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Hückeswagen: Witzige Vorpremiere ohne Spickzettel

Kultur-Haus Zach Hückeswagen : Witzige Vorpremiere im Haus Zach ohne Spickzettel

Wie lustig Schulalltag in Corona-Zeiten sein kann, erzählt Kabarettist Johannes Schröder im Programm „Instragrammatik“.

Studierter Deutschlehrer und Kabarettist – passt das zusammen? Und ob! Am Samstagabend konnten sich die Zuschauer im Kultur-Haus Zach davon persönlich überzeugen. Zum zweiten Mal gastierte der Wahl-Kölner Johannes Schröder in der Schloss-Stadt. Nach „World of Lehrkraft“ im vorigen Jahr gab es nun die Vorpremiere seines neuen Programms „Instagrammatik – Das streamende Klassenzimmer“. Natürlich spielte auch hier das aktuelle Thema „Corona“ eine Rolle.

„Wir machen hier heute Präsenzunterricht“ begrüßte Schröder die etwa 50 Zuschauer im ausverkauften Saal, bevor er direkt aus dem Schulalltag unter Corona-Bedingungen plauderte: „Die Schüler müssen untereinander einen Viertklässler Abstand halten, aus dem Abiball wird der Maskenball, und vor lauter Händewaschen kommt der Spickzettel von vor zwei Jahre zum Vorschein.“

Ein Thema waren aber auch die Eltern, die während der Homeschooling-Phase ihre Kinder beim Lernen unterstützen mussten. „Das sind 30 Millionen pädagogische Quereinsteiger“, witzelte der Comedian.

Von Anfang an ging Johannes Schröder in den Dialog mit dem Publikum, insbesondere mit Berufsschüler Lucas und Gymnasiastin Milena. Persönlich angesprochen vom Programm fühlten sich auch Deutschlehrerin Katharina Wnuk und Lehramtsstudent Florian Theis, die sich den Live-Auftritt nicht entgehen lassen wollten. „Das ist Nischen-Comedy. Toll, dass das in Hückeswagen angeboten wird“, sagte Wnuk, die den direkten Vergleich zu ihrer eigenen Lehrtätigkeit hatte. „Herr Schröder bringt vieles auf den Punkt, echt lustig, teilweise überspritzt, aber auch tiefsinnig“, freute sich die Hückeswagenerin über die gute Unterhaltung.

Ebenso im Publikum saßen drei Schulsekretärinnen, darunter Astrid Gerhardus, Sekretärin der Realschule: „Ich war schon bei seiner ersten Tour mit Kollegen hier“, sagte sie. „Super lustig“, befanden auch ihre Begleiterinnen.

Kleine Video-Einspieler brachten weiter Abwechslung und waren willkommene Pausen, wenn die Wortspielereien zu geballt auftraten, so dass man kaum sicher sein konnte, jeden Witz und jede Zweideutigkeit auch wirklich bewusst wahrzunehmen.

Passend zum Programm-Titel standen die sozialen Medien wie Instagramm, Facebook und WhatsApp im Vordergrund, wobei schon der Umgang mit dem Tageslichtprojektor für so manchen Oberstudienrat eine Herausforderung darstellen dürfte. „Lehrer haben eine Herdenimunität, was Digitalisierung angeht“, befand Schröder, der als Kunstfigur auf der Bühne Lehrer der „Helene-Fischer-Gesamtschule“ ist.

Von Vorpremiere oder Hängern im Redefluss merkte der Zuschauer nichts, außer das Gags mit wenigen Lachern sofort auf der „Roten Liste“ landeten. Und dann kam auch das Publikum kurz ins Grübeln, als Herr Schröder fragte, wie man denn eine Sprachnachricht nennt, die vorher nicht aufgenommen und abgespeichert wurde. Ganz einfach: „Telefonieren.“

Ein durchweg witziger Abend, der dringend einer Wiederholung bedarf. Der geplante Zusatztermin am Folgetag fiel jedoch aufgrund der geringen Kartenvorreservierung aus.