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Hückeswagen: Wunderbarer Poetry-Slam-Abend mit zwei Thamm und Heuser

Kultur-Haus Zach : Wunderbarer Abend mit zwei Wortakrobaten

Die Poetry Slamer Sascha Thamm und Marian Heuser haben sich für ein grandioses und emotional sehr abwechslungsreiches Programm zusammengeschlossen. Damit gastierten sie im Kultur-Haus Zach.

Von der ersten Minute an – da hatte ihr eigentliches Programm noch gar nicht so recht begonnen – präsentierten der Remscheider Sascha Thamm und sein Münsteraner Compagnon Marian Heuser am Samstagabend beim Poetry Slam im Kultur-Haus Zach bereits ein Feuerwerk aus Geistesfunken. Der Abend versprach unterhaltsam zu werden – und er wurde es auch. Heuser stellte gleich zu Beginn klar, was das Publikum von ihnen beiden zu erwarten hat: Für den Humor sei Thamm zuständig, für das Nachdenklich-Melancholische er selbst. „Er baut Euch auf – ich reiße euch dann wieder runter“, konstatierte Heuser vollmundig.

Dabei kitzelte auch er mit seinen großartig frei vorgetragenen lyrischen Texten die Lachmuskeln seiner Zuhörer zugegeben wesentlich seltener und auf einer völlig anderen Ebene als Sascha Thamm. Marian Heuser reimte, rappte und jonglierte mit Wörtern, dass einem schwindelig wurde. Dennoch waren es keine leeren Worthülsen, die nur phonetisch schön klingen, sondern deren Substanz einen häufig am Ende erschlugen, überraschten und beeindruckten zugleich.

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Interne Dialoge, wie etwa in seinem Text „Er so, ich so“, die im ersten Moment oberflächlich erschienen, entpuppten sich als tiefgründige Existenz- und Sinnfragen, mit denen man sich als unvoreingenommener Zuhörer plötzlich selbst beschäftigte. Und vermeintliche Szenerien eines unangepassten und aufsässigen Zeitgenossen demaskierte Heuser poetisch wohlklingend, aber dennoch hart im Kern als Kritik an den Umgang mit Flüchtlingen. Anerkennung und Beifall erntete der gebürtige Sauerländer dafür, säte aber hin und wieder auch nachdenkliche Stille.

Keine Stille, dafür eine immer wiederkehrende Welle an Lachern erzeugte Sascha Thamm mit seinen Texten: geniale Kurzgeschichten mit humorvollen Alltagsbeobachtungen und jeder Menge Wortwitz, von denen man nicht genug bekommt. Das Besondere daran: Thamms Geschichten klingen nicht einmal kompliziert ausgedacht, sondern tatsächlich allesamt und nicht einmal übertrieben genau so erlebt. Und vermutlich ist eben das, gepaart mit seinem erfrischendem und ausschmückenden Schreibstil, das Fesselnde an seinen Geschichten.

Thamm machte aus Alltagssituationen faszinierende Erlebnisse, bei denen man dabei gewesen sein will. Und fast beneidete man den Remscheider für seine Kreativität. Denn wenn er schon solch grandios humorvolle und überraschende Texte zu Papier bringt, die wohl nur einen Bruchteil seiner Gedanken ausmachen, was wird dann alles in seinem Kopf schlummern? Nach den Ausführungen zu urteilen, liegt es nahe zu denken, dass es eine niemals endende Comedy-Show ist.

Fazit: Es war ein wunderbarer Abend mit zwei wunderbaren Künstlern, von denen man nach einem Auftritt gerne mehr hören und sehen will.