen zu bleiben. „Aus Widerständen ist ganz oft was richtig Gutes geworden“, erinnert sie sich. Gegen die Gesamtschule äußerte sie sich auch erstmals öffentlich. Die Stadträte lehnten das Projekt schließlich ab. Als Christiane Klur vor zehn Jahren die Realschule von Schruff übernahm war die Einrichtung bestens aufgestellt, mithin der Druck und die Verantwortung ungleich höher. „Mir war die Qualität wichtig, der Ruf der Schule“, sagt sie. Die Vergleiche mit ihrem Vorgänger sind mittlerweile seltener geworden. Dann kam die nächste Schuldiskussion: Standort, Schultausch. Auch das Thema ist vom Tisch. „Ich wollte immer nur in Ruhe arbeiten, und das klappt auch, so lange wir genügend Schüler haben“, sagt sie. Christiane Klur wünscht sich am liebsten 70 bis 75 Schüler für drei Klassen. Vor zehn Jahren war die Schule drei- und vierzügig, heute nur noch zwei- und dreizügig. „Bei einer Zweizügigkeit fällt die Differenzierung schwierig“, sagt sie. Gerne würde sie mehr Schüler auch aus Wermelskirchen aufnehmen, aber da fehlt noch die Busverbindung. Sicher ein Thema der Zukunft. Christiane Klur bleibt eine Schulleiterin mit Herz, die gelernt hat, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und die Themen nicht mehr mit nach Hause ins Privatleben nimmt. „Das gelingt nicht immer“, sagt sie und schmunzelt. Ihr Blick richtet sich immer nach vorne. Und iIhr Kerngeschäft bleibt, Kinder aufs Leben vorzubereiten.

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