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Hückeswagen: Wupper-Vorsperre ist jetzt ein Forschungsprojekt

Hückeswagen als Versuchsobjekt : Wupper-Vorsperre ist jetzt ein Forschungsprojekt

Im Wasser wurden zwei Blasenfallen installiert, um zu testen, wie Methan aus abgelagertem Sediment „geerntet“ werden kann.

Zwei gelbe Bojen schwimmen seit wenigen Tagen in der Wupper-Vorsperre, die ein wenig an Badeenten erinnern. Dabei handelt es sich um Blasenfallen, die dank ihrer hochtechnischen Ausrüstung Messungen vornehmen sollen. Hintergrund: Die Technische Hochschule Köln (Labor für Wasser und Umwelt), die Universität Koblenz-Landau (Arbeitsgruppe Umweltphysik) und die Firma D-Sediment aus Werne im Kreis Unna haben dort das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (BDU) geförderten Forschungsprojekt „Entwicklung eines Verfahrens zur Methangas-Elimination aus Stauräumen“ gestartet.

Dafür waren jetzt Forscher in einem Schlauchboot auf dem Wasser unterwegs. „Wir haben an zwei Tagen die Vorsperre mittels Echolot vermessen, punktuelle Wasserqualitätsmessungen durchgeführt und zwei stationäre Messinstrumente installiert“, berichtet Produktmanagerin Laura Bolsenkötter von D-Sediment auf Anfrage unserer Redaktion. Das seien die ersten Felduntersuchungen in einer über mehrere Monate andauernde Messkampagne an der Vorsperre.

Von einem Schlauchboot aus nahmen die Wissenschaftler erste Untersuchungen vor. Foto: Müller

Ziel des Projekts, das im Dezember gestartet ist, ist die Entwicklung und der Test eines Prototyps zur sogenannten Methan-Ernte, mit dessen Hilfe das Gas aufgefangen werden soll. Dazu erläutert Laura Bolsenkötter: „Um einer Stauraum-Verlandung durch zunehmende Sediment-Ablagerung entgegenzuwirken, gibt es verschiedene Sedimen-Managementmaßnahmen.“ So könne beispielsweise das Sediment mittels Saugbagger remobilisiert, das heißt, gelockert und aufgewühlt und über eine Pumpe abgesaugt werden. „Dadurch wird das abgelagerte Sedimentgefüge gestört, und die im Sediment gespeicherten Gasblasen treten aus“, erklärt die Projektmanagerin.

Zur Trinkwasserversorgung, zum Hochwasserschutz und zur Niedrigwasseraufhöhung sowie mitunter zur Energieversorgung gewinnt das Anstauen zur Speicherung von Wasser immer mehr an Bedeutung. „Aufgrund von Stauraum-Verlandung ist allerdings trotz eines weltweit zunehmenden Ausbaus von Stauräumen ein kontinuierlicher Verlust an Stauraum-Kapazität zu verzeichnen“, sagt Laura Bolsenkötter. Dabei sorge das Sperrbauwerk für eine Unterbrechung des natürlichen Flusslaufs, wie es auch an der Vorsperre bei der Wupper der Fall ist. Entsprechend lagert sich das mit der Strömung mitgeführte Sediment auf dem Grund ab.

Neben der Ablagerung von Sediment reichert sich dort zudem ein Überschuss an organischem Material an. „Studien haben gezeigt, dass aus dem mikrobiellen Abbau organischer Substanz in Stauseen signifikante Treibhausgasemissionen in Form von Kohlendioxid und Methan an die Atmosphäre resultieren“, berichtet die Projektmanagerin.

Über umfangreiche Messungen in der Wupper-Vorsperre – vier weitere Blasenfallen, die nicht gestört oder gar beworfen werden dürfen, sollen noch installiert werden – soll eine detaillierte Treibhausgas-Bilanz aufgestellt werden. Bolsenkötter: „Die Bilanzierung der Emissionen und der Test der Anlage sollen beispielhaft an einem Modellstausee durchgeführt werden.“ Der Wupperverband, Betreiber der Vorsperre und der Wupper-Talsperre, unterstützt die drei Forschungspartner bei ihrem Projekt, das voraussichtlich über einen Zeitraum von zwölf Monaten laufen wird. Im Anschluss will der Wupperverband das angesammelte Sediment aus der Vorsperre entfernen.